Havelberg l Lachende Gesichter auf vielen Fotos und ein gutes Gefühl, geholfen, für Freude und auch Ablenkung gesorgt zu haben – das ist das Ergebnis einer Spendentour, die Odette Castrejón Farfán am Dreikönigstag unternommen hat. Die ehemalige Havelberger Austauschschülerin machte sich gemeinsam mit ihrer Mutti, ihrer frischverheirateten Schwester, ihrem Schwager und ihrer Freundin an dem Tag auf den Weg, um Erdbebenopfern in ihrer Heimatstadt Mexiko City und in Dörfern Spenden zu überbringen.

Dazu gehörten 300 Spielzeuge, die ihre Studenten zusammengetragen hatten, 84 Schals, Mützen und Handschuhe für Senioren und 42 für Kinder sowie Frühstücksbeutel, Kuchen, Milch und Dreikönigsbrote. Möglich machten dies auch die Spenden aus der gemeinsamen Hilfsaktion des Rotary Clubs und der Volksstimme Havelberg, die nach dem schweren Erdbeben im September angelaufen war.

Erste Station war ganz in der Nähe, wo 500 Wohnungen nicht mehr bewohnbar sind und ein Teil der Menschen auch vier Monate nach dem Erdbeben noch in Zelten auf dem Spielplatz lebt. „Dort gibt es 42 Kinder im Alter von acht Monaten bis 16 Jahren. Wir haben ein bisschen mit ihnen gespielt und die Erwachsenen gefragt, wie es ihnen geht, welche Hilfe noch gebraucht wird. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass es ihnen einigermaßen gut geht und sie nicht mehr ganz so traurig sind wie kurz nach dem Erdbeben. Sie haben Hoffnung“, erzählt Odette. Sie berichtet vom mexikanischen Brauch, am 6. Januar Königsbrot zu teilen. Das wurde ebenso praktiziert.

Bilder

Anschließend fuhr sie mit Schwester, Schwager und Freundin in zwei Autos rund eine Stunde nach San Gregorio Xochimilco in den Bergen. Es gehört zu Mexiko City. Die nicht ganz einfache Anreise war mit ein Grund dafür, dass sie nicht von ihren Studenten begleitet wurde. Das hätte das ganze komplizierter gemacht. „Die Menschen, die dort leben, sind sehr arm. Sie haben alles verloren. Wir wollten für die 95 Kinder Spielzeuge überbringen und hatten vor, danach noch woanders hin zu fahren. Doch es kamen viele weitere Kinder, die zwar nicht vom Erdbeben betroffen, aber auch arm sind. Wir haben auch ihnen Spielzeug gegeben, insgesamt waren es 150 Kinder. Ein Clown sorgte mit seinen Späßen für Freude.“

Geld für Häuserbau

Der Unterschied zwischen den Menschen, die arm sind, und jenen, denen es besser geht, ist sehr groß in ihrem Land, erzählt Odette. Das wurde ihr bei diesem Besuch wieder sehr deutlich und es war nicht leicht für sie und ihre Helfer, die Armut dort zu sehen. Es war auch nicht einfach, den Erwachsenen klar zu machen, dass das, was noch alles im Auto war, für weitere Erdbebenopfer gedacht ist in Orten, wo gar keine Häuser mehr stehen.

Auch Erwachsene durften sich über Spenden freuen. Ältere Frauen und Männer ab 65 Jahren erhielten ebenfalls Schals, Mützen und Handschuhe. Wie groß ihre Freude ist, zeigen weitere Fotos. Zudem wurden 100 Päckchen mit Süßigkeiten verteilt. Die hatten Odettes Schwester Thábata Castrejón und ihr Mann gekauft. Beide hatten am Silvestertag geheiratet. Das Frühstück für die Kinder wurde von dem Geld gekauft, das der Kindergarten in Bad Wilsnack, in dem die Havelbergerin Karin Ruß arbeitet, gespendet hatte.

„Ich kann mich gar nicht genug bedanken für das, was Ihr gemacht habt, für mich, für mein Land, für diese Kinder, für diese Familien. Das ist unbeschreiblich. Im Namen aller sage ich euch vielen, vielen lieben Dank“, ist Odette glücklich.

Der Großteil der Spendensumme von rund 6000 Euro aus Havelberg fließt in ein Hausbauprojekt für Erdbebenopfer. In Joquicingo haben 300 Familien ihr Zuhause verloren. Auch Schulen wurden zerstört. Mit Hilfe des Rotary Distrikts 4170 Mexiko im Verbund mit Rotary International sollen 150 Häuser und eine Schule gebaut werden, die Gemeinde will die weiteren 150 Häuser und Schulen aufbauen.