Klietz l Der Professor im Ruhestand Dieter Wartenberg hatte insgesamt zwölf Jahre lang in Äthiopien Lehrer ausgebildet – seitdem führen ihn jedes Jahr zwei Reisen in das faszinierende nordafrikanische Land.

Seine Besuche im Vorjahr dienten zugleich humanitären Zwecken, denn in der Region wütete die schlimmste Dürre seit vielen Jahren. Auch darüber informierte der Klietzer auf der Zusammenkunft im Versammlungsraum des Rathauses in Klietz, wo sich etwa 20 Interessenten eingefunden hatten. Denn viele Spenden – darunter auch eine recht umfangreiche – waren von Klietzern gekommen.

Lebensmittel vor Ort gekauft

Die benötigten Lebensmittel kaufte Dieter Wartenberg vor Ort in Afrika ein – so wurden die Menschen dort gleich doppelt unterstützt. Fünf Dörfer konnte der Klietzer dadurch versorgen. Dank der reichlichen Gaben konnte sogar ein kranker Junge überleben – sein Vater bekam von den Spenden Geld für einen Hospitalbesuch. Für die Kinder kaufte er über 400 Brötchen, um die Hungersnot zu bekämpfen.

Zudem wurden Hefte und Schulbücher für eine Schule auf dem Lande gekauft, obendrein gab es drei Fußbälle samt Pumpe. Eigentlich sollten vom restlichen Spendengeld Schulbänke angeschafft werden, doch bat die Schulleiterin, davon lieber Akkus für die Solaranlage kaufen zu können. Mit dieser werden unter anderem die Schulküche und der Fernseher betrieben, die alten Akkus waren defekt.

Dank allen Spendern

Dieter Wartenberg dankte bei der Gelegenheit allen Spendern. Auch bei dieser Zusammenkunft wurde wieder Geld gesammelt, ein rotes Sparschwein stand dazu auf dem Tisch bereit. – Es wurde wieder gut gefüttert. Insgesamt 33 Jahre kennt der Klietzer das afrikanische Land nun schon, seine Eindrücke und die Veränderungen in dieser Zeitspanne dort will er in einem weiteren Buch schildern. Ein Kapitel las er in Klietz daraus vor.

Bei seinem ersten Aufenthalt im Jahr 1985 hatte Äthiopien gerade erst eine Hungersnot überstanden, im Land herrschte eine Militärdiktatur: Wer nach Mitternacht noch auf der Straße angetroffen wurde, wurde erschossen. Deshalb musste er auch einmal mit drei Begleitern aus dem Land in seinem Hotelzimmer übernachten – denn es war schon spät geworden. Auf dem Weg ins Hotel erlebte er, wie ein Auto von den Militärs unter Beschuss genommen wurde.

Im Hotel auf Strohsack geschlafen

Bei der ersten Reise musste er auch in einem sehr ländlichen Hotel übernachten. Dessen Toilette befand sich auf dem Hof – eine mit einem Astgeflecht bedeckte Grube. „Seit den Bombennächten in Berlin hatte ich nie wieder solche Angst gehabt“, gestand er. 1985 gab es dort noch kein elektrisches Licht, er schlief auf einem Eisenbett mit Strohsack.

32 Jahre später war er ganz in der Nähe zu Besuch, „seitdem hat diese Region über drei Jahrhunderte überwunden“, schätzte der Referent ein. Die neue Regierung hatte Äthiopien 1991 entsprechend den Ethnien in neun Regionen und zwei Stadtstaaten aufgeteilt.

Die mit 334 Quadratkilometern kleinste Region ist Harar, welche über viele Jahrhunderte eine selbständige Handelsstadt war. Ihr Eingangstor ist weithin berühmt, die komplette Stadtmauer – sie ist bis zu zweieinhalb Meter stark – ist noch komplett erhalten. Es gibt an manchen Stellen Schlitze im Gemäuer: Hier können Hyänen hindurch, um den Biomüll in der Stadt zu beseitigen.

Harar ist zehnmal älter als die Hauptstadt Adis Abeba, in der Stadt leben 125 000 Einwohner. Harar ist das viertwichtigste Heiligtum der Moslems, es ist seit Mohammeds Zeiten muslimisch. Es ist übrigens die einzige Kommune der Welt, welche den Unesco-Titel „Friedensstadt“ trägt: Hier leben alle Religionen friedlich miteinander, die 83 Moscheen stehen teils dicht neben katholischen und orthodoxen Kirchen. Obwohl die Moslems in der Region einst von den Christen besiegt wurden, wurde die Stadt selbst nie zerstört – Städte sind in Kriegen dort tabu.

Dieter Wartenberg hat inzwischen drei Bücher mit äthiopischen Märchen herausgegeben, hinzu kam ein Buch über den Kaffee. Dieser trat einer Sage nach von Äthiopien aus seinen Siegeszug um die Welt an: Ein Ziegenjunge entdeckte die Pflanze wegen des seltsamen Verhaltens seiner Ziegen. Das Buch wurde übrigens vom Klietzer Ernst Gilbrich illustriert.

Mit seinen inzwischen 83 Jahren will sich Dieter Wartenberg aber noch längst nicht zur Ruhe setzen: Er möchte neben dem neuen Buch mit den Reiseerlebnissen auch noch einen Roman verfassen, welcher aber nur für seine Nachkommen gedacht ist. Der Verkaufserlös aus seinen Büchern fließt natürlich wieder nach Äthiopien, obwohl bei der Dürre das Schlimmste überwunden ist. Nicht überwunden ist allerdings die unbeschreibliche Armut – auch solche Fotos zeigte er in seinem Lichtbildvortrag über Harar. Äthiopien ist halt ein Land großer Gegensätze.