Kamern l „Die Arbeit ist hier so vielfältig. Das macht mir viel Spaß.“ Gerade hat Lea Gierke zusammen mit Herada Kuchen auf den Tischen verteilt. Das Mädchen hat Geburtstag und spendiert ihn ihren Mitschülern. Gemeinsam zu frühstücken gehört zum normalen Tagesablauf in der Freien Schule Elbe-Havel-Land in Kamern. Danach geht‘s zur Pause raus an die frische Luft.

Lea Gierke absolviert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr an der Schule, die in Trägerschaft des Vereins „neugierig e.V.“ liegt. Weil eine der fünf Säulen das Tiergestützte Lernen ist, kann die 16-Jährige dort ihr FÖJ verbringen. Im September hat es begonnen, bis Ende August dauert dieses Praktikum. Lea hatte im Sommer 2018 die 10. Klasse abgeschlossen und wollte gern eine Ausbildung zur Hebamme beginnen. Da es viel mehr Interessenten als Ausbildungsplätze für diesen Beruf gibt, bekam sie zunächst keine Stelle. Sie entschied sich für das Ökologische Jahr. „Ich habe den Aufbau der Schule miterlebt und wollte nun sehen, wie der Schulalltag ist“, erklärt sie. „Ich sammele hier viele Erfahrungen in der Arbeit mit den Kindern und kann Ideen einbringen. Außerdem kümmere ich mich um die Tiere auf dem Schulbauernhof. Ich füttere die Schafe, Schweine, Hasen und Laufenten und im Schulhaus die Fische im Aquarium“, berichtet sie über einen Bereich ihrer Arbeit.

Mit den Kindern ist sie auch oft im Lehrgarten, wo die 14 Schüler in kleinen Gruppen ihre eigenen Beete haben. Zurzeit geht es ums Ansäen und Pflanzen. „Da haben die Kinder viele Vorschläge, was sie alles in die Erde bringen wollen.“ Zur Erntezeit wird alles frisch verarbeitet oder eingekocht. Im Herbst hatte Lea mit den Kindern zum Beispiel Säfte und Marmelade hergestellt. Auch im Unterricht hilft die junge Frau aus Kamern mit, etwa wenn es um Kunstprojekte oder die Lesetage montags und mittwochs geht. Montags ist auch Waldtag. Da werden gerade Tierspuren bestimmt. „Es ist schön zu sehen, welche Lernfortschritte die Kinder machen.“

Der „neugierig e.V.“ ist anerkannte Einsatzstelle für das FÖJ. Als die Schule noch nicht eröffnet war, gab es bereits im Grünen Haus junge Leute, die ihr FÖJ dort absolvierten. Ansprechpartnerin ist Diplombiologin Stefanie Wischer, die Vorsitzende des Vereins. Für das neue Schuljahr wird ab 1. September ein neuer FÖJler gesucht. Über die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) werden die jungen Leute betreut und erhalten ein Taschengeld. Dort werden auch Seminare angeboten. Der Schwerpunkt liegt auf Natur und Umwelt. In der Freien Schule werden soziale und ökologische Aspekte miteinander verknüpft. Eine gute Kombination, wie Katharina Bensch, die nach dem Erziehungsjahr ab August die Schulleitung übernimmt, findet. Sie freut sich über interessierte junge Menschen, die sich direkt in der Schule melden oder auf der Internetseite informieren können.

Das Pädagogenteam würde Lea am liebsten behalten. „Sie ist eine sehr große Unterstützung für uns.“ Doch Lea möchte weiterhin Hebamme werden.