Klötze l Bis zuletzt hatten Vorsitzende Carmen Franke und Chorleiter Manfred Lenz auf ein Weiterbestehen des Klötzer Frauenchores gehofft. Doch nun hat das Ensemble den endgültigen Entschluss gefasst, sich aufzulösen. „Die Phase der Auflösung hat begonnen“, sagte Vorsitzende Carmen Franke auf Nachfrage der Volksstimme.

Die Entscheidung fiel den 18 aktiven Frauen und acht passiven Mitgliedern äußerst schwer. Doch der hohe Altersdurchschnitt der Damen zwingt den Chor zur endgültigen Aufgabe nach 38 Jahren. Etliche Frauen sind älter als 80 Jahre. Sie sind seit der Gründung 1982 mit dabei. Zu ihnen gehören unter anderem Ilse Keck, Gerda Theuerkauf und Ida Hübler.

„Wir hatten seit einem Jahr keinen Auftritt mehr. Hinzu kam die lange Chorpause seit März durch die Corona-Pandemie“, listet Carmen Franke weitere Beweggründe für die Chorauflösung auf.

Kein Frühlingssingen mehr unter Regie des Ens

Unter den verschärften Hygienevorschriften mit den Abstandsregelungen im Zuge der Corona-Pandemie kam das Chorleben seit März vollständig zum Erliegen, weil es keine wöchentlichen Treffs mehr gab. Erschwerend kam hinzu, dass die Seniorinnen im Ensemble gesundheitliche Sorgen hatten und dadurch auch die Resonanz an den Probenabende schon im Vorjahr oft sehr gering gewesen war.

Versuche, junge Frauen in der Stadt und den umliegenden Orten für die Sangesgemeinschaft zu gewinnen, seien erfolglos geblieben, ergänzte die Vorsitzende. Aktionen habe es diesbezüglich doch einige gegeben. .

Auch wenn der bürokratische Akt sich noch etwa ein Jahr lang hinziehen wird, wollen sich die Frauen der dann ehemaligen Chorgemeinschaft dennoch alle zwei Monate in geselliger Runde treffen und Neuigkeiten bei Kaffee und Kuchen austauschen. Vorausgesetzt, dass ist im Zuge der aktuellen Corona-Pandemie dann wieder möglich. Vielleicht wird dann auch noch einmal ein Lied angestimmt. Aber eben nicht mehr öffentlich.

Mit der Auflösung des Frauenchores wird es auch das traditionelle Frühlingssingen im Klötzer Altmarksaal in Zukunft nicht mehr geben. Es ist in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen. „Zumindestens werden wir die Veranstaltung nicht mehr organisieren und aktiv dabei sein“, stellte die Vorsitzende klar.

Der Klötzer Frauenchor war im Spätsommer 1982 aus der Taufe gehoben worden. Die Anregung zur Gründung hatte der damalige Bürgermeister Ulrich Koppe gegeben. Er hatte sich als Stadtoberhaupt zum Männerchor, der vor Jahren bereits aufgelöst worden ist, auch ein weibliches singendes Ensemble gewünscht, um das Kulturleben in der Purnitzstadt weiter zu beleben. Daran erinnerte sich an ihrem gestrigen 83. Geburtstag Ida Hübler. Dir frühere Lehrerin hatte damals zu den Gründungsmitgliedern gehört und war bis zuletzt auch äußerst aktiv gewesen.

„Ich bedauere die Auflösung des Chores, wie auch die anderen Frauen der ersten Stunde, sehr. Doch ohne Nachwuchs kann die Sangesgemeinschaft nicht bestehen und uns älteren Frauen fehlt im Alter einfach die Spannkraft beim Gesang“, bedauerte das Gründungsmitglied die Auflösung.

Ob die jüngeren Chormitglieder sich anderen Sangesgemeinschaften außerhalb von Klötze in Zukunft anschließen werden, ließ Carmen Franke offen. Wie sie informierte, wurden einige Frauen schon von anderen Chören angesprochen. „Doch keiner fühlte sich verpflichtet“, meinte sie und gab zu bedenken, dass die aktive Mitgliedschaft in einem Chor auch mit einem logistischen Aufwand verbunden ist.

Stück Klötzer Kultur geht verloren

Die Klötzer werden ihren Frauenchor in Zukunft vermissen. Denn er erfreute die Einheimischen und Besucher jährlich mit zehn bis zwölf Konzerten. Damit sterbe auch ein Stück Klötzer Kultur, bedauern zahlreiche Einwohner. Aber auch den Bewohner der Pflegeheime, wo der Chor zur Weihnachtszeit auftrat, wird er fehlen.