Havelberg l Aktive Mittagspause Nummer 19: Gestern Donnerstagmittag haben sich wieder Mitarbeiter des Havelberger Krankenhauses und Bürger aus der Hansestadt vor dem Klinikum versammelt, um ihren Protest gegen die Schließung kund zu tun und – wiederholt – Informationen von Seiten der Politik einzufordern. Denn noch immer ist nicht klar, wie es mit der stationären medizinischen Grundversorgung weitergeht.

Betriebsratsvorsitzende Sandra Braun informierte über das Gespräch mit Landrat Patrick Puhlmann (SPD) am Mittwoch mit Vertretern der Belegschaft. Doch konnte er nichts Neues verkünden. Wie berichtet, gibt es mit den Johannitern in Stendal und der landeseigenen Krankenhausgesellschaft Salus zwei, die als mögliche Träger gehandelt werden, damit die medizinische Versorgung in Zukunft abgesichert ist. Dazu sind Verhandlungen mit dem aktuellen Krankenhausbetreiber KMG erforderlich. „Wir haben dem Gespräch entnommen, dass die Verhandlungen noch nicht beendet sind. Deshalb bleiben wir in der Öffentlichkeit präsent und brauchen weiterhin die Unterstützung von Bürgern und von der Politik, denn wir wollen das Krankenhaus für unsere Bevölkerung, für die Stadt und für unsere Arbeitsplätze erhalten“, wies Sandra Braun auf die große Demo hin, die für Donnerstag, 25. Juni, geplant ist. Nach der Aktiven Mittagspause am Donnerstag trafen sich Mitarbeiter und engagierte Bürger in der Domkurie „D8“ zur Vorbereitung.

Zu ihnen gehört Holger Schulz aus Wöplitz. Er sprach auch zu den Protestierenden. Mit der Privatisierung von Krankenhäusern müsse endlich Schluss sein. Mit Blick auf die mögliche Schließung der Kinderklinik am Salus-Standort Gardelegen schlug er vor, mit Bürgern von dort eine gemeinsame Front aufzubauen, um für beide Kliniken zu kämpfen.

Anlaufstelle für Notversorgung ist wichtig

Der Wöplitzer ging auf den schlechten Ruf ein, der dem Krankenhaus in so manchen Gesprächen anhängt. Dieser sei kein Wunder, wenn die Geschäftsführung kein Interesse an einem Weiterbetrieb habe und nicht für die nötige Ausstattung sorge. „Ich selbst habe nur gute Erfahrungen im Krankenhaus gesammelt. Wir hatten hier gute Ärzte mit Visionen. Wir wissen alle, dass Altenpflegeheime Gelddruckmaschinen sind, Krankenhäuser aber sind notwendige Einrichtungen, um Kommunen wie Havelberg am Leben zu erhalten“, sagte er in Bezug darauf, dass KMG anstelle des Krankenhauses ein Pflegeheim plant.

„Ich bin enttäuscht, wie wenig Leute hier sind“, sagt Rosemarie Busse aus Kamern. Sie gehört der Initiative an, die sich seit dem Bekanntwerden der Schließungspläne im Januar für den Kampf ums Krankenhaus engagiert. „Kaum Bürger. Und auch kein Stadtrat ist hier. Wenn das Krankenhaus erst zu ist, braucht keiner mehr zu jammern“, macht sie deutlich, dass der immer wieder geforderte Druck aus der Öffentlichkeit auf die Politik weiterhin notwendig ist. Deshalb bereitet auch sie die Demo mit vor. „Hier ist eine Anlaufstelle für die Notversorgung von Patienten wichtig, ob für den Schüler, der sich im Sportunterricht den Fuß umgeknickt hat, den Bauarbeiter, der sich auf der Baustelle verletzt hat, oder für den Diabetiker, der schnelle Hilfe braucht. Dass bei schweren Erkrankungen eine Verlegung in andere Krankenhäuser erfolgt, ist logisch. Wir brauchen hier trotzdem die Grundversorgung.“

Auf dem Protestmarsch vom Krankenhaus über die Krugtorstraße vor zur Ampelkreuzung am Camps sammelte Betriebsrätin Kerstin Nicke Meinungen von Bürgern ein, weshalb sie für das Krankenhaus einstehen und wie sie von einer Schließung betroffen wären. Diese Aussagen kommen als Sprechblasen auf Schilder, die die Mitarbeiter für die Demo anfertigen wollen.

Sie hoffen, dass dann wieder viele Menschen ihre Solidarität mit dem Krankenhaus bekunden. Am besten wieder über 600, so wie bei der ersten Groß-Demo am 20. Januar. Beginn ist um 12 Uhr vorm Krankenhaus. Am 18. Juni beginnt zu dieser Zeit die 20. Aktive Mittagspause.

Wenige Leute im Protestzug

Mit dabei sind dann Marianne und Ulrich Radecker. „Wir verfolgen das alles von Anfang an und sind Woche für Woche beim Protest dabei. Wir sehen das als unsere Verpflichtung an, denn es geht hier um uns alle. Gerade jetzt sind Aktivitäten gefragt. Es ist traurig, wie wenig hier sind. Wir resignieren nicht und kämpfen weiter für unser Krankenhaus, auch im Andenken an die früheren Chefärzte Krätzig und Schulzke“, sagt Marianne Radecker. Ihr Mann, der dabei war, als das 1974 eingeweihte neue Krankenhaus in den 1990er neue Fenster und Dämmung erhielt, ergänzt: „Wie haben wir uns damals gefreut, dass wir solch ein schönes Krankenhaus bekommen.“