Havelberg l Es war der letzte Tagesordnungspunkt des öffentlichen Teils der Stadtratssitzung am Donnerstagabend im Havelberger Rathaus: Stadtratsvorsitzender Wolfgang Schürmann gab die Leitung der Sitzung an seine Stellvertreterin Anke Dorsch ab und stellte seinen „Antrag auf Positionierung des Stadtrates zur Weiterführung des Pferdemarktes in der traditionellen Weise“. Hintergrund sind die Kritiken, die beim und nach dem Pferdemarkt 2018 von einigen Tierschützern geäußert worden sind und nach deren Ansicht es keinen Pferdehandel mehr im Mühlenholz geben soll. „Nach einigen Gesprächen habe ich mir erlaubt, diesen Antrag zu stellen, um der Stadtverwaltung den Rücken zu stärken“, so Wolfgang Schürmann (CDU).

„Der Stadtrat beschließt, dass die Hansestadt Havelberg auch zukünftig jährlich das traditionelle Volksfest Havelberger Pferdemarkt – auch Großer Markt oder Heiratsmarkt genannt –, bestehend aus den Teilbereichen Trödelmarkt, Handelsplatz, Schaustellerbereich und Pferdehandelsplatz, so ausrichtet, wie er in den zurückliegenden fünf Jahren auf der Grundlage der gültigen gesetzlichen Vorgaben und unter Einbeziehung und Aufsicht des Veterinäramtes des Landkreises Stendal durch die Verwaltung der Stadt erfolgreich betrieben worden ist“, lautet der Beschlusstext, dem die Stadtratsmitglieder zustimmten.

Tiere sind keine Trödelware

In seiner Begründung hatte Wolfgang Schürmann erklärt: „Der traditionelle Pferdemarkt existiert bereits seit 1750 und zieht alljährlich rund 200.000 Besucher an. Dabei werden jährlich zirka 500 Tiere zum Verkauf angeboten. Die gehandelten Tiere (überwiegend Pferde) werden dabei nicht zur ,Belustigung der Menschen zur Schau gestellt‘, sondern unter Aufsicht von Vertretern des Veterinäramtes gewerblich gehandelt und von den Käufern fachlich begutachtet. Die Kritik von Tierschützern, die Tiere würden wie ,Trödelware‘ behandelt und nur zur ,menschlichen Belustigung‘ zur Schau gestellt, weisen wir ausdrücklich zurück.“

„Ein sehr guter Antrag, dem wir nur zustimmen können. Man sollte die Kirche im Dorf lassen“, machte Herbert Luksch, Fraktionsvorsitzender der Linken, deutlich, dass Pferde zum Pferdemarkt dazu gehören. Sven Hetke (SPD) gab zu verstehen, dass es ihm widerstrebe, dass es einen solchen Antrag überhaupt geben muss, denn damit gebe man einer Randgruppe auch noch eine Plattform. Doch könne er den Antrag verstehen. Gerhard Imig (CDU) sprach von einer Summe von Maßnahmen, die dazu führt, dass Menschen zunehmend verärgert sind. Er nannte als Beispiele das Verbot der Wasserentnahme aus der Havel, die Einschränkungen durch Natura 2000 und Verbote für Angler. „Dann sollten wir wenigstens hier einen Pflock einschlagen.“ Das taten die Stadtratsmitglieder mit ihrer einmütigen Zustimmung.