Klötze l Martina Müller ist seit dem ersten Tag in der Klötzer Algenfarm als Sekretärin dabei. Genau wie auch Katrin Tanger. Müller kann sich noch an die Anfänge im Jahr 2000 erinnern. Nach einem holprigen Start, der zunächst sogar mit einer Insolvenz endete, ist die zur französischen Rouqette-Familien-Unternehmensgruppe gehörige Klötzer Firma mittlerweile Marktführer auf dem Gebiet der Algenproduktion und -forschung in Europa in den 20 Jahren des Bestehens geworden.

Dass Klötze Algenstandort werden konnte, ist dem letzten DDR-Umweltminister Prof. Dr. Karl-Hermann Steinberg zu verdanken. Er hatte gemeinsam mit Verbündeten den Mut, die Produktion der zum damaligen Zeitpunkt völlig unbekannen Chlorella Mikroalge zu starten. „Professor Steinberg war der Gründer sowie Erfinder der Technologie“, erinnert der heutige Geschäftsführer der Roquette Klötze GmbH, Jörg Ullmann. Der Diplom-Biologe ist seit 16 Jahren im Unternehmen und hat alle Höhen und Tiefer miterlebt. „Wir waren vor 20 Jahren die erste Algenfarm in ganz Europa“, blickt Jörg Ullmann zurück.

Inzwischen ist das Klötzer Unternehmen, dass einst als Pionier in dieser Branche auch mal belächtet wurde, zu den Marktführern in der Algenproduktion und -forschung in ganz Europa. Mit den 16 Angestellten und momentan einer Forschungsstudentin aus Tunesien ist die Firma auf dem europäischen Markt nicht nur in der Algenproduktion mit einem jährlichen Volumen zwischen 30 und 50 Tonnen nicht mehr wegzudenken. Auch in Sachen Forschung sind die Mitarbeiter um Jörg Ullmann weltweit gefragt. So nahm der Geschäftsführer im November des Vorjahres an einem internationalen Kongress in der marokkanischen Hauptstadt Marrakesch teil. Dort referierte der Westaltmärker über das Potenzial von Algen in einer Green Economy (Grüne Ökonomie) für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion.

Jörg Ullmann folgte einer Einladung des Thünen-Instituts, einem Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume, Wald und Fischerei, sowie der ISOFAR, der internationalen Gesellschaft der Forschung im ökologischen Landbau. Zudem greift inzwischen auch die Europäische Union auf das Wissen der Klötzer Algenbauer zurück. So ist der Geschäftsführer befristeter Projektberater für die Algen.

Denn in den zurückliegenden Jahren hat das Unternehmen auf dem Gebiet einen ausgezeichneten Ruf. Mittlerweile findet sich die Algenbiomasse in über 100 Produkten – von Kosmetikartikeln, Futtermitteln bis zu Nahrungsergänzungsmitteln wieder.

Mittlerweile zwölf Algensorten im Anbau

Neben der Stammalge Chlorella bauen die Klötzer in ihrem Produktionsgewächshaus in den etwa 500 Kilometer Glasröhren auch weitere elf Sorten für den Markt in ganz Europa für die unterschiedlichsten Kunden an. „Wir stellen die Algenzellen bis zur Biomasse an unserem Standort selbst her. Das ist ein Vorteil“, betont Jörg Ullmann. Das sei wichtig und gut, weil die grüne Wasserpflanze immer mehr an Bedeutung gewinnen würde. Damit will die Klötzer Firma auch über die aktuelle Coronakrise steuern. „Die Produktion läuft auch ohne Kurzarbeit der Mitarbeiter weiter“, merkt der Diplom-Biologe an.

Ein wichtiger strategischer Beitrag zum Ausbau des Algenanbaus vor den Toren der Purnitzstadt ist seit diesem Jahr die Kooperation mit dem neuen Werk in Neustadt/Glewe. Das ist auch ein wichtiges Standbein bei der Zukunftssicherung der Klötzer Firma. Denn damit bauen die Westaltmärker ihre Kapazitäten für die Zukunft aus.

Dass die Alge auch in der Bevölkerung immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeigen die Besucherzahlen der zurückliegenden Jahre.

„Wenn die Corona-Krise nicht gekommen wäre, dann hätten wir in diesem Jahr über 100 Besuchergruppen zu Gast gehabt“, sagt Chefsekretärin Martina Müller. Damit die Resonanz aus der Bevölkerung auch in Zukunft erhalten bleibt, soll eine Algenerlebniswelt eingeweiht werden. Wann, das weiß der Geschäftsführer noch nicht. Momentan sei durch die Pandemie alles offen und ungewiss. Das frühere Bürogebäude am Firmeneingang ist schon dafür ausgestattet. Eine Metallweltkugel wurde bereits aufgestellt. Durch die Schläuche soll später grünes Algenwasser laufen. Passend zur Firma, die weltweit aktiv ist.