Beetzendorf l Das Ringen um die Zukunft des leer stehenden Gutshauskomplexes im Beetzendorfer Park ist entschieden. Wie die Volksstimme erfuhr, hat das Land als Eigentümer der Immobilie diese inzwischen verkauft. Allerdings nicht an die Familie von der Schulenburg, die in ihrem Beetzendorfer Stammsitz bis zur Vertreibung 1945 wohnte und das Gutshaus in seinem ursprünglichen Zustand wiederherstellen und öffentlich nutzen wollte. Statt dessen erhielt der zweite Kaufinteressent, ein Celler Versicherungs- und Finanzmakler, den Zuschlag.

Klubpläne in Niedersachsen abgelehnt

Ausschlaggebend für die Entscheidung war nach Volksstimme-Informationen die Intervention der Sparkasse als Gläubiger der Verbindlichkeiten des 2017 verstorbenen Eigentümers. Diese sollen sich auf mehr als 200.000 Euro belaufen. Der avisierte Kaufpreis des Ensembles, in dem zuletzt unter anderem das Beverhotel samt Gaststätte und Saal untergebracht waren, betrug 289.000 Euro. Das Angebot ist inzwischen von den Immobilienportalen im Internet gestrichen.

Der neue Eigentümer will in dem Gebäude nach Recherchen der Volksstimme wieder einen Hotel- und Gaststättenbetrieb etablieren, den seine Lebensgefährtin als ausgebildete Hotelfachfrau betreiben soll. Allerdings steht auch eine Teilnutzung für einen Swinger- beziehungsweise Pärchentreff im Raum. Eine Aussicht, die vor allem bei einigen Beetzendorfer Gemeinderäten die Alarmglocken schrillen lässt. Sie kritisieren, dass damit dem Ansehen Beetzendorfs und der Entwicklung des Ortes massiv geschadet werde.

Schulenburg´sches Anwesen verfällt

Beetzendorf. Im 17. Jahrhundert entstanden die ersten Teile des Herrenhauses auf dem Gelände des Apenburger Hofes in Beetzendorf. Bis 1993 diente der Komplex als Internat. Seit dem hat der Verfall eingesetzt.

Die Volksstimme hat den neuen Eigentümer mit einem Fragenkatalog zur Nutzung des Ensembles konfrontiert. Dieser wollte allerdings darauf zunächst nicht antworten und bestand auf einem persönlichen Gespräch, das demnächst stattfinden soll. „Da wir uns gerade in einer Pandemie befinden, ist es schwieriger, Sie vollumfänglich über den Sachverhalt zu informieren“, lautete die kurze Auskunft.

Zu möglichen Swingertreff-Plänen im ehemaligen Beverhotel äußerte sich der Celler bisher nicht, dementierte sie aber gegenüber der Volksstimme auch nicht. Fest steht jedoch, dass die Lebensgefährtin des Käufers die Hotel und Gaststätte übernehmen soll, nach eigenen Aussagen seit über 20 Jahren der Swinger-Szene angehört. Im niedersächsischen Lichtenhorst bei Steimbke (Landkreis Nienburg/Weser) wollte das Celler Paar Anfang des Jahres ebenfalls eine leer stehende Gaststätte mit Hotel erwerben und im Juni als Pärchen-Treff eröffnen. In dem „House of Wishes“ (Haus der Wünsche) genannten Klub sollten sich interessierte Paare „mit einer Mischung aus Gastronomie, Wellness und dem Angebot, Sex mit dem eigenen oder anderen Partnern in einem der 14 bis 15 Zimmer oder auf einer Spielwiese zu haben“, ausleben können, hieß es bei der Vorstellung der dortigen Pläne im Rahmen einer Bürgerversammlung, über die die Lokalpresse berichtete.

Schulenburg kann Konzept ad acta legen

Nach Informationen der Volksstimme hat der Steimbker Gemeinderat die Pläne inzwischen abgelehnt. Zudem gibt es dort Widerstand aus der Bevölkerung, und auch eine Genehmigung der Nutzung des Gebäudes als Swingerklub steht in den Sternen. Dagegen sei die Bauvoranfrage eines zweiten Interessenten für die Gaststätte, der diese in ein Einfamilienhaus umwandeln möchte, positiv beschieden worden.

Ob der Immobilienkauf in Beetzendorf mit diesen Schwierigkeiten in Zusammenhang steht und die Lichtenhorster Pläne jetzt in der Burggemeinde verwirklicht werden sollen, wollte die Volksstimme von dem Celler wissen. Allerdings blieb er auch hier die Antwort schuldig und verwies auf das angekündigte persönliche Gespräch.

Johann-Matthias von der Schulenburg, der in seinem im historischen Originalzustand wiederhergestellten Elternhaus ein Zentrum für Lokalhistorie, die Natur und Umwelt der Altmark und zeitgenössische Kunst einrichten wollte (Volksstimme berichtete), nahm die Niederlage im Bieterwettstreit um das Gutshaus gefasst zur Kenntnis. Da viele Bürger den Bedarf eines Hotels und Restaurants im Ort sehen, könne er für Beetzendorf nur wünschen, dass der neue Eigentümer in der Lage ist, sein Konzept zum Erfolg zu bringen. „Das würde auch dem Erhalt der Gebäude zugute kommen“, erklärte er.

Die Gutshausanlage wurde um 1580 von Wedigo Wigand von der Schulenburg erbaut, später dann vergrößert und 1686 vollendet. Neben dem Wohn haus entstand 1861 das Hauptschloss, das 1873 nochmals erweitert wurde, und später noch der Renaissance-Neubau des Archivs. Zu DDR-Zeiten war in dem Komplex das Lehrlingswohnheim des Volksgutes untergebracht.