Seit 2017 unterwegs

Das Traumschüff ist ein schwimmendes Wandertheater vor allem für den ländlichen Raum, das seit 2017 auf Gewässern in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu Theaterstücken und anderen künstlerischen Formaten wie Theaterpädagogik und Gesprächsrunden einlädt.

Die Schüffstaufe fand im Juli 2017 auf der Kiebitzberg Werft in Havelberg statt. Dort wurde der Katamaran in Zusammenarbeit mit der Bauhaus Universität Weimar auch gebaut. Die Werft ist außerhalb der Saison Liegeplatz des Schüffes.

Das Konzept für die schwimmende Bühne stammt von Schauspieler David Schellenschmidt. Anfang 2017 hatte er die bundesweit erste gemeinnützige Theatergenossenschaft mit professionellen Künstlern und Interessierten gegründet.

Havelberg l Corona sorgte auch hier für eine Zwangspause. Für Juli aber ist eine Tour auf der Havel von Havelberg bis nach Brandenburg geplant. Dafür wird das Schüff fit gemacht.„Wir sind ziemlich lange auf Sicht gefahren und haben geguckt, wie sich die Bestimmungen zur Corona-Pandemie entwickeln. Was müssen wir absagen, was kann doch noch stattfinden? Inzwischen wissen wir, dass wir Veranstaltungen unter freiem Himmel, wie die Menschen es von uns kennen, so nicht anbieten können“, berichtet Myriam Oosterkamp, verantwortlich für den Bereich Kommunikation und Presse in der Traumschüff-Theatergenossenschaft, als sich Crew-Mitglieder auf der Kiebitzberg Schiffswerft zum verlängerten Bauwochenende treffen. „Wir müssten für jeden Ort mit der jeweiligen Gesundheitsbehörde ein individuelles Hygienekonzept abstimmen. Viele von uns arbeiten ehrenamtlich für das Traumschüff, das können wir nicht stemmen.“

Online-Workshops fürs Nachbarschaftstheater

Die ursprünglich geplante Tour ist deshalb abgesagt. „Mit dem Schüff rauszufahren, lassen wir uns aber nicht nehmen“, berichtet Myriam Oosterkamp von der für Juli geplanten Tour mit „Genossin Rosi“ auf der Havel bis nach Brandenburg. „Das Traumschüff lebt von Live-Erlebnissen, von Austausch und Begegnungen mit Menschen an den Orten. Das ist der Kern bei uns. Deshalb wollen wir für kurze Zeit rausfahren und haben uns dafür digitale Formate überlegt.“

So bieten die Theaterpädagoginnen Lisa Blaschke und Jana Kühn sowie Schauspielerin Meike Kopka das „Nachbarschaftstheater“ an. An den kostenlosen Workshops können Leute im Alter von 12 bis 99 Jahren teilnehmen. Jeweils fünf pro Runde entwickeln ein Theaterstück, bei des um Nachbarschaft geht. Die Idee ist, die Geschichten am Ende zusammenzufügen. Interessierte können sich für die Online-Workshops am 19. und 28. Juni sowie 11. Juli anmelden. Für den Herbst hoffen die Crew-Mitglieder auf einen analogen Workshop. Damit Ältere auch wirklich mitmachen können, ist etwa an Computer-Patenschaften mit Altenheimen gedacht.

Bilder

Entlang der Havel will die Crew im Juli eine Zeitlang in Orten wie Strodehne, Rathenow und Premnitz mit dem Traumschüff anlegen. „Das Schöne an der Situation ist, dass sie viel mehr Freiraum für spontane Aktionen lässt als ein durchgeplanter Spielplan“, berichtet die Pressesprecherin von Kunstaktionen wie Theater- und Uferspaziergänge und Projektionen. „Relativ leicht lässt sich unsere Ufermusik umsetzen, Musiker haben wir immer mit an Bord. Wir wollen die Havel auf- und abwärts fahren und hoffen, dass vielleicht doch noch Veranstaltungen mit Publikum möglich sind. Aber das ist eben ein komplexes Thema. Wir haben normalerweise freien Zugang und kassieren keinen Eintritt. Von der Wegeführung über das Anlegen von Gästelisten bis hin zur Platzierung müssten wir Lösungen finden.“

Fördermitgliedschaft wird vorbereitet

Rund 40 Veranstaltungen an 16 Spielorten gab es im vorigen Jahr. 2020 sollte ähnlich laufen. Die Theatergenossenschaft finanziert sich über Spenden und durch Fördergelder. Die größte Förderung für dieses Jahr konnte umgewidmet werden. „Doch ist das eben nur ein Teil, Spenden sind eine wichtige Einnahme für die Genossenschaft. Die Corona-Krise trifft uns doppelt schwer. Künstler, die ehrenamtlich für uns arbeiten, haben es nun schwer, Jobs zu bekommen. Im Moment zehren wir unsere Reserven auf“, berichtet Myriam Oosterkamp von der schwierigen finanziellen Situation. Deshalb wird jetzt die Möglichkeit, Fördermitglied der Theatergenossenschaft zu werden, forciert. Es gibt Anfragen dazu. Mitglieder hat die Genossenschaft momentan knapp 40.

Auftakt und Abschluss der Traumschüff-Saison auf dem Wasser sollten in Havelberg stattfinden. Vielleicht klappt es mit dem Saison-Finale. „Zur Werft hat sich eine wunderbare Freundschaft entwickelt. Wir bekommen hier immer Unterstützung für das Schüff, an dem es nach der Winterpause stets was zu tun gibt, bevor wir es ins Wasser lassen. Dieses Mal standen Ausbesserungen am Schwimmkörper und am Dach im Vordergrund. Bei letzteren hat uns Dachdecker Schneider aus Wulkau geholfen.“ Wenn das „Theater im Fluss“ – Videobotschaften unter „#wirbleibenimfluss“ sind im Internet zu finden – auf Reisen geht, wird auch an der dritten Folge von „Treue Hände“ weitergearbeitet. Eine von fünf Inszenierungen, mit denen die Theaterleute im Sommer auf dem Schüff und im Winter an Spielstätten auf Tour gehen. Darin werden die Wende vor 30 Jahren und die Treuhand thematisiert.