Havelberg l Ein kleines Glasschälchen Bernsteinsplitter, 90-prozentiger Alkohol, Wasser und Nuss-Sirup. Das sind die Zutaten für den Bernsteinlikör, den Gastwirt Manfred Hippeli zusammen mit dem Historiker Harald-Uwe Bossert kreiert hat. Sie haben länger mit den Zutaten experimentiert, bis nun ein harzig-nussig schmeckender Likör entstanden ist.

In diesem Jahr jährt sich das Treffen des russischen Zaren Peter I. und des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. in Havelberg zum 300. Mal. Dabei wurde das legendäre Bernsteinzimmer verschenkt. Dieses Jubiläum soll in der Hansestadt gebührend gewürdigt werden. Ideen sind zusammengetragen worden, einige Veranstaltungen in der Planung (die Volksstimme berichtete).

Geschichte seit Jahren Grundlage

Der Havelberger Gastwirt hat historische Anlässe schon seit vielen Jahren als Grundlage für kulinarische Abende in Verbindung mit Geschichtsführungen angeboten. Nach dem 200. Bismarck-Geburtstag im vergangenen Jahr sind es nun also Zar Peter und das Bernsteinzimmer. Unter dem Motto „Genuss und Geschichte“ findet der erste Abend am Sonnabend statt. Harald-Uwe Bossert erzählt Geschichte und Geschichten zum Mythos Bernsteinzimmer unter dem Titel „In Havelberg verschenkt – in Puschkin geraubt – in Königsberg verschollen“. Die Führung beginnt im 18.30 Uhr an der Güldenen Pfanne in der Lehmkuhle.

Manfred Hippeli serviert anschließend die im Zusammenhang mit dem Zarenbesuch legendär gewordenen „Knappen Tieden“. Es ist eine Variante der Fischsuppe als Fingerfood. Außerdem gibt‘s mit Borschtsch eine traditionelle russische Suppe sowie Fleisch und Fisch im Hauptgang. Bernstein spielt dann wieder beim Nachtisch eine Rolle: als Bernsteincreme in zwei Varianten. Animiert vom Himalaja-Salz hat der Gastwirt zudem ein Fingersalz hergestellt, das mit Bernstein und Zitrone hergestellt wird.

Einklang auf das Zarenjahr

Schon eine Weile beschäftigten sich Manfred Hippeli und Harald-Uwe Bossert damit, einen Bernsteinlikör herzustellen. Ursprung war ein Rezept mit Lindenblütensirup. Doch letztendlich fiel die Entscheidung für den Nussgeschmack, der das Harzaroma – Bernstein ist Millionen Jahre altes Harz – hervorhebt. Zirka sechs Wochen müssen die Zutaten in der Flasche ruhen, dann kann der Bernstein ausgesiebt und der Likör kredenzt werden.

Der kulinarische Geschichtsabend ist ein Einklang auf das „Zarenjahr“, in dem Havelberger und Gäste einiges zu erwarten haben. So soll es um die Zeit des Treffens vom 23. bis 27. November 1716 im Spätherbst einen „Zarenabend“ geben. Eine gastronomische „Zarenwoche“ ist geplant. Im Oktober gibt es eine Wiederholung des Abends in der Güldenen Pfanne. Wer heute mit dabei sein möchte (möglich ist auch nur die Teilnahme am Rundgang), meldet sich unter 039387/799 51 an.