Fischbeck l  Auch wenn für etliche kapitale Karpfen, für Hechte, Schleie und Brassen jede Hilfe zu spät kam, so fanden doch geschätzt 2000 Fische Hilfe in letzter Minute und schwimmen nun in tieferen Gewässern. Gerade mal noch einen halben Meter, stellenweise sogar nur wenige Zentimeter hoch steht das Wasser im Dreiecksloch am Fischbecker Ortsrand, es sind sogar schon ein paar Inseln sichtbar. Gut anderthalb Meter Wasser fehlen nach dem Dürre-Sommer. Vorbei die Zeiten, in denen die Angler dicke Fische an Land zogen. Trist sieht es aus. Denn neben Wassermangel sorgen auch abgestorbene Bäume für Endzeitstimmung an dem einst idyllischen Gewässer. Für fischfressende Vögel war der Tisch reicht gedeckt, hatten sie in dem flachen Gewässer durch leichtes Spiel beim Beutefang. An Angeln war hier schon längst nicht mehr zu denken.

Als vor ein paar Tagen die erste dünne Eisschicht über dem Wasser lag, gab das den Fischen den Rest: kein Sauerstoff- eintrag mehr. Vor allem die großen Karpfen verkrafteten das nicht und erstickten. „Wir müssen den noch lebenden Fischen helfen“, sagten sich nun die Mitglieder des Tangermünder Anglerclubs, der eine 35 Mitglieder starke Ortsgruppe Fischbeck hat, und trafen sich zu einem Arbeitseinsatz.

Viele verendete Fische

Keine schöne Aufgabe war es, die toten Fische an Land zu holen. Aber es konnten auch viele gerettet werden. Unter Leitung von Fischer Gernot Quaschny, der die Genehmigung von der Oberen Fischreibehörde in Halle eingeholt hatte, ging es mit Käscher und Zugnetz an die Arbeit. Schwerstarbeit. Denn mit dem Boot fahren ist nicht mehr möglich, es musste geschoben werden. Für die Schiebenden war es ein Staksen im Schlamm, der hier gut einen Meter tief ist. Doch am Ende lohnte sich die Mühe. Schätzungsweise 2000 Fische aller Arten wurden eingefangen. Viele Kleine, aber auch ein 90 Zentimeter langer Wels fanden einen neuen Platz im Schornsteinfegerloch vor dem Deich, wo der Wasserstand noch verhältnismäßig gut ist. In den vielen Gewässern hinter dem Deich sieht es ähnlich wie im Dreiecksloch aus: Sie verlanden, einige sind schon komplett ausgetrocknet.

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Folgen des Dürre-Sommers

Jetzt bewahrheitet sich, was Gernot Quaschny schon mitten im Dürre-Sommer prophezeite: Das dicke Ende kommt erst noch im Winter, wenn sich Eis auf den flachen Gewässern bildet. Und der Winter hat noch nicht einmal richtig begonnen. „Was mag da noch kommen?“ sind die Angler besorgt.

Entschlammung wäre nötig

Aber jetzt erst einmal ging es um die Rettung aus dem Dreiecksloch, auch Tankstellenloch genannt wegen der Tankstelle, die es einst gegenüber direkt an der F 107 gab. Entstanden ist es Anfang der 30-er Jahre, als Sand und Erde für den Bau der Elbbrücke – eingeweiht 1933 und dann am 12. April 1945 wieder gesprengt – oder auch für den Deich gebraucht wurde. Das Gewässer zu entschlammen, ist schon lange der Wunsch der Angler. Die Gemeinde als Eigentümer hatte das auch schon mal angestrengt, „aber das ist erstens unbezahlbar für uns als Gemeinde und zweitens traut sich da keiner richtig ran, weil wahrscheinlich sehr viel Munition dort liegt, die die Flüchtenden in den letzten Kriegstagen vor dem Überqueren der Elbbrücke zurückgelassen haben“, so Bürgermeister Bodo Ladwig. Natürlich war auch das Dreiecksloch nach dem Deichbruch am 13. Juni 2013 geflutet, der Fischbestand bestens. Gernot Quaschny bestätigt das. Und er weiß: Damit das Loch wieder ein fischreiches Gewässer wird, braucht es einen hohen Grundwasserstand, den es nur durch ein Hochwasser der Elbe hinter dem Deich geben wird, „auch drei Wochen starker Regen reichen da nicht aus“. Und wenn der Wasserstand wieder halbwegs stimmt, muss neuer Fischbesatz erfolgen. Auf den Anglerclub kommt also einiges zu. Und es bleibt abzuwarten, was in den kommenden Winterwochen mit den vielen anderen Wiehlen passiert.