Havelberg l Treffen sie sich sonst regelmäßig zum gemeinsamen Stricken und Häkeln, sind sie seit Beginn der Corona-Pandemie notgedrungen Einzelkämpfer. Denn die Begegnungsstätte der Volkssolidarität ist seit Mitte März geschlossen. Dort treffen sich normalerweise nicht nur die 18 Frauen der Handarbeitsgruppe. Täglich gibt es Angebote wie Sitztanz, Seniorensport, Kartenspiele, Englisch und anderem mehr.

Nun gab es ein kleines Wiedersehen. Die Vorsitzende der Ortsgruppe VII der Volkssolidarität Vera Skiba besuchte mit einem Teil der Handarbeitsgruppe die Kita „Zwergenland“. Dort gibt es mit der Marienkäfergruppe eine Patenschaft, die vor zehn Jahren mit einem Vertrag besiegelt wurde, aber schon länger besteht. Den Kindern sind nicht nur die Strick- omis gut bekannt, sondern zum Beispiel auch die Lese- omis. Zum Kindertag lädt die Ortsgruppe die Kinder zum Sportfest ein und bereitet auch zu Weihnachten Freude, etwa mit dem gemeinsamen Plätzchenbacken. Im Gegenzug singen die Kinder zum Beispiel für die Senioren zu besonderen Anlässen.

Weil zum Kindertag in diesem Jahr kein Sportfest möglich war, hatte Vera Skiba zwei große gestrickte Decken als Spielteppiche zu den Marienkäfern gebracht. „Sie sind heiß geliebt. Die Kinder nehmen sie auch zum Zeltbauen oder zum Zudecken“, berichtet Erzieherin Edeltraud Vandrey, als sie am Mittwoch mit der Kita-Gruppe schaut, was die Frauen draußen im Eingangsbereich der Kita machen. Im Schatten wird das ausgediente Fahrrad mit neuen Strickelementen verkleidet. Auf der Bank liegen gestrickte Quadrate als Sitzelemente und zum Anlehnen. Die Fenstergitter des Kellerbereiches erhalten farbenfrohe Streifen, natürlich auch gestrickt. So sieht gleich alles viel bunter aus. „Die Sachen haben durch Sonne und Regen gelitten, weshalb wir sie nun erneuern“, erklärt Vera Skiba den „Arbeitseinsatz“. Die Frauen sind froh, sich endlich mal wieder treffen zu können, wenn es auch noch nicht in der Gruppe in der Begegnungsstätte ist. Sie sehnen sich danach,  wieder zusammenkommen zu dürfen. „Ganz doll“, unterstreicht Christel Knopf. Gemeinsam zu stricken, dabei Kaffee und Kuchen zu genießen und vor allem zu plaudern ist doch was anderes, als vor dem Fernseher oder auf dem Balkon zu stricken. „Ich freue mich, wenn es endlich wieder losgeht“, sagt auch Christa Zimmermann. Auch Bärbel Drygalla und Ruth Anklam brachten die Strickdeko mit in der Kita an. Spontan hinzu kam Ingrid Prietzel.

Bestrickte Fahrräder von der Volkssolidarität gibt es auch in der Domkurie D8 in Havelberg, im Schützenhaus in Sandau und auf den Havelhöfen in Garz. Zur Bundesgartenschau 2015 hatten die Frauen auch kleine Kinderstühle bestrickt. „Einem Mädchen haben sie so gut gefallen, dass der Opa nach der Buga zu uns kam und sich einen Stuhl, den wir noch mal neu bestrickt haben, abgeholt hat“, erinnert sich Vera Skiba.

Hoffnung auf Öffnen der Begegnungsstätte

„Wir hoffen, dass wir ab Juli wieder in die Begegnungsstätte dürfen. Dann wird das Interesse groß sein, endlich wieder was gemeinsam unternehmen zu dürfen“, spricht sie vom Wunsch etwa nach einer Schiffstour mit dem „Elbkaiser“ auf der Havel oder einem Grillnachmittag. Vielleicht lässt sich dann auch der Handarbeitsbasar nachholen, den die Ortsgruppe veranstalten wollte. Viel Gestricktes ist in den vergangenen Monaten entstanden. „Wir haben Kinderpullover, Garnituren, Socken, Schals, Mützen und anderes mehr.“

Viel Wolle haben sie geschenkt bekommen von einer Frau, die Reserven aus der einstigen Kunstfaser in Premnitz hatte. Weil sie so aufgerollt ist, dass sie schwer zu handhaben ist, wird sie gerade in ordentliche Wollknäuel umgewickelt. Dass das Kartoffelfest in Garz abgesagt ist, bedauern die fleißigen Strickerinnen. Der Basar dort ist immer eine gute Einnahmequelle für die Ortsgruppe.

Für die kommende Woche will die Ortsgruppenvorsitzende noch einmal viele der hundert Mitglieder mobilisieren, an der Großdemo für den Erhalt des Krankenhauses teilzunehmen. „Unsere Protestplakate liegen noch in der Begegnungsstätte.“