Havelberg l „Wenn du schon dein Leben riskierst, soll er auch überleben“, schildert Guido Holz seine Gedanken bei den Wiederbelebungsversuchen für den Rentner, den er mit weiteren Helfern am 13. April 2017 bei Räbel aus der Elbe gerettet hatte. Mit Landwirt Ralf Schultz aus Werben lässt er die Geschehnisse dieses Tages im Gespräch mit der Volksstimme noch einmal Revue passieren. Gerade haben beide beim Neujahrsempfang der Hansestadt und der Bundeswehr Havelberg am Donnerstag von Ministerpräsident Reiner Haseloff die Rettungsmedaille des Landes Sachsen-Anhalt überreicht bekommen.

Normalerweise wollten auch der Havelberger Bastian Seecker (25) als dritter Lebensretter und der Senior aus Stendal mit seiner Frau bei dem Treffen dabei sein. Das Rentnerehepaar hat vermutlich wegen des Sturmtiefs „Friederike“ kurzentschlossen auf die weite Fahrt nach Havelberg verzichtet, Bastian Seecker musste den Termin wegen Krankheit absagen.

Ralf Schultz war derjenige, der das in die Elbe gestürzte Auto als Erster bemerkt hatte. „Ich war gerade mit einem Berufskollegen auf der Fähre mitten auf dem Fluss. Wir wollten nach Havelberg und plauderten mit dem Fährmann. Ich drehte mich um zum Räbeler Ufer und sah ein Auto in der Elbe schwimmen“, erzählt der 47-jährige Landwirt aus Werben. Die Fähre kehrte um. Ralf Schultz zog seine Sachen aus, sprang in die Elbe und schwamm zu dem Auto. Er sah den Mann darin und versuchte ihm deutlich zu machen, dass er sich abschnallen soll. Doch er war augenscheinlich bewusstlos. „In der Zwischenzeit war Fährmann Uwe Ritter mit dem Boot der Fähre am Auto angekommen. Ich versuchte, mit einem Hammer die Scheibe einzuschlagen. Das Auto ging langsam unter. Dann kamen zwei Leute angeschwommen.“

Zum Auto geschwommen

Die beiden Berufssoldaten Guido Holz und Bastian Seecker waren an dem Donnerstagabend auf dem Rückweg von einem Lehrgang in Lüneburg und wollten von Räbel aus nach Havelberg übersetzen. „Das Auto im Wasser haben wir erst gar nicht gesehen. Aber vom Boot aus riefen uns Leute zu und winkten. Da sahen wir, was passiert war“, erzählt Guido Holz. Der Havelberger zog nur schnell die Schuhe aus, den Trainingsanzug ließ er an, und schwamm mit Bastian Seecker zu dem Auto hin. Das Wasser war kalt, um die sieben Grad sollen es gewesen sein. Doch das war den beiden egal. „Du musst den Mann rausholen“, waren meine einzigen Gedanken“, sagt Guido Holz.

Das Auto war inzwischen voll Wasser gelaufen, die Türen gingen aufgrund des Wasserdrucks nicht auf. Über den Kofferraum gelang es den beiden Soldaten, durch das Wasser tauchend, zu dem 89-Jährigen zu gelangen, ihn aus dem Auto zu holen und ins Boot zu legen. Guido Holz begann sofort mit der Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Beatmung über die Nase.

„Nach dem zweiten Mal Herzdruckmassage spuckte der Mann Wasser und begann wieder zu atmen. Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“, berichtet der 32-Jährige. Der inzwischen eingetroffene Notarzt und der Rettungsdienst kümmerten sich um den Rentner und brachten ihn ins Krankenhaus. Feuerwehren und DLRG holten den VW aus dem Wasser, mit dem der Senior versucht hatte, an der Fähre zu wenden. Dabei war das Auto in die Elbe gestürzt.

Rettungsmedaille des Landes

Seinen Lebensrettern ist der Rentner sehr dankbar. Als er wieder genesen war, besuchte er im Sommer die Soldaten des Panzerpionierbataillons 803 in der Elb-Havel-Kaserne und dankte ihnen mit Blumen und ergreifenden Worten für ihren Einsatz.

Gebührend geehrt wurden alle drei nun auch durch den Ministerpräsidenten. Bevor Reiner Haseloff Urkunde und Rettungsmedaille des Landes Sachsen-Anhalt überreichte, würdigte er vor den 200 Gästen des Neujahrsempfanges die Männer für ihr couragiertes Handeln und ihren Mut in „zivilmilitärischer Zusammenarbeit“. „Unter Einsatz Ihres eigenen Lebens haben sie ein Leben gerettet. Wenn das vielen auch als selbstverständlich erscheint, so ist es das im realen Leben oftmals leider nicht. Deshalb sind Sie auch Vorbild für andere“, sagte der Ministerpräsident. Auch von Seiten des Bataillons waren die beiden Soldaten bereits geehrt worden. Sie hatten das Ehrenkreuz der Bundeswehr erhalten.

Dass sie selbst bei der Rettungsaktion zu Schaden hätten kommen können, war ihnen nicht wichtig. Es ging ihnen darum, den Mann aus dem Wasser zu holen. Sie würden es jederzeit wieder tun, versichern die Lebensretter.