Havelberg l Auf dem Havelberger Pferdemarkt hat sie vor einer Woche zum letzten Mal gearbeitet, jetzt tut sie Gleiches auf dem Burgfest in Tangermünde. Zu ihrer Arbeit gehört es auch, ganz unter jedes fertig aufgestellte Fahrgeschäft auf dem Schaustellerplatz zu kriechen und sich sozusagen den gesamten Aufbau von unten anzusehen. Bis zu zehn Stunden am Tag. Manchmal im strömenden Regen, manchmal auch im Stockdunklen mit der Taschenlampe in der Hand. „Guck, wir haben hier schon extra ein Loch für dich freigelassen, damit du gut drunter kommst und dir alles in Ruhe ansehen kannst“, wird sie manchmal scherzhaft von Schaustellern empfangen, wenn diese sie erblickt haben. Denn Monika Köhler ist Bauprüferin im Bauordnungsamt des Landkreises Stendal. Zu ihren Pflichten gehört es, jedes Fahrgeschäft auf seinen sicheren Aufbau und seine sichere Funktion zu kontrollieren. Gebrauchsabnahme nennt sich das. „Die Sicherheit steht immer an erster Stelle“, betont sie.

Auch konsequent mit Nachkontrollen

Erst, wenn sie keine größeren Beanstandungen hat, darf das Fahrgeschäft in Betrieb genommen werden. „Wenn Mängel abzustellen sind, können sich die Schausteller sicher sein, dass ich am Tag darauf, spätestens aber nach zwei Tagen noch einmal zur Nachkontrolle erscheine. Und dann muss wirklich alles in Ordnung sein. Da gibt es bei mir kein Wenn und Aber.“

Ordentliche Prüfbücher

Die Schausteller auf dem Pferdemarkt wissen, dass, wenn es um die Sicherheit geht, mit Monika Köhler nicht zu spaßen ist. Vor allem auch, was die Prüfbücher für die Fahrgeschäfte – in der Verordnung über bautechnische Prüfungen werden sie „Fliegende Bauten“ genannt – betrifft, die sie der Bauordnungsamts-Mitarbeiterin immer mit vorzulegen haben. Diese müssen stets auf dem aktuellsten Stand sein.

Doppelschock für "schwarze Schafe"

Vor über fünf Jahren, „habe ich auch schon mal einige ,schwarze Schafe‘ nach Hause geschickt, weil sie mir keine oder nur gefälschte Papiere vorlegten“. Und dann entdeckte sie sie eine Woche später auf dem Tangermünder Burgfest wieder. „Na die haben vielleicht Augen gemacht, dass die ,Olle‘ auch auf diesem Schaustellerplatz auftauchte. Davon erzählen wir im Bauordnungsamt noch heute“, muss sich Monika Köhler ein Lachen unterdrücken.

Kennt fast jeden Schausteller

„Ich kenne so gut wie jeden Schausteller, der nach Havelberg kommt, seit langer Zeit. Schausteller sind ein eigenes Völkchen, in das man sich erst einmal hineindenken muss. Sie haben eine gute Verdrahtung untereinander. Da wurde von mir schon Fingerspitzengefühl gefragt. Und wenn etwas möglich gemacht werden konnte, dann habe ich dabei auch mitgeholfen.“

Prüferin seit 26 Jahren

Das Schausteller-Volk in Havelberg hat vor der Prüferin großen Respekt. Sobald Monika Köhler auf ihrem Platz auftaucht, geht diese Information immer herum wie ein Lauffeuer. Diesen Respekt hat sich Monika Köhler in 26 Jahren Havelberger Pferdemarkt hart erarbeitet. „Ich habe mir die Schausteller in all den Jahren gut erzogen“, erklärt sie mit einem Lächeln. „Viele von ihnen kenne ich schon von Anfang an.“

Markt ist Stress pur

Ganz ehrlich sagt sie aber auch folgendes über ihre Arbeit: „Ich freue mich jedes Jahr auf den Pferdemarkt, aber ich freue mich auch jedes Jahr darauf, wenn er vorbei ist, denn das ist Stress pur für eine Bauprüferin.“ Es sind nicht nur die Fahrgeschäfte alleine. „Alles, was über 75 Quadratmeter groß ist, muss von mir begutachtet werden. Unter anderem gehört auch jedes Festzelt dazu.“

Ab 2020 "ganz privat"

Schon jetzt freut sich Monika Köhler auf den Pferdemarkt 2020. „Den kann ich dann mal ganz privat genießen.“ Womit sie auf die „Abschiedstournee“ zurück kommt: „Im Januar 2020 gehe ich in den Ruhestand. Das Tangermünder Burgfest in dieser Woche ist definitiv meine letzte Großveranstaltung als Prüferin.“