Klötze l „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ lautete das provozierende Motto des inzwischen 19. Frühstückstreffens. Zur Einstimmung auf das Thema ließ Moderatorin Anette Rose ein kurzes Video für die 230 Frauen inklusive der wenigen Männer im Saal einspielen. Zu sehen waren alte Menschen, schöne alte Menschen: Großeltern, die mit ihren Enkeln spielen; Hände, denen ein arbeitsreiches Leben anzusehen war; Gesichter, die wirkten, als hätte jede Erfahrung eine Falte in sie gegraben. Passend dazu der Puhdys-Song „Alt wie ein Baum“.

Referentin Carmen Seehafer stellte ebenfalls Fragen: „Wann ist man ein alter Mensch? Woran merkt man das?“, fragte sie und antwortete selbst: „Das ist alles relativ.“ Das Ziel ihres Vortrages umriss die gebürtige Potsdamerin, die heute in Siegen als Pastorin arbeitet, so: „Wir wollen Spaß kriegen daran, wie wir sind. Wir sollen die Chance haben, uns daran zu freuen.“ Zwar möchte jeder Mensch alt werden, aber keiner würde gerne alt sein wollen.

Werbung vermittelt Kampfansage

Bei dem Lied der Puhdys habe sie sich vorhin gefragt, ob jeder Mensch Falten haben möchte wie ein alter Baum. Wohl nicht. In Werbung für Kosmetik-Produkte werde deshalb suggeriert, eine Frau ab 40 „sollte etwas tun“. „Das impliziert eine innere Kampfansage“, erläuterte Carmen Seehafer, was sie aber ablehne.

Überhaupt würde es das Alter im allgemeinen Kontext so nicht geben. Das Alter umfasse eine riesige Spanne über mehrere Generationen. „Das hat auch was damit zu tun, wie ein Mensch geprägt ist“, betonte sie. „Manch einer fühlt sich schon mit 50 alt, andere verlieben sich noch mal mit Mitte 80.“

Auch wenn das Thema eigentlich ständig präsent ist, wie die Referentin meint, sei es aber mehr in Richtung Vermeiden begriffen. Mit lustigen Sprüchen lockerte Carmen Seehafer das Thema auf: „Es ist klug, einen Archäologen zu heiraten, denn je älter eine Frau wird, desto interessanter wird sie für ihn.“ Und: „Der Hund ist tot, die Kinder sind aus dem Haus, jetzt wird das Leben richtig gut.“

Prägung des Menschen entscheidet mit

Die Pastorin ging auch auf wissenschaftliche Begriffe zum Thema ein. Sie erläuterte mit dem biologischen, dem biografischen und dem sozialen drei verschiedene Altersbegriffe. Das biologische Alter allein würde nicht so viel aussagen. Die biografische Form beinhalte, wie der Mensch alt wird, wie er sich gibt, wie er es angeht, wie er geprägt wurde. Die soziale Komponente zeige, wie ein Mensch das eigene Alter erlebt und lebt. „Dabei haben wir die meisten Gestaltungsmöglichkeiten“, verdeutlichte sie. „Das ist die Lebensphase, in der man das meiste ändern kann.“

Wenn übrigens jemand unter den Zuschauern meinte, Carmen Seehafer komme ihm irgendwie bekannt vor, kann das gut sein. Die 48-Jährige spielte nämlich 1982 die Hauptrolle in dem DDR-Film „Die dicke Tilla“.

Das 20. Frühstückstreffen wird für den 9. November vorbereitet.