Kamern l  Das ergab eine Abstimmung des Publikums vor dem Abendfilm. Die Mehrheit plädierte dafür, auch in den kommenden Jahren lieber ältere Filme anzuschauen, die noch auf Zelluloidfilmen in großen Rollen vom TK 35 präsentiert werden. Das Kürzel steht für „Tonkino-Kofferanlage“ und 35-mm-Film, gemeint sind damit die beiden noch aus DDR-Zeiten stammenden Filmprojektoren. Hergestellt wurden sie in den 1950er Jahren im damaligen VEB Carl Zeiss Jena. Neue Kino-Produktionen werden nur noch digital gespeichert und müssten mit einem Beamer auf die Leinwand projiziert werden. Das erfolgt sogar geräuschlos – doch gerade das Rattern der Projektorengetriebe ist es, was den Kino-Nostalgie-Fans dann fehlen würde.

Es war der 10. Kinosommer, welcher in Kamern stattfand: 2009 wurde das alte Kinozelt wieder mit Leben erfüllt, 2013 musste die Veranstaltung wegen der Flutfolgen ausfallen – auch das Kinozelt hatte im Wasser gestanden.

Kinozelt war gut gefüllt

So war denn am Nachmittag bei der DEFA-Produktion „Die Söhne der großen Bärin“ das Kinozelt erneut gut gefüllt. Wie gewohnt gab es wieder Popcorn vorweg und der Förderverein der Wehr bot Getränke an. Neu war die Teilnahme vom Jugendklub, welcher Kaffee und Kuchen anbot.

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Der ausgebildete und einst in Aachen tätige Filmvorführer Hans Carnol – er gehört mit Guido Krull und Jürgen Brandt zum Organisatoren-Trio – wurde dieses Mal vom Havelberger Autodidakten Eyko Pohland unterstützt. Fünf Filmrollen sind für den ersten DEFA-Indianerstreifen nötig, dessen Premiere im Februar 1966 war. „DDR-Chefindianer“, der Serbe Gojko Mitić, startete als Häuptling Tokei-ihto seine Karriere und wurde zum Idol der Jugend.

Zur Abendvorstellung, wo die DEFA-Krimikomödie „Der Bruch“ aus dem Jahr 1989 mit Götz George, Rolf Hoppe und Otto Sander in den Hauptrollen gezeigt wurde, fanden sich naturgemäß noch weit mehr Kinofans am abendlichen Kamernschen Badestrand ein. Als Projektionsfläche diente die Wand des neuen Jugendklubs.

Vorab sahen die Gäste einen Trailer über zehn Jahre Kamernscher Kinosommer, welchen Martin Matzke gedreht hatte. Eine Übersicht über die in dieser Zeit gezeigten Filme und die entsprechenden Plakate war darin zu sehen. Auch bei dieser Veranstaltung versorgte der Förderverein der Kamernschen Feuerwehr.

Damit die Eintrittspreise auf einem erträglichen Niveau gehalten werden können, müssen die Organisatoren im Vorfeld viele Klinken putzen und etliche Sponsoren um finanzielle Zuschüsse bitten. Der Überschuss des Kinosommers wurde traditionell immer für ein bestimmtes Projekt gespendet. Diesmal soll davon ein Defibrillator für den Badestrand gekauft werden, welcher im Winter in der Feuerwehr gelagert wird, informierte Jürgen Brandt, welcher auch der Ortswehr vorsteht. Für den Kauf des Gerätes sind aber noch finanzielle Zuschüsse nötig. Die Jugendband der Kirche, welche abends aufspielte, verzichtete darum auf ihre Gage.