Stendal l Großer Bahnhof in der kleinen Gemeinde Klietz. Mittendrin Ute Panther. Die Chefin der Agrargenossenschaft „Elbeland“ gehört bei der Pressekonferenz zum Thema „Mehr Raum für unsere Flüsse“ weder zu den Medienvertretern noch zu den geladenen Gästen. Und trotzdem wird sie von zahlreichen Teilnehmern erwartungsvoll und freundlich begrüßt. Andere tun es zurückhaltender und aus Distanz - wie die Landwirtin beispielsweise den Blickkontakt mit Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) beschreibt.

Bauern verschaffen sich Gehör

„Die für mich sehr überraschende Aufmerksamkeit hat mir sicherlich der Zeitungsbeitrag im Vorfeld des Pressetermins eingebracht“, weiß Ute Panther. Ihr im Beitrag angekündigtes „unangemeldetes Erscheinen“, um in Vertretung der in Urlaub weilenden Kreisverbandschefin „der Bauernschaft bei einem so wichtigen Thema wie Polderbau und Deichrückverlegung genügend Gehör zu verschaffen“, hatte sich schnell herumgesprochen. Und, wie sie im Nachgang der Konferenz im Volksstimme-Gespräch sagt, „wurde es auch akzeptiert“.

Vorgestellt und Informiert wurde in Klietz am Donnerstag über 33 Hochwasserschutzprojekte an Elbe, Havel, Saale Mulde sowie Schwarzer und Weißer Elster. Gut 600 Millionen Euro will das Land in den kommenden 15 Jahren dafür ausgeben, um neue Überflutungsflächen zu schaffen.

Wertvolles Ackerland unter Wasser

Entscheidend Neues habe Ute Panther nicht erfahren. Sie sei vielmehr darin bestätigt worden, dass bei der Realisierung des Flutpolders im Bereich Klietz-Schönfeld die Existenz vieler Bauern bedroht ist. Der eigene Betrieb in Scharlibbe mit 28 Mitarbeitern eingeschlossen.

Vor allem die geplante ökologische Flutung bereite ihr große Sorgen. Ökologisch bedeutet, dass die Elbe nicht nur bei einem Jahrhunderthochwasser Äcker und Wiesen überfluten wird, sondern viel öfter. Als Grund, auch bei kleineren Hochwasserständen die Fluter zu öffnen, wird von den Fachleuten das Gewöhnen der Pflanzen an das Wasser angeführt. „Für uns heißt es, dass wertvolles Ackerland durch eine steigende Bodenverdichtung verloren geht.“ Im Fall der Agrargenossenschaft „Elbeland“ mit Sitz in Scharlibbe seien es vornehmlich die wertvollsten Anbauflächen von Früchten, die auch als Futter für die Viehhaltung gebraucht werden.

Mit Pächter beraten

Wie geht‘s nun weiter? Zum einen will Ute Panther die Gesprächsangebote annehmen, die ihr auf der Konferenz in Klietz unterbreitet wurden. Beispielsweise von Burkhard Henning, Chef des Landesbetriebs für Hochwasserschutz.

Zum anderen wolle sie die Zusammenarbeit mit einem Fachgutachter intensivieren. Ebenso sich mit den Eigentümern der Ackerflächen zusammensetzen und beraten. „Denn, wenn wir die Flächen nicht mehr bewirtschaften können, können wir auch keine Pacht mehr zahlen.“