Havelberg l Bei den „Schmetterlingen“ war am Mittwoch Knettag. Gäbe es Corona nicht, hätten die Kinder aus Maisstärke, Kernseife, Mehl und Lebensmittelfarbe selbst ihre Knete hergestellt. Da es die Pandemie und somit auch etliche Bestimmungen für Kindergärten gibt, matschte Erzieherin Simone Dülfer alles allein zu einer klebrigen Masse zusammen, mit der die Kinder dann kreativ werden konnten. Kindertag war angesagt in der Havelberger Kita „Regenbogen“. Normalerweise feiern den alle Gruppen zusammen. Nun ist Abstand gefragt.

Seit Dienstag dürfen wieder alle Kinder die Kitas im sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb besuchen. Waren es in den vergangenen Wochen 35 bis 40 Kinder, die im „Regenbogen“ die Notbetreuung wahrnahmen, sind es nun wieder um die 100. „Wir freuen uns, dass die Kinder wieder da sind und auch die Kinder sind froh, wieder hier sein zu können“, berichtet Kita-Leiterin Heidi Lähns, dass kaum ein Kind gefremdelt hat. Selbst im Krippenbereich nicht. Damit mussten die Erzieher rechnen. Schließlich waren viele Kinder elf Wochen nicht mehr in der Kita. Kinder und Erzieher gewöhnen sich gerade eine neue Begrüßungskultur an. Dennoch bleibt es aber nicht aus, dass ein Kind auf den Schoß oder den Arm und einfach mal kuscheln möchte.

In der Kita ist einiges nun anders. Die Eltern müssen, wenn sie die Kinder bringen und abholen, keine Maske tragen. Wenn sie aber ein längeres Gespräch mit den Erziehern haben, wäre es schön, wenn sie einen Mund-Nasen-Schutz nutzen. Auch darf sich in der Garderobe immer nur ein Elternteil/-paar aufhalten. Täglich ist der Zettel zur Gesundheitsauskunft auszufüllen. Möglichkeiten zur Händedesinfektion gibt‘s unter anderem im Eingangsbereich. Jede Gruppe bleibt für sich. Vermischungen soll es nicht geben.

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Das ist in den Kernzeiten derzeit auch gut machbar, weil alle Erzieher an Bord sind. Problematisch sind die frühen Morgen- und die Abendstunden, wenn zu viele Kinder da wären. Die Eltern schauen aber, ob es wirklich nötig ist, die Betreuungszeit voll auszunutzen. Mittwoch früh waren lediglich drei Kinder da. „Wir haben zwölf Stunden geöffnet und Kinder mit einer Betreuungszeit von zehn Stunden. Die Erzieher haben eine Arbeitszeit von acht Stunden, sie bleiben aber, bis das letzte Kind ihrer Gruppe abgeholt ist“, macht Heidi Lähns die Schwierigkeit deutlich.

Die Stadtverwaltung hat beim Landkreis einen Antrag auf Ausnahmeregelung für Sammelgruppen in der Zeit von 6 bis 7 und 16 bis 18 Uhr gestellt, berichtet Amtsleiter André Gerdel. Sollte es keine Genehmigung dafür geben und die getrennte Betreuung außerhalb der Kernzeiten personell nicht machbar sein, müssten die Öffnungszeiten der Kitas verkürzt werden. „Das wollen wir aber nicht. Wir wollen so lange wie möglich die kompletten Öffnungszeiten anbieten.“

„Die goldene Gans“ muss noch warten

Der Neustart nach der Notbetreuung ist gut angelaufen. Die beiden Kitas in Havelberg, die Kita in Warnau und der Hort sind nun wieder zu rund 75 Prozent ausgelastet. Die Hygienestandards werden eingehalten und die Eltern wurden per Brief für die gesamte Thematik sensibilisiert. „So lange gutes Wetter ist, fällt es natürlich leichter, die Vorgaben einzuhalten, weil wir die Außenanlagen gut nutzen können“, sagt André Gerdel und berichtet, dass in der Kita „Zwergenland“ Bereiche zeitlich zugeordnet wurden, damit sich nicht mehrere Gruppen zeitgleich dort aufhalten.

Im „Regenbogen“ fand das Kindertagsfest für jede Gruppe separat statt. Während sich zum Beispiel die „Löwen“ nach dem Frühstück zu einem Spaziergang aufmachten, stellten die „Schmetterlinge“ zunächst den Schleim, der sich wunderbar zum Reinigen der Hände eignete, und dann die Knete her. Damit wurden sie dann kreativ, formten etwa eine Schnecke. Auf dem Spielplatz hatten es sich die „Bärchen“ aus der Krippe gemütlich gemacht. Zu Kinderpartyliedern klatschten sie eifrig mit und freuten sich über bunte Seifenblasen aus einer kleinen Maschine. „Wir haben zum Glück tolle Möglichkeiten, um uns draußen aufzuhalten“, sagt Heidi Lähns.

Dass das noch besser möglich ist, dafür haben die Erzieher während der Corona-Pause gesorgt. Sowohl drin als auch draußen fanden jede Menge Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten statt. Die Erzieher haben auch gegärtnert. So gab und gibt es für die Kinder nun viel zu entdecken. „Die Bauhofmitarbeiter haben uns gelobt und ich soll allen Kollegen danke sagen, dass sie auch artfremde Arbeit erledigt haben“, so die Kita-Chefin.

Wie das mit der Verabschiedung der Einschüler wird, weiß sie noch nicht. Es ist noch etwas Zeit und sie hofft auf weitere Lockerungen. Am Donnerstag gibt es ein Gespräch mit der Grundschule, wie die Vorbereitung auf die Schulzeit vonstatten gehen könnte.

Gern würden Heidi Lähns und ihre Kollegen gern wieder zu einem Fest für alle einladen. „Die goldene Gans“ muss aber noch warten. Das Märchen wollten die Erzieher für alle Kinder zum Kindertag aufführen. Die Gans ist schon golden und die Texte sind geprobt. „Ich hoffe jetzt erst einmal, dass alle gesund bleiben und wir lange was voneinander haben. Das ist mein innigster Wunsch.“