Klötze l Reger Betrieb herrschte am Montagvormittag in den Räumen der Hauptstelle der Klötzer Stadt- und Kreisbi­bliothek an der Breiten Straße. Nach der coronabedingten Pause, die Mitte März begann, standen dort gestern erstmals wieder die Türen für die Nutzer offen. Und die kamen gerne: In den ersten 45 Minuten nach der Öffnung zählte Leiterin Anja Dietrich bereits zehn Besucher, wie sie sagte. Zum Schutz vor dem Coronavirus mussten sich die Nutzer an einige neue Hygiene- und Abstandsregeln halten.

Vor dem Betreten ist ein Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen. Das gilt auch für Kinder ab einem Alter von sechs Jahren. „Beim Eintreten sind die Hände zu desinfizieren“, nannte Anja Dietrich eine weitere Regel. Gestattet ist der Zutritt nur mit einem der abgezählten Körbe in der Hand. „Wenn keine mehr da sind, muss an der Markierung gewartet werden“, so Dietrich weiter. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass sich nicht zu viele Nutzer gleichzeitig in der Einrichtung aufhalten. Denn dafür gibt es klare Vorgaben. Im Erdgeschoss, in der Erwachsenen-Abteilung, dürfen es sieben Besucher sein. Im Stockwerk darüber, in der Kinder- und Non-Print-Abteilung mit DVDs und CDs, können sich zehn Nutzer aufhalten. Auch oben stehen Körbe bereit.

Toilette gesperrt und Stühle weggestellt

Geändert haben sich die Laufwege im Haus. Wer etwa in die Kinder-Bibliothek möchte, muss über den Hof gehen und die Treppe des Notausgangs benutzen. Die Haupt-Treppe im Gebäude darf man nicht mehr hinauf-, sondern nur noch hinablaufen. Sie führt die Nutzer aus dem Obergeschoss zum Ausgang im Erdgeschoss. Verlassen wird die Bücherei wieder über den Hof. Das gilt auch für die Erwachsenen-Bibliothek, die ganz normal über den Haupteingang betreten werden kann. Man habe versucht, die Gruppen der jüngeren und der älteren Nutzer voneinander zu trennen, hieß es zum Hintergrund des neuen Wege-Konzeptes. Damit sich niemand verläuft, zeigen große Pfeile auf dem Boden, wo es langgeht. Quer gezogene Klebebandstreifen erinnern daran, den Mindestabstand zu anderen einzuhalten.

Bilder

Medien, die in die Einrichtung zurückgebracht werden, landen erst einmal in der Quarantäne-Box. Große Pappkisten stehen dafür auf beiden Stockwerken bereit. Bei der Suche nach neuem Lesestoff sollten Nutzer nicht jedes Buch in die Hand nehmen, um etwa darin ein bisschen zu lesen. „Man sollte nur anfassen, was man auch mitnehmen möchte“, erklärte Anja Dietrich. Das Prinzip ist ja mittlerweile aus dem Supermarkt bekannt. Bei Bedarf gibt das Team der Bibliothek den Nutzern Empfehlungen – natürlich mit Abstand.

Zum Verweilen in der Einrichtung soll der Besuch in Zeiten von Corona nicht einladen. Alle Sitzgelegenheiten, mit Ausnahme eines Stuhls, wurden entfernt. „Die Computer stehen nicht zur Verfügung“, sagte die Leiterin. Die Gesellschaftsspiele bleiben im Schrank, die Toilette ist gesperrt. Schutzwände aus Plexiglas – Marke Eigenbau des Hausmeisters – trennen Mitarbeiter und Nutzer am Ausleih-Tresen voneinander. Verbucht werden die Medien jetzt – anders als zuvor – sowohl im Erd- wie auch im Obergeschoss. „Wir sind heilfroh, dass wieder Nutzer kommen können“, sagte Kinder-Bibliothekarin Ilka Prager. Die Bildung, zu der auch die Bibliothek beitrage, dürfe nicht gänzlich ausfallen, sagte sie mit Blick auf die jüngeren Nutzer.

Obergeschoss umgeräumt, um Platz zu schaffen

Für die musste im Obergeschoss umgeräumt werden, um Platz zu schaffen, damit die Mindestabstände eingehalten werden können. Die Regale mit den Büchern für die Erstleser wurden in den großen Veranstaltungsraum gestellt, der aktuell nicht anders genutzt werden kann. Tausende DVDs und CDs aus den Regalen im Obergeschoss hatten die Bi­bliothekarinnen im Vorfeld in die Originalhüllen gesteckt. Die Datenträger lagerten sonst in einem Schrank im Erdgeschoss. Der Weg dorthin wird jetzt gespart. „Der Arbeitsaufwand war sehr hoch“, blickte Ilka Prager zurück. Wie das neue Konzept funktioniert, werde sich in der Praxis zeigen, so Anja Dietrich. Geöffnet haben die Hauptstelle der Bibliothek in Klötze und die Zweigstelle in Kunrau nun wieder zu den gewohnten Zeiten.