Klötze l Sie sind die Hüter der Klötzer Stadtgeschichte und beschäftigen sich als Ehrenamtliche mit der Vergangenheit. Doch die Entwicklungen in der Gegenwart machen auch vor den Klötzer Ortschronisten nicht halt. Und so hatte die Corona-Pandemie im gerade erst zu Ende gegangenen Krisen-Jahr 2020 auch Auswirkungen auf die Arbeit der vier berufenen Mitglieder der Gruppe, zu der Bernd Granzow, Reinhard Wegner, Ulrich Kipp und Dirk Spaehn gehören. Sie waren in ihrer Tätigkeit eingeschränkt, sagte Bernd Granzow im Gespräch mit der Volksstimme.

Als die Stadt- und Kreisbi­bliothek im Frühjahr und jetzt erneut im Winter coronabedingt schließen musste, konnten die Chronisten nicht in ihrem Stübchen, wie sie es selbst nennen, arbeiten. Gemeint ist damit ein Raum im Obergeschoss des Bücherei-Gebäudes an der Breiten Straße. Dort stehen unter anderem einige mit alten Dokumenten, Fotos und anderen Schätzen gut gefüllte Regale. Der Inhalt der dort verstauten Ordner und Kisten bildet eine der Arbeitsgrundlagen für die Gruppe. Das war eine Hürde im vergangenen Jahr, blickte Bernd Granzow stellvertretend für das Quartett zurück.

Dank an die zahlreichen Spender

Zum Stillstand kam die Arbeit der Gruppe trotz der Einschränkungen jedoch nicht. „Wir Chronisten halten untereinander weiter Kontakt und telefonieren“, sagte Bernd Granzow. Manchmal treffen sie sich einzeln und mit Abstand. Er selbst führe die Chronik in Form eines Albums weiter und halte dabei für künftige Generationen fest, was in der Gegenwart, die mal Geschichte sein wird, in Klötze passiert ist.

Auf der Kippe stehe die Zukunft der Chronisten-Gruppe ebenfalls nicht, versicherte Granzow. „Wir wollen weitermachen“, betonte er und rechnete vor, dass es die vier Mitglieder zusammen auf ein Alter von mehr als 200 Jahren brächten.

Das Erfreuliche während der Corona-Krise: Die Unterstützung der Klötzer Bevölkerung brach nicht ab. Für die vielen Fotos, Dokumente und andere Spenden, die die Ortschronisten im Laufe des vergangenen Jahres erhalten haben, bedankte sich Bernd Granzow im Namen der Gruppe. Darunter waren ganze Bildersammlungen, große Alben voll mit historischen Postkarten und Fahnen vom Gesangverein sowie drei Bananenkisten, gefüllt mit dem Nachlass des Vereins, nannte Granzow einige Beispiele. Gefreut hätten sie sich zudem über kleinere Spenden wie einzelne Post- oder Ansichtskarten. „Erst vor kurzem haben wir einen Brief aus Kriegszeiten erhalten“, sagte er.

Der Inhalt des Schreibens ist leider nicht erfreulich. Darin werde nämlich mitgeteilt, dass der Sohn einer Familie gefallen sei. Ebenso wertvoll sei die Hilfe von Bürgern, die anrufen und ihre persönlichen Erinnerungen mit den Chronisten teilen und so die Arbeit der Gruppe voranbringen. All das sei wichtig. Gelobt hatte Bernd Granzow darüber hinaus die Vereine für die gute Zusammenarbeit.

Pläne lassen sich nicht schmieden

Die Ortschronisten dienen auch als Ansprechpartner, wenn es darum geht, Fragen zur Stadtgeschichte zu klären. Regelmäßig erhielten sie Anfragen, so von Einwohnern, die um Auskünfte bitten. Es kommt auch vor, dass Interessenten Kontakt aufnehmen, die nicht in Klötze leben. So hätten unter anderem Anfragen aus Berlin und Bremen die Gruppe erreicht.

Auch 2021 könnten sich Einwohner an die Chronisten wenden, wenn sie zum Beispiel Material zur Verfügung stellen wollen, blickte Bernd Granzow auf das begonnene Jahr voraus. Und was haben die Ortschronisten in den kommenden zwölf Monaten vor? „Genaue Pläne können wir keine machen“, sagte Granzow mit Blick auf die anhaltende Corona-Pandemie. Er persönlich wünsche sich, dass der Corona-Schrecken aufhört, „dass die Leute wieder rauskommen“ und das Gaststätten und Geschäfte die Krise überstehen. Durch seine ehrenamtliche Arbeit verfolge er selbst, wie sich alles entwickelt, sagte Granzow.