Havelberg l Ohne die vielen engagierten Kräfte aus dem Kreis der Mitarbeiter des inzwischen geschlossenen Havelberger Krankenhauses und der Bürger aus der Region hätte es den Protest vor der Kreistagssitzung am Donnerstagabend in Stendal möglicherweise nicht mehr gegeben. Darauf machte die Vorsitzende des Betriebsrates Sandra Braun in ihrer Rede vor der Bürgerparkhalle aufmerksam. Sie zog vor den rund 80 Teilnehmern der Demonstration vor der Bürgerparkhalle noch einmal Bilanz über die vielen Aktivitäten, die seit dem Bekanntwerden der Schließungsabsichten durch den Krankenhausträger KMG am 10. Januar initiiert wurden.

Zwei Groß-Demos in Havelberg, 31 Aktive Mittagspausen, zwei Demos vor Kreistagssitzungen und 13.000 Unterschriften für den Erhalt des Krankenhauses gehören dazu. Es habe sie auch niemand aufhetzen müssen, „wir nehmen unser Bürgerrecht wahr“, machte sie deutlich.

Mit Plakaten, Sprüchen, Trillerpfeifen und anderem mehr machten die Protestler lautstark auf sich aufmerksam. Angesichts der Querelen im Vorfeld waren die Erwartungen gering, dass in der Sitzung überhaupt ein Beschluss zum Krankenhaus gefasst wird. Doch schafften es die Kreistagsabgeordneten nach zweistündiger, teilweise hitziger Diskussion, einstimmig zu beschließen, dass der Landkreis die Krankenhaus-Liegenschaft kaufen soll.

Bilder

„Wichtig, dass es weitergeht“

„Es ist wieder ein Stück Landsterben, wieder mehr Abgehängtsein“, sagte Lothar Riemann im Vorfeld, weshalb er mit zum Protest nach Stendal gefahren ist. Als ehemaliger Grundschulleiter hat er die Jüngeren im Blick und macht auf den D-Arzt aufmerksam, den es am Krankenhaus gab und der bei einem Schulunfall aufgesucht werden muss. „Zum körperlichen Schmerz kommt dann auch noch der seelische“, denkt er an lange Warte- und Fahrzeiten.

Ein Problem, das auch Kita-Leiterin Heidi Lähns kennt. Zu den Teilnehmern der Demo gehörte auch Hebamme Ute Knospe. „Ich zeige mich solidarisch mit den Mitarbeitern, habe selbst 22 Jahre im Krankenhaus gearbeitet“, erinnert die Havelbergerin an die Schließung der Geburtsstation vor 20 Jahren. „Ich bin fest davon überzeugt, dass das Gesundheitswesen nie hätte privatisiert werden dürfen. Es bleibt so viel Menschliches auf der Strecke.“

Für die Kreistagssitzung hatten die Mitarbeiterinnen des seit 1. September geschlossenen Krankenhauses Fragen für die Einwohnnerfragestunde vorbereitet. Die beantwortete Landrat Patrick Puhlmann (SPD) in seinem Bericht zum Tagesordnungspunkt Krankenhaus. Angesichts der lang anhaltenden Debatte mit teilweisem Parteienzwist fiel es manchem Kreistagsgast schwer, an sich zu halten.

Doch am Ende der zweistündigen Diskussion fiel der einstimmige Beschluss zum Kauf der Krankenhaus-Liegenschaft. „Warum denn nicht gleich so? Die Politiker müssen endlich Mut zeigen und Verantwortung für unsere Zukunft übernehmen“, sagte Krankenschwester Anja Graff. „Junge Leute brauchen Anreize, hier zu bleiben. Von schöner Landschaft allein können wir nicht leben.“

„Der erste Schritt ist erfolgt. Nun ist es wichtig, dass es weitergeht und dass auch die Salus eine reale Chance bekommt, ihr Konzept vorzustellen“, machte Stadtratsmitglied Jürgen Kerfien (SPD) deutlich, dass nicht nur mit den Johannitern als möglicher Betreiber gesprochen werden soll. Krankenschwester Karola Schulze würde bei der Suche nach einem Betreiber auch über Kreisgrenzen hinweg zum Beispiel Richtung Perleberg schauen. Sie warnt nach dem Kreistagsbeschluss vor Euphorie.

 „Die Wiedereröffnung liegt noch in weiter Ferne.“ Für Rosemarie Busse, die von Anfang an den Protest von Seiten der Bürger unterstützt hat, zeigt das Ergebnis: „Unser Kampf hat sich gelohnt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“