Havelberg l Einig waren sich die Helfer, dass die Öffnung der Stadtkirche und der damit mögliche Kontakt mit vielen Besuchern viel Spaß gemacht hat. Am Freitagabend begrüßte Pfarrer Frank Städler einige der zehn Frauen und Männer zu einer Auswertung. Von Anfang Mai bis Ende Juli hatten sie jeweils freitags bis sonntags das Gotteshaus auf der Haveberger Stadtinsel von 12 bis 16 Uhr für Besucher geöffnet. Zu sehen waren die Reformationsausstellung „Here I Stand“ und die Ketzer-Köpfe von Lutz Friedel.

Die Stadtkirche steht bei Touristen hoch im Kurs. Etliche waren im Buga-Jahr 2015 in der Hansestadt und haben die Kirche als Domizil für die Blumenhallenschauen erlebt. Andere haben davon gehört und wollen sie jetzt gern besuchen, wieder andere wollen sie einfach sehen, weil sie geschichtlich und/oder kirchlich daran interessiert sind. An den meisten Tagen seit der Buga ist lediglich das Hauptportal der Kirche geöffnet und die Besucher können durch die Gittertür einen Blick hinein werfen. Nun also wurde die Möglichkeit geschaffen, das Gotteshaus zumindest in der Saison von Freitag bis Sonntag zu öffnen. Im Schnitt waren es 50 bis 100 Besucher pro Tag, kann Frank Städler der Statistik entnehmen.

„Das Publikum war wider Erwarten sehr gemischt“, gab Monika Hanitzsch ihre Einschätzung wieder. „Es waren auch viele junge Leute unter den Besuchern, die sich sehr interessiert in der Kirche umgeschaut haben. Es gab viele schöne Gespräche“, berichtete sie weiter. Selten dagegen waren Einheimische unter den Besuchern.

Das allerdings scheint sehr unterschiedlich zu sein. Max Tietze zum Beispiel hatte auch Havelberger und ehemalige Einwohner begrüßt. „Manche Besucher waren schon zur Buga hier und wollten sich jetzt die Kirche ohne Blumenschau ansehen“, sagte er.

Singende Gäste

Themen waren aber auch die Sanierung der historischen Scholtze-Orgel, für die Besucher gern auch spendeten, oder die fehlenden Bänke im Kirchenschiff. Wenn man den Leuten erklärte, dass stattdessen die Stühle aufgestellt worden sind, um die Kirche vielfältig nutzen zu können, zeigten sie Verständnis dafür. Von vielen gelobt wurde die hell und freundlich wirkende Kirche.

Mit Gudrun Elster hatten die Besucher eine Gesprächspartnerin, die sich bestens im Gotteshaus auskennt, war ihr Vater dort doch viele Jahre Pfarrer. Manch Besucher wunderte sich wegen der Ketzer-Köpfe in der Kirche. Schnell kam dann das Gespräch auf Luther, der vor 500 Jahren auch als Ketzer hätte verbrannt werden können. Und auf den Namensgeber der Stadtkirche Sankt Laurentius, der als Märtyrer starb. „Viele haben sich gefreut, dass die Kirche offen ist“, berichtete sie. So manchen verleitete der Besuch sogar zum Singen. Von der Akustik begeistert, sangen drei Herren spontan lateinische Lieder. Auch eine Familie hob zum Gesang an. Andere nutzten die Stille für ein Gebet, zündeten eine Kerze an.

Alles in allem fand die Kirchenöffnung großen Anklang. Und weil die Ehrenamtlichen selbst viel Freude an den vielen interessanten Begegnungen hatten, wir das nun fortgesetzt. Die Liste mit den einzelnen Terminen füllte sich gleich am Freitagabend wieder mit Helfern. Weitere, auch wer bisher noch nicht mit dabei war, können sich gern bei Max Tietze unter 0171/7516041 melden. Die Ausstellungen sind weiterhin zu sehen.