Fischbecker Markt plant Neubau in Stendal / Nach Überflutung sollen Verkaufsräume in wenigen Tagen wieder offen stehen

Tedox: Eine Wiedereröffnung auf Zeit

Von Anke Schleusner-Reinfeldt

Das Deichbruchwasser hat auch das Fischbecker Gewerbegebiet mit den Märkten Tedox und Hopp SB überflutet. Seit das Wasser weg ist, wird hier ausgeräumt, geputzt und auch schon eingeräumt, damit in wenigen Tagen die Türen wieder für Kunden öffnen können.

Fischbeck l "Wir arbeiten mit Hochdruck, damit wir so schnell wie möglich wiedereröffnen können!" Gebietsverkaufsstellenleiter Norbert Lerner, der selbst mit zupackt, freut sich über die vielen kleinen Fortschritte im Markt. Palette um Palette wird neu bestückt, die Regale füllen sich zusehends. Dass es nach der anfänglichen Unüberschaubarkeit so schnell geht, sei dem unermüdlichen Einsatz der vielen Helfer zu verdanken. Das sind neben einigen Fischbecker Mitarbeitern, die selbst nicht betroffen sind, auch Beschäftigte aus den insgesamt 87 Märkten in ganz Deutschland. "Viele erklärten sich spontan bereit, mitzuhelfen. Hier schaut niemand auf die Uhr, Feierabend ist irgendwann spät abends."

Nachdem alles, was das bis zu einem Meter hoch stehende Wasser vernichtet hat, ausgeräumt worden ist, wird jetzt sauber gemacht. Und neue Ware kommt auch schon wieder in die Regale. Was nur schmutzig geworden ist, wird gewaschen und später preisreduziert angeboten.

"Ich rechne damit, dass wir in anderthalb Wochen eröffnen können", blickt Norbert Lerner voraus.

Prokurist versichert: Alle Angestellten werden mitgenommen

Allerdings ist es eine Wiederöffnung auf Zeit. Denn Tedox plant nach 22 Jahren in Fischbeck einen Umzug nach Stendal. Das nicht erst seit der Flut, sondern schon vorher. "Fischbeck hat für uns auch aufgrund des baulichen Zustandes keine Zukunft, die Verkaufsbedingungen sind nicht optimal", erklärt Hans-Jürgen Pfund, Prokurist von Tedox mit Hauptsitz in Harste bei Göttingen. "Deshalb planen wir schon seit einiger Zeit einen Umzug nach Stendal. Hier sind jetzt die Weichen für einen Neubau gestellt und wir wollen umgehend den Bauantrag stellen, um möglichst noch im Herbst loszulegen." Hans-Jürgen Pfund versichert, dass alle Angestellten nach Stendal mitgenommen werden.

Und was passiert, wenn Tedox auszieht? "Das wird sich zeigen. Ich stehe in Verhandlung mit einem Interessenten, der ein ähnliches Sortiment anbietet", erklärt Norbert Hopp. Seiner Frau Helga gehören die Gebäude des ehemaligen Fischbecker Trocknungswerkes, er betreibt auf dem Gelände den Polstergarnituren-Markt "Hopp SB".

1991 war das Ehepaar Hopp aus Südniedersachsen nach Fischbeck gekommen, hat seitdem hier seinen zweiten Wohnsitz. Sämtliche Gebäude wurden von den Genossenschaften gekauft, für den Grund und Boden gibt es ein 99-jähriges Erbbaurecht. 64000 Quadratmeter groß ist das Areal.

Gelände wurde zum Umschlagplatz für Sandsäcke und Big Bags

Im Juni 1991 eröffnete das Unternehmen Tedox, das bis 2005 "Teppichdomäne Harste" hieß, den Markt. Teppiche, Tapeten, Farben, Gardinen, Kleidung, Lebensmittel und viele weitere Artikel werden verkauft. Außerdem boten die Hallen genug Platz für die Möbel von Hopp SB. Ein 1994 errichteter Zwischenbau verband die beiden großen Hallen und erleichterte den Kunden den Einkauf. Als sich Tedox 2001 mit dem Wunsch um Vergrößerung an den Vermieter wandte, stimmte er zu, zog aus seinem Bereich aus und beschränkte sein Angebot auf Polstergarnituren in einem kleinen Nebengebäude. "Alles ist wunderbar gelaufen. Auch der Bauern- und Flohmarkt, der hier regelmäßig einmal im Monat stattfindet, wird von der Bevölkerung gut angenommen", war Norbert Hopp mit der Situation zufrieden.

Und dann kam die Flut. Schon kurz vor dem verhängnisvollen 10. Juni war die Sorge wegen des Fischbecker Deiches allgegenwärtig. Sonntags wurde das Tedox-Gelände dann zum Dreh- und Angelpunkt für den Umschlag der Sandsäcke. Laster rollten im Minutentakt an, brachten Sandsäcke und Big Bags. Hubschrauber nahmen diese auf und brachten sie zum Deich. "Was die Piloten, die Helfer vom THW und von der Feuerwehr hier geleistet haben, ist unglaublich", erinnert sich Norbert Hopp, der selbst zupackte und Technik organisierte.

Damit von all dem, was sich ab dem 10. Juni ereignete, nichts in Vergessenheit gerät, hat er Tagebuch geschrieben. Zeit genug hatte er dazu. Denn er ließ sich nicht evakuieren, zog sich in die obere Etage zurück und behielt von hier die Lage mit dem Fernglas im Auge. Er kümmerte sich auch um zwei Pferde, die auf dem Nachbargelände bis zum Bauch im Wasser standen. Barfuß watete er durchs Wasser und lockte die beiden Tiere mit Zucker auf eine höhergelegene Stelle. Mit Essen hatte er sich noch rechtzeitig eingedeckt, "mit dem Gaskocher konnte ich auch mal was warm machen. Die Fischbecker Feuerwehr versorgte mich auch per Boot. Wehrleiter André Köppe brachte mir sogar die bestellten Zigaretten - für einen Raucher ganz wichtig." Ebenso wichtig war die Hilfe von außen beim Aufladen der Handys, die für Norbert Hopp die einzige Verbindung zur Außenwelt herstellten.

Schaden im Markt liegt im hohen sechstelligen Bereich

Als das Wasser langsam zurückging, informierte er die Tedox-Geschäftsführung über die Situation. Die rückte vor gut einer Woche zusammen mit dem Bautrupp an, der eigentlich neue Märkte einrichtet. Das große Aufräumen begann. Dinge, die sich für den Verkauf nicht mehr eigneten und zu schade zum Wegwerfen waren, wurden auf dem Hof abgestellt, damit sich die betroffenen Fischbecker hier noch bedienen konnten. Leider haben das auch Ortsfremde ausgenutzt, die gar nicht geschädigt worden sind.

Der entstandene Schaden im großen Markt sei noch nicht zu beziffern, "er liegt im hohen sechsstelligen Bereich", schätzt Norbert Lerner.

Auch Hopps sind - während sie saubermachen - noch am Zusammenrechnen und stehen in Kontakt mit der Versicherung, wollen ihre Polstermöbel auch so schnell wie möglich wieder verkaufen.

Auch wenn die Zukunft ihres Geländes am Fischbecker Ortsrand ab dem kommenden Frühjahr unklar ist, "wir stecken den Kopf nicht in den Sand und hoffen, dass es weitergeht".