Havelberg l Die am späten Freitagnachmittag bekannt gewordene Nachricht vom Ende des Krankenhausbetriebes durch die KMG Kliniken schon vor dem 30. September sei ein weiterer herber Schlag für Havelberg. „Für mich ist es noch einmal Anlass zum Appell an alle Beteiligten, konstruktiv und mit mehr Mut für eine stationäre Patientenversorgung in Havelberg zusammenzuarbeiten“, sagt Landrat Patrick Puhlmann (SPD) und berichtet, „dass sich die Gespräche zum Weiterbetrieb des Gesundheitsstandorts als Zentrum der medizinischen Grundversorgung mit der Möglichkeit einer stationären Patientenbetreuung ohnehin in schwierigem Fahrwasser befinden“.

Zugleich macht er deutlich, dass eine Übernahme des Hauses durch den Landkreis oder andere weiter möglich sei. Der Umgang mit dem dann bestehenden Altenpflegeheim, das KMG eröffnen will, sei jedoch ein weiterer zu klärender Punkt in Verhandlungen auch mit potenziellen späteren Betreibern. „Dies wirkt eher erschwerend.“

Nach dem Grundsatzbeschluss des Kreistages vom 16. Juli sei der Landkreis schriftlich an alle Akteure herangetreten und habe mit KMG Verhandlungen zur Übernahme der Krankenhausgesellschaft durch den Landkreis aufgenommen, berichtet der Landrat. Um krankenhaus- und kommunalrechtliche Hürden für eine eigene Übernahme der GmbH und anschließender Bestellung eines Betreibers zu klären, habe der Landkreis einen fachlich versierten Rechtsbeistand engagiert.

Salus ist zunächst raus

Johanniter und Salus, die als mögliche Betreiber vom Kreistag benannt wurden, sollten bis 10. August Vertragsentwürfe vorlegen. Das sei nicht geschehen. Die Salus gGmbH habe erklärt, dass das Modell einer Portalklinik, so wie es im Kreistagsbeschluss gefordert wurde, für sie nicht leistbar sei. Sollte man sich in Richtung von Vorschlägen der Salus aber neu ausrichten, wäre die Tür nicht zu. Die Johanniter hätten zumindest ihr im Kreistag vorgestelltes Konzept den Kostenträgern sowie dem Land vorgestellt und weiter konkretisiert.

„Nach jetzigem Stand und jetziger Beschlusslage sind damit die Johanniter mit ihrem Konzept der Portalklinik die einzig verbleibenden potentiellen Betreiber. Allerdings sind auch hier noch viele Fragen durch Johanniter sowie Kostenträger und Land zu klären. Eine seriöse Prognose kann ich hierzu vorerst nicht geben“, so Puhlmann.

Seine Schlussfolgerung: „Damit ist klar, dass ein nahtloser Weiterbetrieb ab dem 1. Oktober nicht möglich sein wird. Die bisher diskutierten Modelle werden wir seitens des Landkreises dennoch unverändert weiterverfolgen, auch wenn die Ausgangslage mit der vorgezogenen Schließung nicht einfacher geworden ist.“

Zur Frage des Rettungsdienstes schätzt der Landrat ein, dass durch den Wegfall der Behandlungsmöglichkeit auch für minderschwere Fälle vor Ort der Bedarf an Krankentransporten in weiter entfernt liegende Krankenhäuser voraussichtlich steigen werde.

„Gerade rechtzeitig wird dabei planmäßig ab 1. September der im vorigen Jahr nach Klietz verlegte Rettungswagen ersetzt. Aufgrund der Krankenhausschließung habe ich bereits am Wochenende mit dem Landesvorsitzenden der Johanniter-Unfall-Hilfe gesprochen. Statt des geplanten Krankentransportwagens soll ein vollausgerüsteter Rettungswagen eingesetzt werden, um auf eine steigende Zahl langer Notfallfahrten vorbereitet zu sein.“

Mehr Fachärzte?

Zum Thema ambulante ärztliche Versorgung stehe die Frage, „ob wir zumindest übergangsweise die ambulante Facharztversorgung in Havelberg stärken können. Als Landkreis hoffen wir hier mit entsprechenden Partnern zeitnah ein Angebot machen zu können. Durch die vorgezogene Schließung werden aber für die nächste Zeit längere Wege unumgänglich sein“.

Zur stationären Versorgung sagt Puhlmann: „So unbefriedigend es für uns alle ist, rein rechtlich gilt die Kranken­hausversorgung des Elb-Havel-Winkels durch die anderen Krankenhäuser der Region trotz erheblicher Wegstrecken als sichergestellt.“