Klietz l „Ein hervorragendes Beispiel für nachhaltigen Waldbau!“ Markus Sturm vom TÜV Nord Cert mit Sitz in Hannover steht zusammen mit Wolfgang Rost vom Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt mit der Nebenstelle in Klietz und Revierförster Benjamin Menn vor einem gut vier Hektar großen Waldstück am Schönhauser Damm. Hier waren Anfang der 90-er Jahre inmitten des Kiefernwaldes Eichen, Buchen und Dougla­sien gepflanzt worden. Die sind inzwischen zu stattlichen Gehölzen heran gewachsen. Von den alten Kiefern stehen nicht mehr so viele wie einst. Vor vier Jahren ist dieser Überbau erheblich ausgedünnt worden, damit genug Licht auf die nachwachsenden Laubhölzer fällt, die nun, immer größer werdend, auch mehr Platz haben. Die verbliebenen Kiefern bleiben stehen, bis sie eines fernen Tages absterben. Dann bieten sie für nützliche Insekten oder andere Kleintiere Unterschlupf. „Ein sehr schöner Mischwald“, so das Urteil des Prüfers. Noch ein paar weitere Waldstücke lässt er sich zeigen, um am Ende des Tages sein Protokoll zu schreiben. Sollte es Abweichungen von der Norm geben, hat der Betrieb Zeit, das abzustellen.

Wer kontrolliert wird, entscheidet das Los

Auch wenn solche Kontrollen immer etwas spannend sind, so konnte Wolfgang Rost aus der Verwaltung des Klietzer Bereiches doch gelassen bleiben. Er weiß um die sehr gute Arbeit, die der Betrieb und die Forstarbeiter leisten. Und es ist schließlich auch nicht die erste Überprüfung. Schon vor 19 Jahren hatte das Land Sachsen-Anhalt erstmals das PEFC-Siegel erhalten. Der Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt mit seinen insgesamt 51 000 Hektarn Wald inklusive der 9 000 Hektar Truppenübungsplatz Klietz hat sich selbstverpflichtend bereits schon damals bereiterklärt, nach den PEFC-Standards für nachhaltige Waldbewirtschaftung zu arbeiten. Per Losverfahren erfolgt alljährlich die Kontrolle – nun traf es Klietz mit dem Revier Schönhauser Damm, das neben Klietz, Schollene, Göttlin und Wudicke zum Klietzer Bereich gehört.

Zunächst erst einmal ließ sich die Verwaltung in die Bücher schauen, um zu bestätigen, dass höchste Qualitätsstandards umgesetzt werden. Die insgesamt zwölf Waldarbeiter beispielsweise sind dank nachweislicher Teilnahme an Lehrgängen bestens ausgebildet, biologisch abbaubare Treib- und Schmierstoffe kommen bei der Arbeit im Wald zum Einsatz, der Naturschutz besitzt hohe Priorität, auch wenn der Wald auf einem Truppenübungsplatz in erster Linie zum Lärm- und Staubschutz dient. Und wenn Bäume gefällt werden müssen, dann wird nachgepflanzt.

Genug Holz auf dem Markt

Seit zwei Jahren allerdings gibt es einen Einschlagstopp. Nur noch von Sturm beschädigte oder von Schädlingen befallene Bäume werden entnommen. Wie dieses Jahr Kiefern zwischen Klietz und dem Damm, wo sich der Pilz „Diplodia“ stark vermehrte und die Kliefern zum Absterben brachte. Die Holzpreise sind so niedrig, weil in Deutschland genügend Holz auf dem Markt ist. Vor allem Fichtenholz. Denn die Fichte leidet unter der Trockenheit der letzten drei Jahre enorm und kann sich nicht gegen Schädlinge zur Wehr setzen. „Wir hier in unseren Wäldern haben zum Glück nicht so viele Fichten“, berichtet Benjamin Menn. Im Revier Wudicke hatten auf zusammengerechnet vier Hektarn Fichten gestanden, die in diesem Jahr gefällt worden sind. Denn die Borkenkäfer namens „Kupferstecher“ und „Buchdrucker“ begannen, sich auszubreiten. Und bevor sie größeren Schaden anrichten konnten, wurden die Bäume gefällt. „Nächstes Jahr werden wir die Flächen mit Bergahorn und Buche aufforsten“, kündigt Benjamin Menn an.

Der TÜV-Prüfer registrierte auch das wohlwollend. Er berichtet, wie wichtig die in allen Rechnungen und Lieferscheinen genau nachvollziehbare PEFC-Kette ist. Sie beginne beim nachhaltigen Waldbau, gehe über die Holzverarbeitung bis hin zur Möbelproduktion. Der Verbraucher lege mehr und mehr Wert auf Nachhaltigkeit. Und die kann mit dem PEFC-Siegel bescheinigt werden.