Ein Nest befindet sich in zwölf Metern Höhe auf einem Mast zwischen Nitzow und Quitzöbel

Wulkauer Ornithologe beringt junge Fischadler

Von Andrea Schröder

Nitzow/Quitzöbel. In luftiger Höhe hat der Wulkauer Manfred Kuhnert dieser Tage zwei junge Fischadler beringt, deren Horst sich zwischen Nitzow und Quitzöbel auf einem Mast befindet. Dort brüten die Eltern bereits das dritte Jahr. Zuvor hatte das Fischadlerpaar sein Nest auf einem Strommasten errichtet. Da dort die Gefahr eines Stromschlags groß ist, wird im Land Brandenburg durch den Energieversorger für die Vögel ein gesonderter Mast aufgestellt. In Sachsen-Anhalt werden die Nester höher gesetzt, berichtet Manfred Kuhnert.

Um die Lebensweise der Fischadler zu erforschen, werden sie beringt - ebenso wie viele andere Vogelarten. Manfred Kuhnert macht dies schon seit 25 Jahren. Für die Fischadler, von denen es rund 30 Paare in Sachsen-Anhalt gibt, fährt er viele Kilometer durchs Land, denn bis auf den Raum Dessau beringt er alle Jungtiere. Im Landkreis Stendal leben neun Fischadlerpaare, unter anderem in Klietz auf dem Truppenübungsplatz, in Arneburg, Buch und Grieben.

Die meisten haben auf Hochspannungsmasten ihre Nester errichtet. Fürs Beringen muss der Mast freigeschaltet werden. Unterwegs ist der Landesnaturschutzbeauftragte dann mit Beringer Mario Firla, der die Masten hochklettert. Es ist eine gute Zusammenarbeit mit den Energieversorgern und den Landwirten erforderlich, die die Zuwegung ermöglichen. Das funktioniere immer gut, berichtet Manfred Kuhnert.

Für die Fischadler zwischen Nitzow und Quitzöbel bekommt er von der Wemag Perleberg eine Hebebühne gestellt. Die Mitarbeiter Stefan Misigalski und Guido Schramm sorgten dafür, dass der Ornithologe sicher in Höhe des Horstes kam. Während die Fischadler in weiterem Abstand über den Mast kreisten, bekamen die beiden Jungen ihre Ringe. "Sie stellen sich tot, wenn jemand ans Nest kommt", sagt Manfred Kuhnert. Aufregung war ihnen nicht anzumerken. Ganz ruhig lag ein Junges im Arm des Naturfreundes, während er vorsichtig einen Ring mit der Zahlen- und Buchstabenkombination an einem Bein des Vogels anbrachte. Ans andere Bein kommt die Kennung der Vogelwarte Hiddensee.

Fischadler sind Zugvögel, die bis Ende April meist aus Mittelafrika einfliegen. Manche Fischadler fliegen auch bis an die Südspitze Afrikas. Ihre Zugwege sind bekannt. Das Beringen der Vögel dient vor allem dazu, Kenntnisse über ihre Ausbreitung zu erhalten. Zum Beispiel: Wo siedeln sich die Jungen an oder wie alt werden die Vögel in der Natur? Daten übers Alter sind meist nur aus Zoos bekannt, so Manfred Kuhnert. Fischadler sind oft standorttreu, wenn ein Nest erstmal angenommen ist, ist es 20, 30 Jahre besetzt.

Die Brutzeit beträgt um die 30 Tage, die Nestlingszeit acht Wochen. Mitte September fliegen die Fischadler dann wieder aus. Dabei warten die Jungen nicht auf ihre Eltern. Sie finden ihren Weg auch so.