Neun Übergriffe 2019

Im Bereich des Wolfkompetenzzentrums Sachsen-Anhalt mit Sitz in Iden war es der zweite Angriff auf einen Hund, das erste angegriffene Tier war nur leicht verletzt.

Neun Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere sind 2019 bisher registriert. Das geht aus der Statistik des Zentrums hervor. Dabei wurden 53 Tiere (zumeist Schafe und Kälber) getötet und neun verletzt.

117 Angriffe auf Nutztiere mit 174 getöteten Tieren gab es 2018 in Sachsen-Anhalt.

Schönhausen l Blutüberströmt und schwer atmend haben Schäfer Torsten Kruse und sein Sohn Christian am Sonntagmittag „Ira“ neben dem Zaun des Ferches am Elbdeich Höhe Neuer Wiehl liegend vorgefunden. „Ein schrecklicher Anblick! Ich dachte, das überlebt sie nicht.“ Zunächst vermutete Schäfer Kruse einen Wildschweinangriff. Aber als der Tierarzt, zu dem er mit dem verletzten Hund eilte, die Stelle am Hals frei schor, stand sofort fest: das war ein Wolf! Das bestätigt auch das Wolfskompetenzzentrum in Iden, bei dem ein Antrag zur Übernahme der 180 Euro teuren Tierarztrechnung gestellt werden kann. „Ich hoffe, das wird auch bezahlt.“ Denn Torsten Kruse ist derzeit auf dem Deich ohnehin eingeschränkt. Denn wegen der Baustellen kann nicht wie geplant der gesamte 40 Kilometer lange Abschnitt zwischen Jerichow und Havelberg genutzt werden. Und der Einsatz der Hunde kostet zusätzliches Geld.

Hunde seit 2016 im Einsatz

Seit 2009 östlich der Elbe auf dem Deich unterwegs, entschied sich Torsten Kruse 2016, die Herden – derzeit zwei mit je 300 Schafen und Nachzucht – von Hunden schützen zu lassen. Da hatte es den ersten Übergriff gegeben, vier weitere folgten kurz darauf, als der Hundeeinsatz gerade noch in Planung war. 29 Schafe wurden dabei getötet. Seit die Kaukasen die Schafe beschützen, war Ruhe. Bis jetzt. Während „Ira“, die mit ihren zehn Jahren zu den erfahrenen Schutzhunden gehört, den oder die Wölfe in die Flucht schlagen konnte, blieben der zweite jüngere Hund, Rüde „Brauni“, und die Schafe unverletzt.

Künftig drei Aufpasser?

Während „Ira“ sich zu Hause erholt, geht für den Schäfer der Alltag weiter. Täglich bedeutet es, den 250 Meter langen Ferch weiter zu stellen, damit die Tiere genug Futter haben. Als zweiter Hund ist „Max“ dazu gekommen. „Aber reicht das?“ spielt Torsten Kruse mit dem Gedanken, künftig drei „Aufpasser“ zur Herde zu gesellen. „Die Wölfe werden ja nicht weniger. Erst vor ein paar Tagen wurden bei einem Kollegen, der noch keine Hunde im Einsatz hat, auf Höhe Klietznick etliche Tiere gerissen. Und wenn der Wolf erst einmal weiß, wo er leichte Beute hat, kommt er wieder. Sicher ist hier gar nichts mehr!“

Bilder

Gerade in Elbnähe auf Höhe des Truppenübungsplatzes Klietz als Heimat mehrerer Rudel gibt es immer wieder Wolfssichtungen.

Was der Schäfer fordert? „Dass alle Schäden, die durch den Wolf angerichtet werden, beglichen werden. Wenn das Land den Wolf hier duldet und sich ausbreiten lässt, muss es auch alles Vorhandene schützen. Und der Einsatz der Hunde muss finanziert werden. Für 2021 ist zumindest schon einmal angekündigt, dass es Futtergeld geben soll.“ Denn Torsten Kruse hat für all seine Herden neun Hund – die fressen ordentlich und schmälern am Ende den Gewinn, den er macht.

Jeden Morgen und Abend, wenn der in Uthmöden bei Haldensleben beheimatete Schäfer zu den Herden kommt, bangt er vor einer weiteren bösen Überraschung. Ob er Ira, wenn die Wunden verheilt sind, wieder auf dem Deich einsetzen kann, ist fraglich.