Elbe-Havel-Land l Betroffen sind die Standorte Klietz, Kamern, Schollene und Wust sowie im brandenburgischen Bereich Milow. Zum Ende des ersten Quartals, also Ende März, schließen die Filialen. Mit ihnen werden auch die Geldautomaten und die Kontoauszugsdrucker abgebaut.

Eigentlich wollte der Vorstand der Volksbank Anfang kommenden Jahres zunächst die rund 3500 Mitglieder und die Vermieter der vier Objekte im Elbe-Havel-Land in Versammlungen über die Entscheidung informieren. „Aber nachdem die Sparkasse die Schließung ihrer Filialen jetzt öffentlich gemacht hat und die ersten Kunden zu uns wechseln wollen, sind wir gezwungen, diesen Weg nun so schnell über die Presse zu wählen“, erklärt Bernd Knust, der zusammen mit André Wiedenhöft den Vorstand der Volksbank bildet.

Er nennt wirtschaftliche Zwänge als Ursache für die Entscheidung. „Wir sind einem großen Kostendruck ausgesetzt. Das anhaltende Niedrigzinsniveau trifft nicht nur den Kunden, sondern auch die Bank. Der Schritt hätte eigentlich auch schon eher erfolgen müssen, jetzt ist er unaufhaltbar.“ Die Volksbank wolle sich für die Zukunft aufstellen und in der Region bleiben – das sei nur möglich, wenn man sich neu orientiert. Immer deutlicher werde die Tendenz, dass Bankgeschäfte via Internet getätigt werden, entsprechend rückläufig ist die Frequenz der Kunden in den Filialen. „Im Vergleich zu Europa ist Deutschland mit Bank-Filialen überversorgt und die Anzahl wird um 40 Prozent zurückgehen.“

Die beiden Standorte Havelberg und Schönhausen werden mit der Strukturänderung gestärkt und die Öffnungszeiten ausgebaut. Betriebsbedingte Kündigungen für die insgesamt 75 Mitarbeiter gibt es nicht. „In den kommenden fünf Jahren gehen zehn Mitarbeiter – es ist ein sozialverträglicher Abbau. Die Mitarbeiter aus den zu schließenden Filialen werden umgesetzt.“

Da die Volksbank in allen vier Filialen im Elbe-Havel-Land lediglich Mieter ist, werden die Verträge gekündigt.

„Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wenigstens die Geldautomaten vor Ort bleiben würden. Aber genau sie verursachen durch die Anbindung an die Rechenzentren so hohe Kosten“, so Bernd Knust. „Wir bedauern diesen Schritt, aber er ist unumgänglich und daran ist auch nicht mehr zu rütteln, sämtliche Planungen sind darauf aufgebaut. Wir sind uns bewusst, dass es gerade auf den Dörfern ein sehr großer Nachteil sein wird, wenn es dort keine Bank mehr vor Ort gibt.“

Die Entscheidung für die beiden Standorte ist aufgrund der Einwohnerzahlen und der damit verbundenen Kaufkraft gefallen.

Rund 19400 Kunden mit Konten hat die Volksbank Rathenow, die es unter wechselnden Namen seit 1882 gibt. In den vier schließenden Filialen im Elbe-Havel-Land gibt es 1 900 Kunden, betroffen sind also zehn Prozent.

Verbandsbürgermeister Bernd Witt zeigte gestern kein Verständnis für die Entscheidung beider Banken. „Für Klietz, Schollene und Kamern ist das eine Katastrophe!“