Neuferchau l In wie viele unterschiedliche Kostüme Elisabeth Herrmann in den vergangenen drei Jahrzehnten bei den monatlichen Treffen des Seniorenclubs Sonnenschein schon geschlüpft ist, kann sie heute nicht mehr sagen. Einen Pastor bei einer Hochzeit spielte sie, war zu Ostern mal als Küken, mal als Hase zu sehen, erinnerte sie sich. „Und ich war schon viele Male der Weihnachtsmann“, sagte die 78-Jährige. So auch am Dienstagnachmittag.

Bei der traditionellen Weihnachtsfeier des Seniorenclubs Sonnenschein, den die Mitglieder im örtlichen Saal gefeiert haben, zog sich Elisabeth Herrmann wieder eine rote Jacke, Hose und Zipfelmütze an. Zum letzten Mal in ihrer Funktion als Club-Chefin erfreute sie gemeinsam mit ihrer Assistentin Erika Gebühr ihre „Sonnenscheine“ mit einem kleinen Geschenk und einer lustigen Geschichte. „Ich bin Frieda und das ist mein Mann Wilhelm“, stellte sie sich vor. Da ihr Gatte nicht so gut zu Fuß sei, müsse er sich die ganze Zeit an dem Wagen mit den Präsenten festhalten, teilte Frieda mit, bevor die Kerzenhalter an die Runde verteilt wurden. „Ach Mensch, Wilhelm, da sitzen ja auch noch Männer“, stellte die Weihnachtsfrau dann noch fest. Die Herren, die normalerweise nicht an den Treffen teilnehmen, gingen ebenfalls nicht leer aus.

Gerne verreist

Mit solchen kleinen schauspielerischen Einlagen erfreute Elisabeth Herrmann die Gruppe in den vergangenen Jahren immer wieder. „Die Ideen dafür fallen mir einfach so zu“, sagte sie beim anschließenden Kaffeetrinken im Gespräch mit der Volksstimme, als sie auf die langen Jahre als Clubchefin zurückblickte. Aufschreiben würde sie sich ihre Texte dabei nie. Vielmehr improvisiere sie bei ihren Auftritten.

Nach den Höhepunkten der letzten Jahrzehnte befragt, sagte die Neuferchauerin: „Es waren ganz schön viele schöne Sachen, die wir gemacht haben. Toll waren immer die Reisen.“ Vor drei Jahren stand der letzte große Ausflug für die Senioren auf dem Programm. Tangermünde war damals das Ziel. „Da waren alle noch mal mit“, erinnerte sich Elisabeth Herrmann. Mit dem steigenden Alter der Club-Mitglieder, auf das Rücksicht genommen werden muss, sei das Reisen aber immer schwieriger geworden. Schöne Erinnerungen hat Elisabeth Herrmann aber nicht nur an Ausflüge zu weiter entfernten Zielen. „Toll war es, wenn wir im Wald unterwegs waren. Dann wurden Tische und Bänke hingefahren. Rotkäppchen und der Wolf kamen ebenfalls vorbei“, blickte sie zurück.

Wichtig sei es ihr als Club-Chefin gewesen, dass immer etwas passiert und ihre „Leutchen“ nicht nur am Tisch sitzen. Und die Gruppe machte gerne mit. Wenn sie ihren Damen etwa gesagt habe, sie sollen sich beim nächsten Treffen für eine Modenschau etwas Schickes anziehen, dann habe das geklappt. Auf die Meinungen aus der Gruppe habe sie als Chefin aber ebenfalls Wert gelegt. „Es hat mir riesigen Spaß gemacht“, sagte Elisabeth Herrmann über ihre Aufgabe.

Jüngere ansprechen

Angefangen hatte sie, als sie selbst noch nicht einmal 50 war. „Da hatte ich die Omis schon.“ Geknüpft wurden erste Kontakte zu den Senioren schon zu DDR-Zeiten, als Elisabeth Herrmann an Fahrten von der Volkssolidarität teilnahm. Nach der Wende dann hätten sie die Rentner bei der Arbeit im Konsum darauf angesprochen, ob sie nicht eine Seniorengruppe leiten möchte. So hat sich alles entwickelt.

Nach so langer Zeit fällt das Loslassen, für das sie sich entschieden hatte, nicht leicht. „Ich bin ganz schön traurig. Ein paar Tränen sind schon geflossen“, gab Elisabeth Herrmann zu. Doch sie wollte, dass das Amt ordentlich übergeben wird, wie sie sagte. Als Nachfolgerin konnte sie Heidelore Hanner gewinnen. Die 62-Jährige kennen viele Neuferchauer schon vom Karnevalverein. Um sich den Sonnenscheinen offiziell vorzustellen, nahm Heidelore Hanner an der Weihnachtsfeier teil. Und packte kräftig mit an, etwa, als es darum ging, Kaffee auszuschenken. „Meine Mutter war jahrelang in der Gruppe. Ich kenne eigentlich alle hier“, sagte die neue Club-Chefin.

Bei ihrem ersten Treffen im Januar will sie mit der Gruppe gemeinsam über die Aktivitäten im neuen Jahr sprechen. Schön würde sie es finden, wenn sich auch wieder jüngere Rentner, etwa ab 60 Jahren, der Gruppe anschließen würden, nannte Hanner eines der Ziele, das sie erreichen möchte. Einige habe sie schon angesprochen. „Die Gemeinschaft soll erhalten bleiben“, machte sie deutlich. Bauen könne sie in Zukunft auf die Hilfe von Elisabeth Herrmann, die ab Januar an einem der Tische sitzen will.