Havelberg l Die Adressen verschiedener Politiker und Fraktionen von Bund, Land, Kreis und Stadt stehen in der Versandliste für den Brandbrief, mit dem die Belegschaft des Havelberger Krankenhauses einen weiteren Hilferuf im Sinne einer vernünftigen Gesundheitsversorgung nach der Schließung des KMG Klinikums startet. Auch Landrat Patrick Puhlmann (SPD) und der Vorstandsvorsitzende der KMG Kliniken Stefan Eschmann haben diese Post erhalten. Nach der Großdemo vor einer Woche auf dem Domplatz mit 550 Teilnehmern wollen die Mitarbeiter den Kampf fortführen, auch wenn sie inzwischen die Gewissheit haben, dass das Krankenhaus geschlossen wird.

In dem Brief führen sie die Situation auf, wie sie sich ihrer Ansicht nach nach der Schließung des Krankenhauses und der von der KMG geplanten Eröffnung eines Seniorenheimes darstellen würde. Demnach würden drei Pflegeheime mit übermäßiger Kapazität und ausreichend ambulante Pflegedienste bereit stehen. „Wir haben drei praktizierende Hausärzte, davon sind zwei rentennah. Seitdem in Klietz im März dieses Jahres der Rettungswagen stationiert wurde, befindet sich in Havelberg leider nur noch ein Rettungsfahrzeug. Das nächste Krankenhaus befindet sich 50 Kilometer entfernt in Stendal oder landesübergreifend im Brandenburgischen 35 oder 40 Kilometer entfernt ohne Nahverkehrsanbindung“, kritisieren sie. „Unserer Meinung nach sind das unhaltbare Zustände, die sozial nicht vertretbar sind.“

Die Mitarbeiter erinnern in dem Brief daran, dass Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) Unterstützung zugesagt, der Kreistag für den Erhalt des Krankenhauses gestimmt hat und das Haus im Krankenhaus-Bedarfsplan für das Land Sachsen-Anhalt mit aufgeführt ist. „Wir fragen uns mit Entsetzen, was sind ein Wort, eine Abstimmung und eine Planung unserer gewählten Politiker wert? Wir fühlen uns vorgeführt, missbraucht und nicht respektiert. Wir sind keine dummen Schulmädchen, sondern gestandene Frauen und fordern die Ministerin und den Landrat auf, ihrer Versorgungspflicht gegenüber den Menschen in und um Havelberg nachzukommen.“

Aufgeben ist für die Mitarbeiter noch immer keine Option: „Den Stimmen, die da sagten und sagen: ,Euer Kampf bringt nichts!‘ oder ,Es ist seit geraumer Zeit mit der Politik und dem KMG-Konzern beschlossen, das Krankenhaus zu schließen‘ sagen wir: ,Was würde die Welt ohne Menschen sein, die sich sozial engagieren und mutig etwas für sozial schwache Menschen verändern wollen?‘“

Die Aktiven Mittagspausen donnerstags um 12 Uhr vor dem Krankenhaus gehen weiter, auch am 2. Juli wieder.