Neuwartensleben l In den „lebenswertesten Ort im Elb-Havel-Winkel“ wurden per Karte alle ehemaligen und jetzigen Neuwartenslebener zur Jubiläumsfeier eingeladen. Am Ende kamen so 119 Gäste zusammen. Gefeiert wurde auf einer Wiese neben dem ältesten Haus im Ort: Es ist wie der Schollener Ortsteil genau 200 Jahre alt und war noch bis in die 1980er Jahre mit Reet gedeckt.

Dieses Schilfrohr fürs Dach hatten die damaligen Siedler vom Poltergraben geholt, an dem sie sich zuerst ansiedelten. Der im Schollener Schloss ansässige Graf Ludwig Christian von Wartensleben hatte 1817 etwa 20 Siedler aus dem Westhavelland dorthin geholt, jeder bekam aus seinem Besitz eine fünf Hektar große Parzelle zugeteilt. Das Holz für den Hausbau kam aus dem gräflichen Wald.

Knapp 60 Einwohner

Heute hat der Ortsteil knapp 60 Einwohner, viele hatten sich an der Vorbereitung der Jubiläumsfeier beteiligt. Fleißig wurde Kuchen gebacken, Geschirr aus der Küche zum Platz geholt, Kaffee gekocht und wurden diverse Salate angerichtet. Etliche private Pavillons standen auf der Wiese, sogar das Toilettenhäuschen wurde selbst bezahlt. Die Gemeinde, die finanziell nicht unterstützen konnte, stellte die Bierzeltgarnituren und die Feuerschale.

Bilder

Erst im Sommer waren die Neuwartenslebener bei Nachblättern in der Chronik auf ihr rundes Jubiläum gestoßen. Den Hut auf hatten bei der Organisation Christian Koch und Ralf Ziemann – letzterer arbeitete beim Fest im Wagen der Klietzer Schützen, um die Dorfmeister zu ermitteln. Die Pokale gingen an Christian Krauskopf sowie an Wilma Scholz.

Die Familie Ziemann, von der elf Kinder im Ort aufwuchsen, war denn mit fast 40 Anwesenden auch am stärksten vertreten. Älteste auf dem Platz war die 86-jährige Hannelore Riese, jüngste Einwohnerin die fünfjährige Milla Ebert.

Neuauflage im nächsten Jahr geplant

In einem Pavillon lief eine Fotoshow mit Aufnahmen aus dem Ort, welche Diana Uhlig zusammengestellt hatte. Aus Rehberg war Peter Albuschat mit seinem Feuerwehroldtimer angereist und lud zu Rundfahrten ein – er war im benachbarten Ferchels aufgewachsen.

Ansonsten saß man an den Tischen gemütlich bei Kaffee und Bier zusammen und plauderte mit den Ehemaligen. Eine Seniorin berichtete am Rande, dass es das erste Dorffest seit Menschengedenken sei. Zwar gibt es jährlich Traditionsfeuer, doch sind diese privat. Und auch die Übergabe der endlich befestigten Dorfstraße wurde vor Jahren mit einem kleinen Straßenfest gewürdigt.

Und weil alle beim Fest so gut miteinander auskamen und sich viele einbrachten, soll es auch nicht das letzte gewesen sein, wie Christian Koch auf Nachfrage informierte. Schon fürs kommende Jahr ist eine Neuauflage anvisiert, jetzt hat man auch mehr Zeit für die Vorbereitung.

Einen Wunsch haben die Neuwartenslebener noch: Viele warten aufs schnelle Internet. Vielleicht klappt es ja noch im Jubiläumsjahr...