Neuferchau l „Ich gebʼ Gas, ich will Spaß“ sang der „Neue Deutsche Welle“-Star Markus am Sonnabendmittag auf der Showbühne im Festzelt, das auf dem Gelände der Produktivgenossenschaft „Altmark“ in Neuferchau aufgebaut war. Passend zum Motto, das in dem Song besungen wird, wurde nur einen Steinwurf vom Zelt entfernt tatsächlich Gas gegeben. Auf einem Acker konnten Besucher in die Kabinen riesiger moderner Traktoren steigen und sich eine Runde chauffieren lassen. Doch bei der landesweiten Eröffnung zum Tag es offenen Hofes, die am Sonnabend auf dem Gelände des Neuferchauer Betriebes gefeiert wurde, gab es für die zahlreichen kleinen und großen Besucher noch viel mehr zu erleben.

Eingeläutet wurde das Spektakel am Vormittag im Festzelt. Moderator Lutz Mücke vom MDR Sachsen-Anhalt bat den Vorstandsvorsitzenden der Produktivgenossenschaft „Altmark“, Henry Hartmann, auf die Bühne. Er habe ein gutes Team, auf das er sich verlassen könne, sagte Hartmann, der zuvor mit dem Männergesangverein Neuferchau auf der Bühne das Drömlingslied angestimmt hatte. Ob er denn keine anderen Sorgen habe, wollte der Moderator von Hartmann hinterher mit einem Augenzwinkern wissen. Hartmann berichtete, dass Färsen im Betrieb aufgezogen werden, im Nachbarort Kunrau würde dann die Milch produziert. Neun Mitarbeiter und einen Lehrling, der kurz vor dem Abschluss stehe, gebe es auf dem Gelände. In einem zweiten Betrieb gebe es zwei Mitarbeiter. Rund 7000 Mastschweine würden pro Jahr produziert. Außerdem gebe es rund 600 Rinder, vom Kalb bis zur Färse.

Milchkönigin arbeitet als Melkerin

Über die Bedeutung, die der landesweiten Eröffnungsveranstaltung zum Tag des offenen Hofes zukommt, sprach Marcus Rothbart, Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt. Im Laufe des Sommers würden viele Betriebe im Land ihre Hoftore öffnen. Einzigartig sei die Veranstaltung in Neuferchau also nicht. Sie hebe sich aber von anderen Veranstaltungen ab. Als Partner eingebunden seien der MDR sowie das Handelsunternehmen Edeka. Wie in Neuferchau könnte nicht an jedem Standort gefeiert werden, der Aufwand sei zu groß. Ziel sei es beim Tag des offenen Hofes, Menschen aus der Region in die landwirtschaftlichen Betriebe zu locken, sagte Rothbart. Die Besucher sollen sehen, wie Landwirtschaft funktioniert. Gespräche sollten geführt und eventuelle Vorurteile abgebaut werden. „Da hilft so ein Tag des offenen Hofes ungemein“, schätzte Rothbart die Bedeutung der Aktion ein. Es sei aber nur ein Baustein, um mit der Öffentlichkeit und der Politik in Kontakt zu treten.

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Mit von der Partie war zudem die Milchkönigin von Sachsen-Anhalt, Nancy I. Im Januar 2018 sei sie auf der Grünen Woche in Berlin gekrönt worden, sagte sie im Gespräch mit Lutz Mücke. Die Amtszeit betrage zwei Jahre, wie es hieß. Lutz Mücke fühlte der Königin auf den Zahn und wollte ihr Wissen über Milchkühe mit einigen Fragen testen. „Erst ist die Kuh was?“, fragte der Moderator. „Ein Kalb“, sagte die Milchkönigin ohne zu zögern. Und sie wusste natürlich auch, dass ein Rind, das noch nicht gekalbt hat, Färse genannt wird. Zur Kuh wird sie dann nach der Geburt des ersten Kalbes. Ob sie denn lernen musste, wie eine Kuh gemolken wird, hakte Mücke nach. Sie habe vorher eine Ausbildung als Tierwirtin in einer Milchvieh- anlage gemacht und arbeite immer noch in einem solchen Betrieb, berichtete Nancy I. Melken gehöre zu ihren Aufgaben. Immerhin arbeitet sie als Melkerin, wie sie sagte. Und natürlich müsse sie nicht alle ihre Getränke mit Milch mixen, entgegnete sie auf eine Frage des Moderators.

Oldtimer-Trecker und musikalische Oldies

Weitere Talk-Runden, unter anderem mit Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert, folgten später auf der Bühne im Festzelt (mehr dazu lesen Sie in einer der kommenden Ausgaben). Draußen konnten die kleinen und großen Besucher auf Entdeckungstour gehen. Ganz nahe kommen konnten sie dabei den Rindern – vom wenige Wochen alten Kälbchen bis zur großen Färse. Neugierig schauten viele Besucher auch durch die große Scheibe, die einen Einblick in den Schweinestall ermöglichte, was sonst nicht ohne Weiteres möglich ist. Entstanden sei das Fenster in Zusammenarbeit mit dem Projekt Einsichten in die Tierhaltung.

Und auch sonst wurde auf dem Gelände einiges geboten. Zahlreiche Oldtimer-Traktoren waren ausgestellt, ein paar Meter weiter konnten moderne Landmaschinen bestaunt werden. An zahlreichen Ständen gab es viele unterschiedliche Leckereien. Auf der Bühne sorgten am Nachmittag neben Markus, der die Songs der Neuen Deutschen Welle aufleben ließ, auch Achim Petry, Falco meets Axel Herrig sowie Jule Werners Oldie Express für musikalische Unterhaltung.