Havelberg l Bilder von Tausenden Raupen, die am Ortseingang von Vehlgast in Prozessionen von Eiche zu Eiche und dabei auch über die Straße ziehen, gehören zum Glück der Vergangenheit an. Damit das so bleibt, wird auch in diesem Frühjahr wieder die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners vorgenommen. Das erfolgt seit einigen Jahren als konzertierte Aktion des Landkreises Stendal. Mit Erfolg. Es hat sich in den zurückliegenden gezeigt, dass der regelmäßige Einsatz des Mittels wirkt. Die Bäume sind kaum noch befallen, einen Kahlfraß gibt es kaum noch.

Jahrelang hatten vor allem die Vehlgast-Kümmernitzer mit den Auswirkungen des starken Befalls zu tun. Die Härchen der Raupen lösten Allergien bei Kindern und Erwachsenen aus, es gab sogar Krankschreibungen. Die Hansestadt hatte das immer im Blick. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen, weil eine Zeitlang nur innerorts oder wohnortnah bekämpft werden durfte. Was es bedeutete, wenn in nahen Wäldern keine Sprühaktionen stattfinden durften, bekamen das die Menschen etwa in Vehlgast und Damerow zu spüren. Millionenfach konnte sich der Eichenprozessionsspinner in den Wäldern ausbreiten und befiel eben auch die wohnortnahen Bäume – 2016 hatte es zu diesem Thema in Damerow ein Gespräch mit Fachleuten aus Ämtern und Ministerien gegeben, um Lösungen zu finden. Auch der Seehäuser Bürgermeister machte massiv Druck, um im Kampf gegen die Raupen etwas zu erreichen. Inzwischen beteiligt sich das Land mit Fördergeldern an der Bekämpfung und auch Eichenbestände an Alleen und in Wäldern sind in die Aktion einbegriffen.

Derzeit wird die Befliegung, die meist Anfang Mai stattfindet, vorbereitet, berichtet Dieter Härtwig, Sachgebietsleiter im Ordnungsamt Havelberg. Der Landkreis hat die Verfügung der Hubschrauberlandeplätze in den Kommunen abgefragt. Allein in Havelberg wird es 36 Starts und Landungen geben. Aus der Luft werden etwa wohnortnahe Alleen, Rad- und Wanderwege sowie Forstflächen mit einem Biozid besprüht. Hinzu kommt die Bekämpfung vom Boden aus, wobei von einem Fahrzeug das Mittel an die Bäume gesprüht wird. Für diese Bekämpfung an Einzelbäumen können sich auch Leute anmelden, die auf ihrem Privatgrundstück einen vom Eichenprozessionsspinner befallenen Baum haben.

Einzelbäume können noch gemeldet werden

Dieter Härtwig hat ein Schreiben an die Ortsbürgermeister geschickt mit der Bitte, den möglicherweise noch bestehenden Bedarf auf Privatgrundstücken zu melden. Wer Interesse hat, kann sich aber auch bis zum 4. Mai direkt an Dieter Härtwig unter 039387/765 23 oder per Mail an ordnungsamt@havelberg.de wenden. Pro Baum muss mit Kosten von zirka zehn Euro gerechnet werden. Privateigentümer müssen eine Kostenübernahmeerklärung abgeben. Die Vorlage dafür würde das Ordnungsamt zuschicken. Vor- aussetzung ist, dass das Fahrzeug, meist ein Unimog, an den Baum heranfahren kann.

„Durch die massive Bekämpfung in den vergangenen Jahren konnten wir den Eichenprozessionsspinner sehr zurückdrängen, die massive Bekämpfung aus der Luft ist sehr erfolgreich“, schätzt Dieter Härtwig ein. Wöchentlich muss er dem Landkreis melden, wie weit die Bäume schon ausgetrieben haben, denn erst mit dem Austrieb kann die Bekämpfung aus der Luft stattfinden. Bei einem Teil der Bäume ist der Austrieb schon vorhanden, bei anderen noch nicht. Das ist sehr unterschiedlich in diesem Jahr.

Auf der Liste der Befliegung stehen Alleen und Waldkanten in ortsnahen Bereichen etwa in Vehlgast, Damerow, Kümmernitz, Waldfrieden und am Königsfließ. Bei Garz und Jederitz sowie von Vehlgast in Richtung Wendisch-Kirchhof werden die Deichkanten abgeflogen, im Jederitzer Holz der Bereich des Radweges, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Befliegung findet meist als erstes statt, dann folgen die chemische und auch die mechanische Bekämpfung vom Boden aus. Bei letzterer werden Nester von den Bäumen gesaugt.

Die Wirksamkeit des Biozids ist oft auch von der Witterung abhängig. Dieter Härtwig hofft, dass die Eichenprozessionsspinner auch in diesem Jahr wieder erfolgreich bekämpft werden können.