Marktsplitter

Es soll das erste Pferdebaby seit 50 Jahren sein, das auf dem Havelberger Pferdemarkt geboren wurde: Am Freitagnachmittag herrschte plötzlich helle Aufregung vorne an den Anbindestangen des Pferdehandelsplatzes. Eine Stute brachte ein Fohlen zur Welt. Pferdehändler Marco Weiß vom Tinker-Paradies aus Thüringen war selbst total überrascht, wie er sagt. Er hatte die Stute gegen ein anderes Pferd getauscht und nicht gewusst, dass sie trächtig ist. „Das war nicht zu erkennen“, bestätigt Schwester Susanne. Vanina soll das Marktbaby heißen.

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Von noch einem Baby war zu hören auf dem Pferdehandelsplatz: Katharina Schmidt und Tobias Haupt sind kurz vor Marktbeginn Eltern geworden. Beide gehörten 2017 zu den drei Brautpaaren, die sich auf dem Pferdemarkt trauen ließen. Vielleicht darf der Nachwuchs 2019 schon mit auf den Pferdemarkt?

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Gut zu tun hatten die Sanitäter und Ärzte sowie der Versorgungstrupp des DRK-Kreisverbandes Altmark Ost an den vier Pferdemarkttagen. Bis Sonntagmittag waren es um die 100 Einsätze. Zumeist Kreislaufprobleme und Insektenstiche waren die Ursachen dafür, berichtet Verbandsführer Thomas Borgman. Unterstützung hatten sie durch fünf Kameraden vom DRK Wernigerode und sieben Helfern vom Berufsbildungswerk Stendal. Um die 20 Leute kümmerten sich um die Essensversorgung aller Einsatzkräfte auch von Polizei und Feuerwehr vom Frühstück bis hin zur Nachtverpflegung. Um die 50 waren an in Schichten an den drei Rettungspunkten im Sanitätsdienst im Einsatz.

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Sehr entspannt hat Sigrid Wiedenhöft ihren ersten Pferdemarkt als Rentnerin erlebt. 26 Jahre lang hatte sie den Pferdeplatz geleitet, war als „Pferdelady“ allseits geschätzt. „Ich bin schon seit Sonntag hier und habe unheimlich viel Spaß. Zu Hause kann ich‘s in diesen Tagen nicht aushalten und komme immer wieder gern her. Meine Pferdemarktfamilie hat mich tatsächlich am Bierstand meiner Freundin besucht. Es ist ein Traum“, erzählt die Havelbergerin, als sie sich mit Vibeke Fink wiedertrifft, die 2001 einen Film für den RBB über die Pferdelady gedreht hatte. (ans)

Havelberg l Sein zehnter Havelberger Pferdemarkt in der Verantwortung als Marktmeister ist sehr gut verlaufen. „So, wie ich ihn mir gewünscht habe“, sagt Dieter Härtwig. Der Sachgebietsleiter im Havelberg Ordnungsamt hat 2008 seinen ersten Pferdemarkt geleitet. Da 2013 wegen der Flutkatastrophe der Markt abgesagt werden musste, fällt dieses Jubiläum auf 2018.

„Ich bin sehr zufrieden und vollkommen überrascht, dass zum Pferdemarkt 2017, der der mit i-Tüpfelchen war, noch eine Steigerung möglich ist. Am Marktsamstag standen noch einmal 2000 Autos mehr als im Vorjahr und damit mehr als 10.000 Autos auf den Parkplätzen. Einen solchen Andrang hatten wir zuletzt im Jahr 2003, nachdem 2002 der Pferdemarkt auch wegen des Hochwassers nicht stattfinden konnte.“ Einen Grund für die vielen Besucher – allein für Sonnabend wird von 90.000 bis 100.000 ausgegangen – sieht er in der starken Werbung durch die Medien. So hatte der MDR am Dienstag über die Historie des Pferdemarktes, der seine Wurzeln im Mittelalter hat und schriftlich belegt seit 1750 stattfindet, und auch aktuell berichtet. Beim RBB war der Markt der Wochenendtipp. Auch das Wetter hat – bis auf den Donnerstag– gepasst: Sonnenschein und nicht zu heiß.

Neben immer mal wieder Regen störte den Marktmeister am Donnerstag vor allem der Wind aus dem Westen. „Dann haben die Havelberger den Markt eins zu eins in ihren Wohnzimmern“, weiß er, dass nicht jeder die laute Musik tolerieren mag, vor allem, wenn er am nächsten Tag zur Arbeit und die Kinder zur Schule müssen. Ein Umstand, den die Marktleitung im Blick hat. Mit den Festzeltwirten wird darüber gesprochen. Die Bässe müssen nachts nicht unendlich aufgedreht werden, sagt Bürgermeister Bernd Poloski.

Fest für Familien

Auch er geht am Sonntagvormittag davon aus, dass der Pferdemarkt 2018 am Abend als erfolgreicher Markt beendet wird. „Bereits jetzt lässt sich einschätzen, dass wir wieder die rund 200.000 Besucher erreichen werden.“ Er sieht die Beliebtheit des Marktes vor allem darin begründet, dass es von den Großeltern bis zu den Enkeln aufgrund der verschiedenen Angebote auf den Plätzen ein Fest für die ganze Familie ist. „Das entspricht dem Interesse und der Erwartung vieler, die den Markt in seiner Gesamtheit als attraktiv empfinden.“ Die rollenden Fahrzeug-Karawanen vor allem am Freitag und Sonnabend gen Havelberg – am Sonnabend staute sich der Verkehr von Wulkau beziehungsweise Glöwen aus –, die vollen Busse, die die Einheimischen aufs Festgelände im Mühlenholz brachten, und die gut gefüllten Plätze bestätigen die Einschätzung. Gut gelaunte Besucher, Händler und Schausteller waren allerorten anzutreffen. Vom Vormittag an bis nach Mitternacht drehten sich die Karussells, gab es Süßes und Deftiges an den vielen Imbissständen.

Bilder

Aus polizeilicher Sicht ist der Markt ruhig verlaufen. Die Hansestadt ist froh, dass die Polizei alljährlich mit vielen Beamten und der Festwache vor Ort ist. „Sie ist ebenso wie der medizinische Dienst, die Feuerwehr und der Sicherheitsdienst ein sehr zuverlässiger Partner“, sagt der Bürgermeister. Auch die Kameraüberwachung macht viel aus auf den Plätzen. „Das subjektive Sicherheitsgefühl ist sehr hoch, das spüren die Menschen.“

Insgesamt wurden auf den Pferdemarkt 390 Pferde aufgetrieben und eines am Freitagnachmittag vor Ort geboren. Das sind rund 70 weniger als 2017 und 40 mehr als 2016. Offensichtlich pegelt sich die Zahl der Pferde zwischen 350 und 450 ein. Die Zahl der Kleinhändler und Trödler stieg von 448 auf 470. Auf dem Handelsplatz gab es 153 Händler, auf dem Pferdeplatz 255 Pferdehändler und 53 Händler mit pferdetypischen Erzeugnissen.

Kritik gab es auch in diesem Jahr immer mal wieder von Tierschützern und Besuchern zum Umgang mit Tieren auf dem Pferdehandelsplatz. Das Thema wird von der Marktleitung gemeinsam mit dem Amtstierarzt Dr. Thoralf Schaffer sehr ernst genommen und es wurden schon viele Verbesserungen durchgesetzt. Am Freitag hatte es dazu ein Treffen mit Tierschutzverbänden gegeben.

Der letzte Markttag am Sonntag klang gemütlich aus. Viele gingen noch einmal auf Schnäppchenjagd, naschten hier und da, schauten sich Fußballspiele oder die Pferdeshow an, hatten Spaß auf dem Rummel und verabschiedeten sich am Abend nach dem Feuerwerk bis spätestens zum Pferdemarkt 2019, der vom 5. bis 8. September stattfindet.