Havelberg l Schicksale teilt man mit Personen, die ähnliches erlebt haben. Es gibt nicht Schlimmeres, als einen liebgewordenen Menschen zu verlieren – wenn es sich dabei um das eigene Kind handelt, ist der Schmerz unendlich. Darum ist es wichtig, dass sich Trauernde treffen und versuchen, den Schmerz, den sie erlitten haben, gemeinsam zu überwinden. In einer Gruppe kann es leichter fallen, den Verlust zu verarbeiten.

Einen Ort zur Trauerbewältigung gibt es seit Juni 2016 auch in Havelberg. Jeden letzten Montag im Monat treffen sich Trauernde um 17 Uhr im Begegnungscafé des Bestattungsunternehmens Strawinski. Dieser monatliche Treff ist nicht nur für Eltern, sondern auch für Witwen, Witwer, Geschwister und Großeltern offen.

Wie sehr ihr diese Möglichkeit der Trauerbewältigung geholfen hat und noch immer hilft, berichtet Catherine Ahlfeldt. Durch einen tragischen Verkehrsunfall verlor sie ihren Sohn und fiel in ein tiefes Loch. Wie soll es weitergehen im Leben, wenn ein liebgewordener Mensch nicht mehr da ist?

Wie sie mit der Trauerbewältigung in der eigenen Familie umgeht, erzählte sie im persönlichen Gespräch mit der Volksstimme. So wie bei vielen Menschen waren für sie der Tod und die Folgen für die Hinterbliebenen vor dem Unglückstag kein Thema. „Ich ging früher sehr selten auf einen Friedhof“, schaut sie zurück. Heute ist der regelmäßige Besuch dieser Stätten für sie eine Berufung, denn nach zahlreichen Therapien, die sie nach dem Schicksalsschlag durchlebte, hat sie sich für diesen Weg der Trauerbewältigung entschieden. Als Mitarbeiterin eines ansässigen Bestattungsunternehmens pflegt sie Gräber von Verstorbenen und bereitet Trauerveranstaltungen vor. Die monatlichen Treffs in der Gruppe sind dabei ein wichtiger Teil ihrer Trauerbewältigung.

Trauerbegleiterin steht zur Seite

Den Betroffenen steht die Trauerbegleiterin Lena Vogt zur Seite. In den Gesprächen wird von Erlebnissen erzählt und Wege aufgezeigt, um die Trauer zu bewältigen. Es werden Angebote unterbreitet, denn es gibt viele Möglichkeiten, der Trauer Ausdruck zu verleihen. Jeder Betroffene reagiert auf sein Schicksal auf seine Art und es gibt kein Rezept für alle Trauernde.

Es ist nicht immer einfach, Betroffene zu überzeugen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, weiß Catherine Ahlfeldt. Sie hat viele Gespräche mit betroffenen Menschen geführt, um sie zu überzeugen, dass man mit seiner Trauer nicht allein fertig werden muss. So hat sich der Kreis der Betroffenen von Mal zu Mal vergrößert. Wer mit Catherine Ahlfeldt in Kontakt treten will, kann das unter Telefon 0151/7019 36 64.

Wer von gleichem Schicksal betroffen ist, sollte sich nicht scheuen, den Weg zum monatlichen Begegnungscafé zu suchen. Entscheidend ist, den Mut zu haben, mit der Trauer zu leben, sie zu überwinden, aber auch einen Neuanfang zu wagen.