Schönhausen/Sydow l In ganz Deutschland baut er Hindernisse auf – zu Hause im Elbe-Havel-Land mischt sich zur Routine nun doch ein wenig Aufregung. Denn hier soll erst recht alles perfekt sein und wie gewohnt wie am Schnürchen laufen. Das muss es auch bei dem großen Teilnehmerfeld, das vom 14. bis 16. Juni in Schönhausen stattfindet. Über 1000 Starts müssen gut geplant sein – für knapp die Hälfte davon auf dem Springplatz (die anderen finden unter anderer Regie auf dem Dressurplatz statt) ist der Sydower der Chef. Was ihn dazu befähigt?

Schon als Steppke hatte er keine Scheu vor den großen Pferden. Für ihn und andere Sydower Jungs war der Reiterhof von Schwarzloses der schönste Spielplatz. Und irgendwann auch mehr. Fred Jäger konnte mit dem Pferd sicher über Hindernisse springen, wurde sogar Kreismeister.

Auch die Lehre als Instandhaltungsmechaniker im Faser- und Spanplattenwerk Tangermünde ließ ihm genug Zeit für das Hobby. Doch dann musste auch Fred Jäger zur Armee. Dann die Wende. Er fand Arbeit im Fenster- und Türenbau in Hannover. Doch die Heimat lockte ihn 1993 zurück nach Sydow. Seine berufliche Selbstständigkeit ließ ihm keine Zeit für Hobbys, „elf Jahre habe ich nicht ein einziges Mal auf dem Pferd gesessen“.

Zu Hause auf der Wiese fing alles an

Doch dann ist sie plötzlich wieder da – die Liebe zum Reiten. Und man verlernt es auch nicht, „das ist wie mit dem Fahrrad fahren“. Er kauft sich ein Pferd namens „Freitag“. Und Fred Jäger will mehr. Als Mitglied im Schönhauser Reitverein nimmt er wieder an Wettbewerben in der mittelschweren Klasse teil. Zu Hause auf dem Grundstück ist viel Platz für einen eigenen Parcours, den er anfangs nur für sich selbst baut. Aber auch anderen Springreitern gefällt die Anlage und sie kommen zum Trainieren. „Mich packte der Ehrgeiz. Ich wollte jede Woche einen neuen Parcours anbieten. Um den aber wirklich richtig aufbauen zu können, habe ich eine zweijährige Ausbildung zum Parcoursbauer in Warendorf absolviert und 2005 die Grundprüfung bestanden.“

Das reicht dem Sydower nicht. Er absolviert mehrere Hochstufungen und darf seit 2012 schließlich Parcours bis zur allerhöchsten Springprüfung Klasse S** aufbauen. Inzwischen bildet der 49-Jährige selbst Parcoursbauer aus, er gehört zur Richterkommission des Landesverbandes, ist Gutachter bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Selbst sitzt er nicht mehr auf dem Pferderücken. 2006 ist er sein letztes Turnier geritten, 2008 ist sein Pferd gestorben „und dann hab ich aufgehört“.

Denn er hatte auch gar keine Zeit mehr für das Hobby. Selbstständig im Fenster- und Brandschutztürenbau und Hindernisbau und Eventbetreuung ist er zusätzlich viele Wochenenden im Jahr – 18 sind es 2019 – deutschlandweit unterwegs, um Parcours aufzubauen, vergangenes Wochenende war er im bayerischen Straubing.

Und nun steht Schönhausen an. Als stellvertretender Vorsitzender des Reitvereins ist ihm genau wie dem Vorsitzenden Jürgen Mund ein reibungsloser Ablauf wichtig. „Die Spring- und Dressurreiter kommen gern nach Schönhausen – wegen der sehr guten Anlage und der Organisation. Es ist ein Turnier von Reitern für Reiter.“

Ein Turnier von Reitern für Reiter

Diesen guten Ruf wollen die Gastgeber jedes Jahr verteidigen. Die Tage sind lang und die Nächte kurz bei so einem Turnier. Bis zu 15 Kilometer läuft Fred Jäger täglich über den Platz, zeigt den Helfern von der örtlichen Feuerwehr, wo welches Hindernis entsprechend der Prüfung aufgebaut werden muss.

Nicht einfach so nach Schema F, sondern wohldurchdacht. „Ich gucke mir das Starterfeld an. So eine Prüfung muss für die Pferde machbar sein. Vor allem beim ,Großen Preis von Schönhausen‘ kommt es auf jeden Zentimeter an.“ Vor jeder Prüfung fertigt Fred Jäger eine Skizze vom Parcours an. Die wird dann ausgehängt, damit die Reiter einen Blick drauf werfen können. „Und dann fiebert man bei jedem Sprung mit.“

Am Freitag, 14. Juni, geht es los auf dem Schönhauser Reitplatz. Der Parcourschef und alle anderen Gastgeber freuen sich auf drei Tage sportlichen Vergleich und auch auf viele Besucher, die bei den Prüfungen auf beiden Plätzen zuschauen.