Unterstützer für Gemeinschaftsprojekt gesucht

Reisen mit dem Eine-Million-Meilen-Bus

Der gelbe Schulbus chauffierte Schüler über Amerikas Straßen und rollte zuletzt mit Partygästen durch Hamburg. Nun steht ihm eine Karriere als Reisebus bevor.

Von Anke Schleusner-Reinfeldt 15.05.2021, 01:00
Marcus Hopfe will mit dem Bus ein Herzensprojekt umsetzen. Um andere dafür zu begeistern, nimmt er Interessierte über die sozialen Netzwerke wie Instagram und Facebook mit.
Marcus Hopfe will mit dem Bus ein Herzensprojekt umsetzen. Um andere dafür zu begeistern, nimmt er Interessierte über die sozialen Netzwerke wie Instagram und Facebook mit. Foto: Jura Germanyuk
Auf elf Metern Länge bietet der amerikanische Schulbus viel Platz für alles, was man für einen Urlaub der besonderen Art so braucht.
Auf elf Metern Länge bietet der amerikanische Schulbus viel Platz für alles, was man für einen Urlaub der besonderen Art so braucht.
Foto: Lisa Stegelin

Neuermark-Lübars/Polkau - Es war von Anfang an nicht nur eine fixe Idee, die Marcus Hopfe da hatte. Der gebürtige Neuermark-Lübarser, der nach dem Abi drei Jahre in Rostock eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert hat und dann in Leipzig arbeitete, hatte bereits 2018 mit der Gründung eines Online-Shops den Absprung vom Angestelltenverhältnis rein in die Teilselbstständigkeit gewagt. Bis heute arbeitet er Teilzeit für eine Leipziger IT-Firma. Das kann er aktuell auch gut aus dem Homeoffice in Neuermark-Lübars, wo er seit wenigen Wochen wieder lebt. Übrigens genau wie sein Bruder Carsten, der sich mit einer Möbelmanufaktur selbstständig gemacht hat (wir berichteten).

Im letzten Sommer, zwischen den beiden Lockdowns, war der reisefreudige 27-Jährige mit einem Van in Portugal unterwegs. Diese Unabhängigkeit mit einem Reisemobil, die Nähe zur Natur, das unbeschreibliche Gefühl eines Roadtrips mit Freunden und die Tatsache, dass diese Art zu Reisen deutlich umweltfreundlicher ist, als mit einem Flugzeug in irgendeine „Bettenburg“ zu fliegen, gefiel ihm so sehr, dass die Idee reifte, auch andere dafür zu begeistern.

Platz für acht Personen

Nachhaltigkeit spielt schon länger eine wichtige Rolle in seinem Leben. „Deshalb möchte ich das Projekt gleichzeitig dafür nutzen, möglichst viele Menschen zu erreichen, um ihnen die Wichtigkeit dieser Thematik näherzubringen.“ Und wie bekommt man mehr Aufmerksamkeit als mit einem elf Meter langen, amerikanischen Schulbus? – Die Geburtsstunde der Bus-Idee!

Mit der kam er aus dem Urlaub zurück und machte Nägel mit Köpfen und startete die Suche nach einem passenden Bus. Möglichst groß sollte er sein, damit genug Platz da ist, den Bus später in ein voll ausgestattetes Reisemobil zu verwandeln. In diesem möchte Marcus Hopfe schließlich bis zu acht Personen bequem unterbekommen. Problem dabei: Auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt ist das Angebot sehr überschaubar.

Also geduldig suchen und schon mal am Konzept feilen. Der Bus soll drei verschiedene Möglichkeiten bieten: Stehend an einem schönen Platz als gemütliche Unterkunft; Urlauber können den Bus mieten und mit entsprechendem Führerschein eigenständig auf Tour gehen; oder Marcus Hopfe begleitet die Reisenden als Busfahrer und Organisator.

Reisen mit Umweltaktionen verbinden

Und mehr noch: Ihm schwebt vor, mit den Reisen auch Gutes zu verbinden, immer den Gedanken an Nachhaltigkeit vor Augen. Beispiel: Ein Surfurlaub in Portugal mit Müllsammel-Aktion am Strand. „Man könnte auch Baumpflanzprojekte unterstützen – da finden sich sicher Kooperationen.“ Bedingung sei das für die Bus-Miete natürlich nicht, „es entscheidet jeder für sich, wie er seinen Urlaub verbringen möchte“.

Dann endlich gibt es ein Angebot in Hamburg. Ein Partybus steht zum Verkauf. Mit 40 Jahren und einer Million Meilen auf dem Tacho ein echter Oldtimer. Ganz schön viel. Jedoch keine „Schrottkiste“, sondern in gutem Zustand. „Vielleicht schafft die gute alte Technik sogar noch eine weitere Million!“ Also greift Marcus Hopfe zu und das Projekt hat auch gleich seinen Namen: „One Million Miles“ .

Zusammen mit seinem Bruder und einem Freund aus Tangermünde fährt er nach Hamburg und kehrt mit dem gelben Schulbus zurück. Der zieht viele Blicke auf sich, kennt man diese Busse doch sonst nur aus amerikanischen Filmen.

Ausbau in Polkauer Werkstatt

Der „Eine-Million-Meilen-Bus“ steht nun bei einem guten Bekannten auf dem Werkstattgelände der „Werft“ in Polkau bei Osterburg. Kfz-Meister Alexander Zeidler ist Unterstützer der ersten Stunde und wird helfen, den Bus auf Vordermann zu bringen. Mit Rat und Tat stehen dem Lübarser auch Patrick und sein Team von „Trip in a Van“ aus Arneburg zur Seite. Sie bauen seit ein paar Jahren Kleinbusse zu Reisemobilen um.

Ab sofort geht es auch schon ans Eingemachte: Der Bus wird entkernt, alles, was an Party erinnert, kommt raus und wird zum Kauf angeboten. Dann lässt sich auch gut erkennen, ob alle Pläne vom Papier tatsächlich so umsetzbar sind: Im hinteren Bereich gibt es acht Betten, mittig eine große Küchenzeile und ein kleines Bad mit separater Dusche, im vorderen Teil ein gemütlicher Wohnbereich mit Sitzplätzen für alle Reisenden. „Alles ist gut durchdacht. Ich will keinen Zentimeter verschenken.“

35 000 Euro werden gebraucht

Ein Schnäppchen wird der Umbau nicht. Das Geld, das er dafür braucht, möchte Marcus Hopfe im Juni über eine „Crowdfunding-Kampagne“ zusammenbekommen. Über eine Internetplattform können Menschen, denen Nachhaltigkeit ebenso am Herzen liegt und die das Projekt unterstützen möchten, dann etwas beisteuern. Als Dankeschön für die Unterstützung gibt es verschiedene Dinge wie eine Übernachtung im Bus, einen Wochenendausflug oder sogar einen einwöchigen Abenteuertrip. Aktuell rechnet Marcus Hopfe mit ungefähr 35 000 Euro, die für den Umbau benötigt werden.

Die Unterstützer und natürlich alle anderen, die sich für dieses außergewöhnliche Projekt interessieren, können auf der Homepage, auf Facebook und Instagram verfolgen, wie aus dem Schulbus ein einzigartiges Reisemobil wird. „Mit dem Bus erzielt man Aufmerksamkeit. Und ich bin mir sicher, dass sich mehr und mehr Menschen für diese nicht ganz alltägliche Art des Reisens begeistern werden – man erlebt mehr, lernt Land und Menschen besser kennen und ist häufiger draußen in der Natur“, preist der junge Mann die Vorzüge an.

Um auch die Touren so nachhaltig wie nur möglich zu gestalten, möchte Marcus Hopfe zumindest sämtliche CO2-Emissionen durch Unterstützung von Klimaschutzprojekten kompensieren und zudem immer möglichst voll besetzt fahren. Der Pro-Kopf-Verbrauch entspricht dann in etwa einer Autofahrt zu zweit. Und Strom beispielsweise für den Kühlschrank und Licht erzeugen Solarpaneele, die auf dem Dach des Busses angebracht werden.

Anfang 2022 soll der Bus auf Reisen gehen

Darüber hinaus möchte Marcus Hopfe Partner gewinnen, für die Nachhaltigkeit genauso wichtig ist wie für ihn. Ein Kaffeelieferant beispielsweise, der ausschließlich Fairtrade-Produkte (Waren, die aus fairem Handel stammen und bei deren Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten wurden) anbietet, ist in den sozialen Medien bereits auf das Projekt aufmerksam geworden.

Nun ist erst einmal viel Arbeit angesagt: Auf das wohl einzigartige Gemeinschaftsprojekt aufmerksam machen, die Finanzierung sicherstellen, den Umbau starten und Partner gewinnen.

Und wenn alles wie jetzt angestrebt klappt, kann der „Eine-Million-Meilen-Bus“ Anfang 2022 seinem ersten Ziel entgegen steuern.

Wer Marcus Hopfe beim Gemeinschaftsprojekt unterstützen, mehr über sein Projekt erfahren und den Fortschritt verfolgen möchte, kann auf der neu veröffentlichten Homepage „www.onemillionmiles.earth“ oder über Instagram unter „onemillionmiles“ nachschauen.

Noch erinnert die Innenausstattung an Party.
Noch erinnert die Innenausstattung an Party.
Foto: Marcus Hopfe
Das ist das Logo für das Bus-Projekt.
Das ist das Logo für das Bus-Projekt.
Bild: "Kultrave" Leipzig