Corona behindert Ausbildung

Feuerwehr Klötze verzichtet auf Dienste

Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Arbeit der freiwilligen Feuerwehrleute in der Stadt Klötze aus. Nach einer Pause wären Ausbildungen jetzt wieder möglich. Doch die Kameraden der Klötzer Ortswehr verzichten darauf.

Von Tobias Roitsch
Im Sommer 2020 waren Ausbildungen bei der Klötzer Feuerwehr nach der ersten Corona-Pause wieder möglich.
Im Sommer 2020 waren Ausbildungen bei der Klötzer Feuerwehr nach der ersten Corona-Pause wieder möglich. Archivfoto: Tobias Roitsch

Klötze

Zu insgesamt 19 Einsätzen wurden die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Klötze bis Anfang Mai gerufen. Die anhaltende Corona-Pandemie beschert den Brandbekämpfern also keine Pause. Sie sind weiter zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Doch um für den Ernstfall gerüstet zu sein, müssen die Aktiven auch üben und ihr theoretisches Fachwissen auffrischen. Das ist in Zeiten von Kontaktbeschränkungen aber gar nicht so einfach.

Fünf Monate lang waren keine Ausbildungsdienste möglich, blickte Klötzes Ortswehrleiter Matthias Veit im Gespräch mit der Volksstimme zurück. Seit einigen Wochen dürften die Kameraden nun wieder gemeinsam lernen. Die Klötzer verzichten darauf. „Wir waren in der Wehrleitung einstimmig dafür, dass wir keine Dienste machen“, sagte Veit. „Wir verschließen uns nicht dagegen, dass wir wieder ausbilden können. Jetzt gibt es aber zu viele Haken“, ergänzte Zugführer Stefan Lange, der in der Ortswehr für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Beachten müssten die Brandbekämpfer bei den Diensten einige Vorgaben. Gemacht wurden diese nicht von der Stadt Klötze, wie Veit und Lange betonten, sondern von der Feuerwehrunfallkasse. Die Stadt habe die Vorgaben als Dienstanweisung an die Ortswehren herausgegeben.Konkret bedeutet das, dass an einem Dienst eine Gruppe mit neun Leuten teilnehmen könnte. Die Mitglieder dürfen nicht wechseln. Bei mehr als 30 Aktiven wären in Klötze vier Gruppen zu bilden. Also bräuchte man vier Wochen, bis alle Gruppen ein Thema behandelt hätten.

Nur wie klappt das praktisch? Und lohnt der Aufwand? „Ich bereite den Dienst als Verantwortlicher vor und muss dann neun Leute beschäftigen. Aber was ist, wenn nur drei kommen?“, sagte Stefan Lange. Viele Kameraden sind berufstätig und haben Familien, durch Änderungen in Schichtplänen oder durch die kurzfristige Betreuung der Kinder könnte es passieren, dass nicht jeder wie geplant zum Dienst vor Ort sein kann.

Kameradschaft bleibt auf der Strecke

„Und machen wir uns nichts vor. Es geht doch auch darum, die Kameradschaft zu pflegen und mal gemeinsam zusammenzusitzen“, fügte Matthias Veit hinzu. Das ist nicht gestattet.

Außerdem würden sich die Verantwortlichen in der Wehr entscheiden müssen, wer zum Dienst kommen solle. Wie soll man die neun Kameraden auswählen? Komme da nicht zwangsläufig die Frage auf, ob bestimmte Leute bevorzugt werden, so Veit.

Geübt würde in einer festen Runde. Bei einer Alarmierung wären aber auch Kameraden im Einsatz, die nicht zur Gruppe gehören. Denken sollte man auch an die Brandbekämpfer, die zwar in anderen Orten der Einheitsgemeinde wohnen, aber in Klötze arbeiten und die Feuerwehr der Purnitzstadt während der Tagesbereitschaft bei Einsätzen verstärken. Sie dürften nicht zur Ausbildung nach Klötze kommen, wie es hieß.

Übungen in der Praxis fehlen

Dass sie Ausbildungsdienste brauchen, um Handgriffe in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, bestreiten Stefan Lange und Matthias Veit nicht. Es sei ein Unterschied, ob man jeden Freitag an den Feuerwehrautos stehe und übe oder nach neun Monaten Pause zum ersten Mal etwas aus den Fahrzeugen holen müsse, erklärte Veit. „Das Wissen ist da, es dauert aber länger, die Routinen abzurufen“, machte Stefan Lange deutlich. Für die Sicherheit der Bürger habe das aber keine Nachteile, versicherte er.

Digitaler Distanz-Unterricht am Rechner ist für die Brandbekämpfer übrigens keine Option. „Wir fangen keine Online-Lehrgänge an“, stellte Wehrleiter Matthias Veit klar. Für einen Grundlehrgang mit fünf Leuten habe man das zwar schon mal gemacht, so Stefan Lange. Doch das höchste Ziel bei den Ausbildungen sollte das Anfassen und Selbermachen sein. „Das geht online schwer“, wusste Lange.

Klar könnte es Theoriestunden am PC geben, doch was bleibt davon bei den Teilnehmern hängen? Es sei wichtig, auch mal selbst Schläuche zusammenzukuppeln und das Schritt für Schritt gezeigt zu bekommen, wurde als Beispiel genannt. „Wir sind vom trockenen Theorie-Unterricht bis auf wenige Ausnahmen weg“, sagte Lange. Die Erfahrung zeige, dass praktisches Vorführen besser sei. Mit nur einer Gruppe funktioniere das nur eingeschränkt. Regelmäßig unterhalte man sich in der Wehrleitung darüber, wie sich die Corona-Lage entwickele. Man wolle sehen, wann wieder zu Diensten eingeladen werde.