Schönhausen l Gerade erstrahlt das große Bismarck-Epitaph in der Schönhauser Kirche nach mehrjähriger Restaurierung in altem Glanz, da nimmt die Kirchgemeinde schon das nächste Projekt in Angriff. Es ist bedeutend kleiner und auch nicht so kostenintensiv, deshalb aber trotzdem sehr wertvoll – vor allem ideell.

Pfarrer Ralf Euker und Prädikantin Michaela Möbius sind zuversichtlich, dass sich das nächste Projekt wegen seines überschaubaren Umfanges in nur kurzer Zeit umsetzen lässt: die Einrichtung der Friedenskapelle im nördlichen Seitenschiff des Gotteshauses. Im November, wenn sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt, soll dieser Platz eingeweiht werden.

Unter den 17 Millionen Toten des Krieges von 1914 bis 1918 befanden sich auch 89 Schönhauser. An sie erinnert bereits ein Mahnmal in der Kirche. Es befindet sich im Nordschiff und wurde aus dem Holz einer ehemaligen Schönhauser Bockwindmühle erschaffen.

Bilder

Bücher mit allen Kriegstoten

Die 89 Namen sind auch in den Gefallenenbüchern verzeichnet, die Flora Pütsch mit viel Hingabe zusammengestellt und geschrieben hatte. Die ehemalige, inzwischen verstorbene Schönhauserin erledigte diese Arbeit in ihrem westdeutschen Exil in der Lüneburger Heide. Der ebenfalls inzwischen verstorbene Hans Paulßen hatte sich dafür eingesetzt, dass die in mehreren Ordnern sortierten Dokumente in der Kirche ihren Platz finden. Er engagierte sich außerdem mit einem Spendenaufruf in seinem Freundes- und Bekanntenkreis für die Herstellung des Friedensaltars. In dem von Hagen Siedler gebauten Schrein, der an den romanischen Baustil der Kirche angepasst ist, liegen die drei „Bücher der Namen“ der Schönhauser Kriegstoten seit 1806, also auch des Zweiten Weltkrieges. So manch bewegendes Schicksal ist hier verewigt, mit Bildern wird den Toten wieder ein Gesicht gegeben. Auch Postkarten sind enthalten.

Während der Öffnungszeiten kann jeder, der es möchte, in den Büchern lesen.

Noch steht der Altar unter dem Triumphkreuz am Übergang zum Altarraum. Doch von Anfang an war geplant, dass aus dem Mahnmal für die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs, den „Büchern der Namen“ und dem Friedensaltar einmal im Nordschiff die „Friedenskapelle“ entstehen soll.

Einweihung

„Dem stand bislang entgegen, dass der Raum vor dem Mahnmal noch als Lagerplatz für Teile des Augustus-Epitaphs gebraucht wurde. Mittlerweile ist alles beräumt“, sagt der Pfarrer. Und: „Zusammen mit dem Schönhauser Gemeindekirchenrat hoffe ich, dass uns die Einrichtung der Friedenskapelle gelingt. Ein sehr sinnfälliger Einweihungstermin wäre Sonntag, der 11. November.“

Gebraucht werden für die Kapelle lediglich sechs Stühle und zwei Kerzenleuchter, die stilistisch sowohl zum Mahnmal als auch zum Friedensaltar passen. Hagen Siedler hat schon einen Entwurf erstellt. Die Herstellungskosten für einen der Stühle betragen 350 Euro, für einen der beiden Kerzenleuchter 330 Euro.

„Immer wieder haben wir hier in Schönhausen bewiesen, dass uns das historische und kulturelle Erbe, das uns in unserem Wohn- und Heimatort anvertraut ist, am Herzen liegt. So konnten schon der Barockaltar, das Augustus-Epitaph, der romanische Taufstein und der Kirchturm restauriert und auch der Friedensaltar geschaffen werden.“ In diesem Sinne bittet Ralf Euker die Einwohner, die Einrichtung der Friedenskapelle zu unterstützen. Jeder noch so kleine Betrag ist willkommen. Wer gar einen ganzen Stuhl finanzieren möchte, kann das mit einer Stifterplakette am Objekt deutlich machen.

Das Spendenkonto: Kreiskirchenamt Stendal, IBAN: DE75 3506 0190 1558 2460 37, BIC: GENODED1DKD (Bank für Kirche und Diakonie), Zweck: Friedenskapelle Schönhausen