Havelberg l Gut sechs Jahre hat es gebraucht, um das 2014 ziemlich marode Gebäude, das Wolf Guenter Thiel und seine Partnerin Anke Leonhardt privat erworben haben, in seinen jetzigen Zustand zu versetzen. Innen und außen präsentiert es sich nun mit großem Fleiß saniert.

„Unser Ziel hatte immer darin bestanden, das alte Haus stilistisch so zu erhalten, dass sein biedermeierlicher Charakter stets erhalten bleibt“, so Wolf Guenter Thiel. Aus diesem Grund stand für die beiden Inhaber an erster Stelle, alle historischen Materialien zu erhalten. Zu diesem Zweck ließen sie sich unter anderem Ziegelmauersteine von einer Abrissscheune aus der Wische heranfahren, um sie unter anderem für den Küchenboden und die Herrichtung der Treppe am Hintereingang wiederzuverwenden. Die Nachhaltigkeit zeigte sich auch beim Austausch von defekten Steinen in der Hausfassade. Hierfür kamen Steine von einer abgerissenen Garage am Salzmarkt zum Einsatz. Tagelang wurden alle Steine nach deren Anlieferung von Anke Leonhardt und Wolf Guenter Thiel in mühevoller Arbeit für ihre neue Verwendung in Handarbeit abgeklopft (gesäubert) und somit hergerichtet.

Fußboden im Originalzustand

„Der Fußboden in der Küche befindet sich jetzt fast wieder in seinem originalen Zustand“, freut sich Anke Leonhardt. Und nicht nur das. Zu einem großen Teil haben die beiden Inhaber auch historische Möbel, „die in die Räume passen“, angeschafft. Umbauten haben darüber hinaus so gut wie nicht stattgefunden. Die biedermeierliche Grundthematik des Hauses ist somit auch im Inneren erhalten geblieben. „In einem Denkmal muss das auch so sein“, begründet Wolf Guenter Thiel. Denn die „Old School“ ist eines der ältesten Häuser auf der Havelberger Stadtinsel. Deshalb freuen sich beide, wenn sie mehr darüber von Einwohnern erfahren könnten.

Die letzte große Herausforderung bestand in den vergangenen Wochen in der Sanierung der Außenfassade. Dazu gehörten unter anderem die Beseitigung von Rissen – über 20 Meter Fassadenriss sind verpresst worden –, der Austausch defekter Steine, das Einsetzen von insgesamt 40 neuen Fenstern und vier großen, schweren Türen sowie die rötliche Farbgebung, die zuvor mit der Denkmalbehörde des Landkreises abgestimmt worden war.

„Ohne die 40-prozentige Bauförderung, die uns die Stadt bewilligt hat, hätten wir das nie und nimmer machen können“, dankt Wolf Guenter Thiel noch einmal für die großzügige Unterstützung. Unter anderem konnte dadurch am Haus auch ein historischer Eingang wiederentstehen, der früher einmal eine Toreinfahrt darstellte.

Weggeworfen wird nichts

Großen Dank sagen die beiden Inhaber auch der Baubehörde, Bauplaner Michael Wege, allen beteiligten Firmen – übrigens alle aus Havelberg – sowie Freunden und Helfern, zu denen Gerald Walter, Heinz Sporkhorst und Hermann Bormeth gehören. „Mit allen bestand eine hervorragende Zusammenarbeit“, würdigt Anke Leonhardt. Letztgenannte hätten zum Beispiel alle alten Fenster ausgebaut, um sie dann in ihren Häusern wieder zu verbauen. „Hier wird so schnell nichts weggeworfen“, erklärt Anke Leonhardt. „Altes Historisches wird jetzt an anderen Orten bewahrt.“

Dass letztlich auch die Nachhaltigkeit der Fassade so gut gelungen ist, sei insbesondere dem Bauhandwerker Carsten Wolf, dem Malerbetrieb Dümenie und dem Bauplaner zu verdanken.

Aufgabe und Zweck der Old School ist seit sechs Jahren die Kunst und Kultur. Für Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Workshops, Diskussionen, Filmabende und vieles andere mehr wird die Schulstraße 3 auch künftig eine gute Adresse sein. „Bis zum Mai soll dafür noch ein Studio eingerichtet werden“, kündigt Wolf Guenter Thiel an. Auch eine große Tür fehle noch.