Havelberg/Sandau l Was machen jetzt eigentlich die Lehrer, wenn die Schulen geschlossen sind? Bezahlten Urlaub im eigenen Heim? – Ja, so denken wirklich manche Außenstehende. Aber die Realität sieht ganz anders aus.

Sandau an einem Vormittag in der vergangenen Woche. Petra Tetzel, Fachlehrerin an der Sekundarschule „Am Weinberg“ in Havelberg, ist in der Elbestadt zu Hause. „Ich habe Glück, dass ich mich heute ganz und gar auf die Arbeit hier an meinem Schreibtisch konzentrieren kann“, sagt sie. „Denn eigentlich hätte ich jetzt in der Schule Unterricht mit den Hauptschülern aus der Klassenstufe 9, die in diesem Jahr ihren Abschluss machen wollen. Für die Gruppe sind jedoch einige Stunden auf andere Tage umverlegt worden.“

Voller Schreibtisch und Laptop

Petra Tetzels Schreibtisch in ihrem Homeoffice ist voll mit Büchern, Heften und anderen Unterrichtsmaterialien. Weitere Arbeit „stapelt“ sich in ihrem Laptop. Und zwar in „Moodle“, einer Lernplattform, die die Sekundarschule für die Homeschooling-Zeit nutzt. „Es ist anfangs gar nicht so leicht, damit klar zu kommen. Selbst für mich war es das nicht“, erzählt Petra Tetzel. „Deshalb verstehe ich die Kinder, aber auch die Eltern, wenn sie manchmal daran verzweifeln und es zum Teil auch jetzt noch tun. Alles ist eine Frage der Zeit, bis der Umgang mit Moodle zur Normalität wird.“ Gerade für die jüngsten Sekundarschüler aus den Klassenstufen 5 und 6 heiße das jetzt doppeltes Lernen: Einerseits sei es das Beherrschen des PC und der Lernplattform darauf und andererseits im Selbststudium die Bewältigung der laut Lehrplan von den Fachlehrern gestellten Aufgaben in fast allen Unterrichtsfächern.

Diese Aufgaben muss Petra Tetzel und müssen alle ihre Kolleginnen und Kollegen jeweils selbst ausarbeiten und als Tages- oder Wochenplan auf die Plattform stellen. „Ich schicke meinen Schülern immer am Freitag einen Deutsch- und Ethik-Arbeitsplan für die nächste Woche raus“, so die Sandauerin. Für die Klasse 9b war das zum Beispiel in der vergangenen Woche die Aufgabe: „Gemeinsamkeiten von neuen Göttern und Esoterik finden“. Entsprechende Seitenangaben aus dem Lehrbuch gibt Petra Tetzel zumeist ebenfalls mit an.

Arbeit auch am Wochenende

„Ich habe in meinen Fächern Deutsch und Ethik mehr als 150 Kinder und Jugendliche aus den Klassenstufen 6 bis 9 zu betreuen – da kommt an jedem Tag so einiges zusammen. Fakt ist: Ich habe fast doppelt so viel zu tun, als an einem normalen Unterrichtstag in der Schule. Vollbeschäftigung von morgens bis abends und auch noch am Wochenende.“ Erst vor kurzem, so berichtet sie, habe sie bis kurz vor Mitternacht am Schreibtisch gesessen, um fertige Hausarbeiten von Schülern durchzuschauen und sehr gelungene zudem auch zu bewerten. „Denn auch große Mühe beim Homeschooling soll schließlich nicht unbelohnt bleiben“, findet sie. „Es ist schön zu sehen, dass auch so tolle Ergebnisse dabei herauskommen.“

Als ganz wichtig erachtet sie in dieser Zeit, den Kontakt zu ihren Schülern aus der 6b – für diese ist sie Klassenlehrerin – sowie zu allen anderen Kindern und Jugendlichen, die sie unterrichtet und deren Eltern zu halten. „Der Lehrer ist schließlich dafür da, sich Pro­bleme anzuhören und alle Dinge zu erklären, die Schüler und auch Eltern nicht verstehen. Das ist jetzt im Homeschooling nicht anders als im Unterrichtsraum in der Schule.“

Über Telefon, Whatsapp und per E-Mai steht die Sandauerin für Fragen tagsüber so gut wie immer zur Verfügung. „Die Kinder müssen wissen, dass sie nicht alleine und wir Lehrer nach wie vor für sie da sind. Meine Devise dabei lautet: Die Schüler/innen immer motivieren und mit Lob arbeiten. Ein liebevoller, menschlicher Umgang ist gerade jetzt bei geschlossener Schule ganz wichtig. Und zwar nicht nur, was Hilfe bei den Aufgaben betrifft. Nicht wenige Kinder sind alleine zu Hause und berichten von den verschiedensten Problemen. Da muss man als Lehrerin dann auch mal Seelentrösterin sein.“ Immer wieder melden sich auch Eltern bei ihr und zeigen sich dabei dankbar für die Hilfe und Unterstützung. „Das bestärkt auch mich in meiner Heimarbeit“, erklärt Petra Tetzel. „Der Aufwand lohnt sich.“ Und lächelnd fügt sie an. „In den ersten Tagen kam so viel übers Handy, dass der Akku alsbald leer war.“

Sie verheimlicht dabei nicht, dass eine Rückkehr zur Normalität ein ganz großer Wunsch von ihr ist. „Denn Schule in der Schule ist für Kinder, Jugendliche, Lehrer und Eltern wirklich durch nichts zu ersetzen.“