Medizin

Krankenkassen befürworten Konzept der Salus für ein Gesundheitszentrum in Havelberg

Bis 1. August wollte die landeseigene Krankenhausgesellschaft Salus das Konzept für ein Intersektorales Gesundheitszentrum in Havelberg entwickeln. Noch gibt es einiges zu klären.

Von Andrea Schröder
Der Protest zum Erhalt des Krankenhauses in Havelberg hatte keinen Erfolg. Nun gibt es aber Fortschritte für den Aufbau eines Intersektoralen Gesundheitszentrums.
Der Protest zum Erhalt des Krankenhauses in Havelberg hatte keinen Erfolg. Nun gibt es aber Fortschritte für den Aufbau eines Intersektoralen Gesundheitszentrums. Archivbild: dpa

Havelberg - „Das fachlich-inhaltliche Konzept für Havelberg steht. Es beinhaltet ein Modellprojekt zum stufenweisen Aufbau eines Intersektoralen Gesundheitszentrums, der mit der Etablierung eines Medizinischen Versorgungszentrums beginnt, gefolgt von pflegerischen Übernachtungsbetten mit ärztlicher Rufbereitschaft sowie fachtherapeutischen Angeboten“, teilt Franka Petzke, Pressesprecherin der Salus gGmbH, auf Volksstimme-Nachfrage mit. Bis 1. August wollte die landeseigene Krankenhausgesellschaft das Konzept für eine Rund-um-die-Uhr-Gesundheitsversorgung in Havelberg vorlegen. Eckpunkte daraus waren bereits Anfang Juni in der Hansestadt vorgestellt worden.

Gespräche mit Akteuren

Bevor mit dem Medizinischen Versorgungszentrum in erster Stufe gestartet werden kann, laufen neben der detaillierten rechtlichen und wirtschaftlichen Untersetzung des Vorhabens derzeit Gespräche mit Akteuren der ambulanten und stationären Gesundheitsversorgung, deren Kooperationsbereitschaft gefragt ist. Dazu gehören Kostenträger, die Kassenärztliche Vereinigung sowie Krankenhausträger der Region, berichtet Franka Petzke. „Anschließend erfolgt die Gremienbefassung innerhalb der Salus Altmark Holding, insbesondere ist die Zustimmung des Aufsichtsrates erforderlich.“

Von Seiten der Kostenträger liegt bereits ein positives Votum vor. In einer gemeinsamen Erklärung der Verbände der Krankenkassen in Sachsen-Anhalt heißt es, dass sie „an zukunftsfähigen Strukturen interessiert sind, die die medizinische Versorgung der Versicherten auf hohem Niveau unter wirtschaftlich machbaren Rahmenbedingungen in der Region Havelberg sichert“.

Konzept ist flexibel

Und weiter: „Das Modell eines IGZ im gestuften Aufbau, das mit verschiedenen allgemeinmedizinischen und fachärztlichen Angeboten die bisherigen ärztlichen Angebote der Region vervollständigt, ist aus unserer Sicht sinnvoll und richtig. Es ist flexibel, denn es sieht darüber hinaus die tageweise Einbeziehung weiterer Fachdisziplinen und die Vernetzung mit anderen Leistungserbringern der Region vor. Die Möglichkeiten einer Notfallversorgung inklusive der Beobachtung von Patienten über Nacht mit pflegerischer und telemedizinscher Überwachung erlauben es, die tagesaktuellen Anforderungen an eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung verlässlich zu erfüllen.“

So sieht der Vorschlag für ein Intersektorales Gesundheitszentrum in Havelberg aus, das die Salus stufenweise aufbauen möchte.
So sieht der Vorschlag für ein Intersektorales Gesundheitszentrum in Havelberg aus, das die Salus stufenweise aufbauen möchte.
Konzeptgrafik: Salus gGmbH

Das stufenweise Vorgehen sei angebracht, weil bereits das Verwirklichen der ersten Stufe einiger Anstrengungen bedürfe. In diesem Punkt würden die Krankenkassen die Einschätzung der Salus teilen. Zu wesentlichen zu klärenden Fragen gehöre, dass qualifiziertes medizinisches Fachpersonal nach den Qualitätsvorgaben vorgehalten wird und auf welcher rechtlichen Basis die Finanzierung erfolgen kann. „An einer konstruktiven Klärung dieser Fragen beteiligen sich die Kostenträger.“

Einladung zu „Klartext“

Für die Akteure von „Pro Krankenhaus Havelberg“ heißt es weiterhin, sich in Geduld zu üben – und weiter für eine vernünftige Gesundheitsversorgung zu kämpfen. Deshalb laden sie jeden Donnerstag zur Demo auf den Domplatz ein. Auch heute ist wieder um 17 Uhr Treff.

Die Schließung des Krankenhauses im September 2020 mitten in der Corona-Pandemie und der seit Januar 2020 währende Kampf um die Gesundheitsversorgung ist bundesweit bekannt. Auch die mediale Aufmerksamkeit ist groß. So soll der Kampf ums Krankenhaus beispielhaft in der ZDF-Sendung „Klartext“ eine Rolle spielen. Die frühere Betriebsratsvorsitzende des Krankenhauses Sandra Braun hat für 16. September die Einladung erhalten, Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) ihre Frage in der Livesendung zu stellen. Sie soll lauten: „Wie wollen Sie, Frau Baerbock, als Kanzlerin die Talfahrt der Klinikschließungen stoppen, welche Strukturen würden sie ändern?“ Sandra Braun, die seit fast 40 Jahren Krankenschwester ist, wird darauf eingehen, dass das jetzige Gesundheitssystem auf Rendite und Fallpauschalen ausgerichtet ist, weshalb kleine Krankenhäuser wie das Havelberger schließen müssen.