Museen

Prignitz-Museum Havelberg zählt im Corona-Jahr 2020 mehr Einzelbesucher

Von Andrea Schröder

Havelberg

Mit 5197 Besuchern insgesamt steht das Jahr 2020 gar nicht mal so schlecht da im Vergleich zu den Vorjahren. Schließlich war das Havelberger Prignitz-Museum vier Monate wegen der Corona-Regelungen geschlossen und auch sonst gab es Einschränkungen. Museumspädagogische Angebote für Schüler hielten sich ebenso in Grenzen wie Führungen von Reisegruppen. Bei Einzelbesuchern verzeichnete das Museum dagegen im Vergleich der zurückliegenden fünf Jahre einen Spitzenwert, wie die Statistik zeigt.

3466 Einzelbesucher wurden registriert. „Vor allem in den Monaten Juli, August und September besichtigten sie trotz der strengen Auflagen das Museum. Hier wirkte sich das durch die Pandemie beeinflusste Reiseverhalten in Deutschland aus“, berichtet Museumsleiterin Antje Reichel. „Interessant ist in diesem Zusammenhang die Herkunft der Gäste. Während zwölf Prozent aus dem Landkreis Stendal kamen, reisten 20 Prozent aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen an. 55 Prozent der Gäste kamen aus Norddeutschland, Brandenburg und Berlin, die restlichen 13 Prozent aus den südwestlichen Bundesländern.“

In diesem Jahr dürfte die Einrichtung, die zu den kreislichen Museen des Landkreises Stendal gehört, vor allem auch bei einheimischen Besuchern stärker im Fokus stehen. Denn die Dauerausstellung zur Siedlungsgeschichte wird unter dem Titel „Nichts ist so beständig wie der Wandel“ gerade komplett erneuert. Teilweise tausende Jahre alte Exponate aus der reichen Sammlung des 1904 gegründeten Museums wie zum Beispiel der 1000 Jahre alte Einbaum aus der Slawenzeit, eine gut 2000 Jahre alte Gürtelkette oder eine bronzene Gürteldose aus der Zeit um 1200 vor Christi finden im vor fünf Jahren sanierten Westflügel ihr neues Domizil.Kurt Henschel zum 100. GeburtstagUnd noch eine Schau wird das Interesse der Havelberger und Besucher aus der Region besonders wecken: Zum 100. Geburtstag des Malers Kurt Henschel ist eine Sonderausstellung geplant.

Kurt Henschel zum 100. Geburtstag

Wann die Präsentation tatsächlich erfolgen kann, hängt von den Pandemiebestimmungen ab. Geplant ist die Eröffnung für den 29. Mai unter dem Titel „Kurt Henschel – Bleib wo du bist und lass die Welt sich drehen“. Kurt Henschel (27. Mai 1921 bis 24. Juni 2008) war nicht nur als Künstler weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Sein Name ist auch eng mit dem Museum verbunden. Er übernahm 1953 für 33 Jahre die Leitung und gründete die Kreuzgang-Galerie.

Wissenschaftliche Fachtagung zum Dom

Seiner Forschungsarbeit wird das Prignitz-Museum in diesem Jahr unter anderem im Zusammenhang mit 850 Jahren Dom in Havelberg und 900 Jahren Prämonstratenser-Orden gerecht. Zum Domjubiläum, das im vorigen Jahr wegen Corona nicht wie geplant gefeiert werden konnte, ist in Kooperation mit der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt eine wissenschaftliche Fachtagung zur Baugeschichte und Ausstattung des Domes sowie zur Geschichte des Stiftes Havelberg geplant, die nun am 4. und 5. Juni dieses Jahres stattfinden soll, berichtet Antje Reichel. In welcher Form die knapp 20 Referenten tagen können, steht noch nicht fest. Die Überlegungen gehen dahin, die Vorträge der Referenten im Paradiessaal per Video aufzuzeichnen und im Internet zu veröffentlichen. Oder es muss eine rein digitale Tagung werden. Sie nochmals zu verschieben, sei keine Option, denn alle Referenten für ein Wochenende zusammenzubekommen, sei schwierig, so die Museologin.

Zum Thema Prämonstratenser beteiligt sich das Museum am Gründungsfest. Zum Jubiläum ist in Magdeburg eine internationale Ausstellung geplant. In Havelberg gehören Führungen zum Thema „Klosterleben im Mittelalter“ zum Angebot.

Museumspädagogik im Blick

Zu den drei ständigen Dauerausstellungen zur Siedlungs-, Dombau- und Stadtgeschichte bietet das Museum stets Sonderausstellungen an. Im vorigen Jahr waren dies die Naturmalerei des Künstlers Eugen Kisselmann aus Seehausen, „Havelberger im Porträt“ mit 50 bislang unbekannten Gemälden, Zeichnungen und Fotografien regionaler Persönlichkeiten aus der Museumssammlung sowie zwei Geschichtsausstellungen zur Geschichte der Elbslawen und der Globalisierung der Nutzpflanzen. Förderverein unterstütztbei RestaurierungenVeranstaltungen gab es coronabedingt nur wenige. Antje Reichel hofft, dass in diesem Jahr wieder mehr angeboten werden kann. Tradition sind zum Beispiel eintrittsfreie Besuche zum Museumstag mit Geschichtswerkstatt, zum Tag des offenen Denkmals und am zweiten Weihnachtsfeiertag. Regelmäßig bietet das Museum sich auch als Bühne beim Altmärkischen Musikfest an. Freuen würden sich die Mitarbeiter zudem, wenn sie wieder mehr Kinder und Jugendliche zur Museumspädagogik begrüßen dürften. Spezielle Themen werden altersgerecht angeboten.

Pflege, Dokumentation, Inventarisierung, Katalogisierung und Digitalisierung von Exponaten gehört ebenso zur Museumsarbeit wie Kooperationen mit anderen Museen, Vereinen und Institutionen. Eine große Stütze ist der Verein der Freunde und Förderer des Prignitz-Museums, der sich unter anderem alljährlich durch Spendensammlungen um die Restaurierung von Exponaten kümmert. So konnte im vorigen Jahr das über 200 Jahre alte Newtonsche Spiegelteleskop durch einen Fachmann aufgearbeitet werden.

Drei Kilogramm wiegt die bronzene Gürteldose aus der Zeit um 1200 vor Christi, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Havelgrund bei Jederitz gefunden wurde. Metallrestaurator Joachim Jendersie hatte iim Herbst eine Voruntersuchung vorgenommen.
Drei Kilogramm wiegt die bronzene Gürteldose aus der Zeit um 1200 vor Christi, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Havelgrund bei Jederitz gefunden wurde. Metallrestaurator Joachim Jendersie hatte iim Herbst eine Voruntersuchung vorgenommen.
Archivfoto: Andrea Schröder