Sandau l Erst vor kurzem beschloss der Sandauer Stadtrat den Haushalt für 2019. Das wichtigste Vorhaben ist darin die Komplettsanierung des Rathauses. Über diese und weitere Pläne für die Elbestadt berichtet Bürgermeister Henry Wagner.

Volksstimme: Wie sieht es derzeit mit den Planungen für die umfassende Rathaussanierung aus?

Henry Wagner: Derzeit werden die Ausschreibungen für die Planungsleistungen vorbereitet. Für die Ausschreibung wird etwa ein halbes Jahr Zeit benötigt. Was bedeutet, dass in diesem Jahr mit dem Umbau noch nicht begonnen werden kann. Denn die Entwurfsplanung muss erstellt, geprüft und eventuell genehmigt werden, dann erfolgt der Umzug des Bauamtes nach Klietz. Wenn alles wie vorgesehen klappt, kann im kommenden Jahr mit den Ausschreibungen der Bauleistungen begonnen werden. Derzeit belaufen sich die geschätzten Gesamtkosten auf etwa 3,5 Millionen Euro. Enthalten ist darin neben dem kompletten Umbau auch die Anbindung des Nebengebäudes als zweiter Rettungsweg. Das Rathaus wird einen Fahrstuhl bekommen, so dass dann auch die Arztpraxis hierher verlegt werden kann. Laut Konzept sollen das Bauamt und die Stadtverwaltung wieder einziehen und es werden Räume für kleinere Veranstaltungen geschaffen. Die alten Wandbilder vom Sitzungssaal werden konserviert und im Zuge der Sanierung wieder angebracht.

Was können Sie zum aktuellen Haushalt berichten?

Den Haushalt und das wegen des Defizits von 22.600 Euro nötige Konsolidierungskonzept haben wir im Stadtrat erst kürzlich beschlossen. Der Etat wird derzeit von der Kommunalaufsicht des Landkreises geprüft. Der Umfang beträgt etwa 1,3 Millionen Euro. Dank eines Tilgungszuschusses vom Land für unsere alten Schulden fiel das Defizit dieses Jahr relativ gering aus. Wir bekommen unseren Etat nicht ausgeglichen, obwohl wir nur ein Prozent für freiwillige Ausgaben nutzen, unter anderem für das Volksfest, die Vereinsförderung, den Jugendraum und den Seniorenklub. Die größte Anschaffung ist für knapp 50.000 Euro ein gebrauchter Traktor für den Bauhof, der somit neben dem Strauchschnitt auch den Winterdienst erledigen kann. Bei Transporten waren wir bislang immer auf andere angewiesen. Unser Radlader ist nicht mehr reparabel, auch der Traktor ist schon recht alt. Im Etat sind zudem Mittel für die Sanierung der Friedhofsmauer und die Schaffung eines Mehrgenerationen-Spielplatzes im Stadtpark eingeplant, letzteren können dann also auch Erwachsene benutzen. Die Verwaltung prüft, ob für dieses Vorhaben auch Fördermittel beantragt werden können.

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Der Stadtpark sieht nach der Beseitigung der Sturmschäden recht kahl aus. Was ist dort geplant?

Hier muss der Stadtrat entscheiden, was mit dem Park geschehen soll. Entweder soll das komplette Areal ein Park bleiben oder aber teilweise als Bauland genutzt werden. Am Fehnweg hätten sieben Einfamilienhäuser Platz. Denn Bauland ist in Sandau nur schwer zu bekommen.

Was wird aus der leerstehenden Konsum-Kaufhalle?

Diese haben wir als Stadt erworben, sie soll in den kommenden zwei Jahren abgerissen werden. Das Areal wird neu gestaltet, es befindet sich ebenso wie das alte Postgebäude mit im Fördergebiet, was wegen der Rathaussanierung extra ausgewiesen wurde.

Viele Jahre kämpften Sie für eine schnelle Internetanbindung. Ist jetzt alles bestens?

Wir sind in der glücklichen Lage, dass viele private Haushalte und öffentliche Einrichtungen am superschnellen Glasfasernetz des Zweckverbandes Breitband Altmark (ZBA) angeschlossen sind. Auch die Telekom zog nach und rüstete auf Vectoring um, wir sind hier also bestens versorgt. Ich selbst bin am ZBA-Glasfasernetz und kann nur sagen, dass alles super läuft. Ich bekomme jetzt sogar Fernsehen und Radio übers Internet.

2020 soll die Ortsdurchfahrt Sandau komplett saniert werden. Gibt es dazu Neues?

Erst vor kurzem hatte dazu eine Beratung stattgefunden. In diesem Jahr wird die innerörtliche Umgehung gebaut, erst erfolgt hierzu der ländliche Wegebau, dann folgen die Anbindungen.

Es soll dieses Jahr auch weitere Baumaßnahmen in Sandau geben.

Neben der seit einiger Zeit laufenden Deichrückverlegung im Südbereich wird dieses Jahr auch mit der Erhöhung des Elbdeiches in der Ortslage begonnen. Nächstes Jahr folgen dann die Scharte an der Fährstraße und der südliche Abschnitt. Zudem wird dieses Jahr auch die komplette Elbstraße saniert, die Arbeiten haben bereits begonnen.

Was gibt es zur städtischen Fähre zu berichten?

Im Haushalt haben wir eine Position für einen neuen Fährjungen vorgesehen. Ist der Etat genehmigt, kann diese Stelle ausgeschrieben werden. Damit sorgen wir perspektivisch für Nachwuchs, denn zum Jahresende wird einer der Fährmänner in Rente gehen.

Zu den freiwilligen Aufgaben gehören auch der Jugendraum und die Touristinformation, wie läuft es hier?

Obwohl der Jugendraum nur recht verhalten angenommen wird, soll das Angebot aufrecht erhalten werden. Die Information ist jetzt wieder besetzt, hierzu gibt es aber Überlegungen, diese mittelfristig in der besser frequentierten Kirche unterzubringen.

Immer wieder gibt es im Verbandsrat Diskussionen zur Zukunft der Sandauer Grundschule. Wie lautet Ihre Meinung dazu?

Wir hatten uns im Verbandsrat dazu schon mal beraten und vertraten damals die Absicht, alle Schulen zu erhalten. Das sehen viele Verbandsratsmitglieder auch weiterhin so. Die Schülerzahlen bleiben hier in Sandau bis 2025 stabil, das Gebäude wurde erst in den letzten Jahren saniert, besitzt einen superschnellen Breitbandanschluss und das Team ist motiviert. Auch der Hort ist hier untergebracht. Das Land und der Kreis wollen alle Schulen erhalten, weshalb ich die ganze Diskussion nicht nachvollziehen kann. Wir haben in der gesamten Verbandsgemeinde weder Sekundarschule noch Gymnasium – warum muss man dann an den Grundschulen rütteln?

Können sich die Sandauer und ihre Gäste dieses Jahr wieder auf kulturelle Angebote freuen?

Die Veranstaltungstermine haben wir erst kürzlich abgestimmt. Der nächste Höhepunkt ist zugleich eine Premiere: Am 13. April wird in Sandau ein Opel-Treffen als Benefizveranstaltung für die Kindertagesstätte stattfinden. An dem Tag öffnet zudem eine Ausstellung zum Gedenken an den Beschuss unserer Stadt zum Kriegsende im April 1945. Weitere Höhepunkte sind der Crosslauf der Kinderwehren des Landkreises am 1. Juni, das Volks- und Vereinsfest am 15. Juni, am 10. August der Elbe-Badetag sowie der Weihnachtsmarkt am 1. Dezember. Insgesamt stehen 38 Termine auf dem Veranstaltungsplan für dieses Jahr.

Lange hat es gedauert, doch jetzt hat die Stadt eine neue Internetpräsenz.

Ja, seit Ende des Vorjahres ist die Seite freigeschaltet.

Welche Wünsche hätten Sie als Bürgermeister für Ihre Stadt?

Da gäbe es so einiges, zum Beispiel die Komplettsanierung der Friedhofsmauer, welche um die 300.000 Euro kosten würde. Das können wir uns als Kommune leider nicht leisten. Auch der Stadtpark müsste hergerichtet werden, ebenso das Rathausumfeld. Nicht nur die Beguinenstraße ist in einem jämmerlichen Zustand, doch auch für solche wichtigen Dinge fehlt uns leider das Geld.