Sandau l Die meiste Zeit im Jahr steht das Warenregal in der Sandauer Bauhofhalle leer. Doch jetzt ist es wieder gut gefüllt, und zwar mit 21 Sorten Fruchtsäften und vier Weinsorten. Diese Getränke erhalten all jene, welche ihre Äpfel hier im Lohnmostverfahren abgeben. Je mehr Äpfel man abgibt, um so mehr Getränke darf man mitnehmen. Alternativ gibt es auch Geld, aber das wollen die wenigsten.

„Noch bis Sonnabend können bei uns Äpfel abgegeben werden“, berichten Edeltraud und Herbert Schönemann aus Havelberg, welche hier seit 2015 ihre Annahmestelle betreiben. Edeltraud Schönemann stammt aus Toppel, wo ihre Eltern Ruth und Georg Kluth 1991 erstmals im Lohnmostverfahren Äpfel angenommen hatten.

Wohin mit den Äpfeln?

Mit der deutschen Einheit verschwand auch der VEAB, der Volkseigene Erfassungs- und Aufkaufbetrieb der DDR, – und man wurde seine Obsternte nicht mehr los. Die Mosterei im mecklenburgischen Dodow sprang in die Bresche. Inzwischen hat die Firma Wesergold den „Fruchtquell“ aufgekauft, Äpfel werden dort auch weiterhin verarbeitet.

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Seit 2006 führt Edeltraud Schönemann mit ihrem Mann Herbert die Geschäfte fort. Erst in der einstigen Kartoffelsortieranlage in Havelberg, wo nun die Biogasanlage steht. 2010 folgte der Umzug in den ehemaligen Kraftverkehr in die Elbstraße, wo zur Buga ein Parkplatz hinkam – dann folgte Sandau, wobei Bürgermeister Henry Wagner unterstützte.

Viele Widrigkeiten in diesem Jahr

Dieses Jahr mussten sie hier leider mit einigen Widrigkeiten kämpfen. Zum einen hatten sie im Vorjahr wegen der prognostizierten schlechten Apfelernte pausiert, weshalb man sich erst wieder bei den Kunden in Erinnerung bringen musste. Hinzu kamen anfangs der Straßenbau sowie der Ausfall der Sandauer Fähre – die Hälfte der Kunden kommt von jenseits der Elbe. Zudem wurden dieses Jahr viele Äpfel von Wespen angefressen, viele hatten wegen des Frostes keine Äpfel. Dennoch hielten viele Kunden weiterhin die Treue – oft bringen inzwischen schon die Nachkommen das Obst.

Was an Sorten zumeist hereinkommt? „Jonagold, Kaiser Wilhelm, Golden Delicious, Cox Orange, Ontario, Zitronenapfel“, zählt Herbert Schönemann auf. Die angelieferten Äpfel werden gewogen und gelangen über ein Förderband in den Sammelcontainer. Ist dieser voll, wird er abgeholt.

Das Gespräch beim Kaffee muss auf einmal enden, denn es kommt Kundschaft. Und zwar gleich mit einem großen Anhänger von der Plantage aus Hohengöhren.