Schwiesau l Gemütlich eingerichtet haben die Jugendlichen aus Schwiesau ihren neuen Klubraum im Dorfgemeinschaftshaus. Dabei haben sich die jungen Leute viel Mühe gegeben, bauten sogar einige der Möbel selbst. Entstanden sind so zum Beispiel die beiden Sofas aus Euro-Paletten. Nur leider durfte in letzter Zeit niemand auf den Möbeln Marke Eigenbau sitzen, denn der Treffpunkt ist coronabedingt geschlossen.

„In Zeiten von Corona war niemand hier“, erzählte Alessa Duhm im Gespräch mit der Volksstimme. Sie ist Vorsitzende des Klubrates, der dem Ortschaftsrat sowie den jungen Besuchern als Ansprechpartner dient. Gemeinsam mit Jette und Jule Voigt sowie Julia Baucke stellte sie vor Ort den Raum vor, den die Schwiesauer Anfang des Jahres, kurz vor dem Lockdown, bezogen hatten und den sie dann in den vergangenen Monaten nicht nutzen konnten.

Ortschaftsrat steht hinter dem Projekt

Rückblick: Vor gut einem Jahr kam die Idee auf, in Schwiesau wieder einen Treffpunkt für die Jugend aus dem Dorf zu schaffen. Viele Jahre lang hatte es einen solchen nicht gegeben. Dafür sollte eigentlich das ehemalige Jugendklub-Gebäude an der örtlichen Kita saniert und hergerichtet werden, der Ortschaftsrat stellte sich hinter das Projekt (Volksstimme berichtete).

In die Tat umgesetzt wurde es jedoch nicht, da es mit zu hohen Kosten verbunden gewesen wäre, wie Ortsbürgermeister Manfred Hille Anfang Februar im Ortschaftsrat berichten musste. Von der Klötzer Verwaltung kam jedoch der Vorschlag, einen Raum im Dorfgemeinschaftshaus zu nutzen. Gesagt, getan. „Ich hatte die Jugendlichen herbestellt“, blickte Hille nun auf die Entwicklungen Anfang des Jahres zurück. Die Frage, wann sie in den Raum könnten, sei aufgekommen. „Es war ein Freitag und sie hatten sich sofort Geräte geholt und saubergemacht“, erinnerte sich der Ortsbürgermeister an den Start im neuen Jugendklub. Dieser diente der Gemeinde früher als Abstellraum.

So fleißig, wie sich die Jugendlichen bereits als Paten um die Pflege des Denkmals im Dorf kümmerten, hätten sie auch den Raum im Erdgeschoss des Dorfgmeinschaftshauses auf Vordermann gebracht, lobte der Ortsbürgermeister.Die selbst gebauten Paletten-Sofas waren damals schon fertig. Sie waren eigentlich für den alten Jugendklub geplant, passen aber auch in den neuen Raum gut rein. Gebaut haben sie die Jungs, die Paletten stellte ein Landwirtschaftsbetrieb bereit, ein Opa half beim Bau. Die Mädchen hätten sich hingegen um die Einrichtung des Raumes gekümmert, wie es aus der Runde hieß. Für den kleinen Hunger steht ein Mini-Backofen bereit. Ein kleiner Kühlschrank wurde für die Dauer der Corona-Pause aus dem Raum genommen. Einige Löcher in den Wänden müssen noch gestopft werden, Malerarbeiten stehen auf der Liste.

Club ist derzeit nur Theorie

„Die Jugendlichen müssen auch mal unter sich sein“, begründete Manfred Hille den Schritt, einen Klub zu schaffen. Früher hätten sie sich am Spielplatz oder an der Bushaltestelle treffen müssen, wenn sie Zeit miteinander verbringen wollten, sagten die Jugendlichen. „Das war kein Zustand“, ergänzte der Ortsbürgermeister. Gedacht sei der Raum nicht nur für die heutige Generation junger Leute, die zwischen 14 und maximal 22 Jahre alt sein müssen, um sich dort treffen zu dürfen. Das ist eine der Regeln, die schriftlich festgehalten sind. Auch in Zukunft, nach der Zwangspause, sollen Heranwachsende ihren Spaß im Klub haben. Allerdings ohne Alkohol und Zigaretten, wie Hille betonte. Auch das ist eine Regel. Es soll eine Anlaufstelle für die Jugend aus dem Dorf sein, Freunde aus anderen Orten dürften mitkommen.

Den Schlüssel hat Klubratsvorsitzende Alessa Duhm. Ihr zur Seite steht Clara Baucke. Beide sind volljährig, was Voraussetzung für den Posten ist, und wurden gewählt. Wer in den Klub möchte, muss sich den Schlüssel abholen. Doch all das ist in Pandemie-Zeiten nur Theorie.

Ist denn durch die lange Corona-Pause in den letzten Monaten das Interesse der Jugendlichen an ihrem Klub gesunken, weil sie ihn nicht nutzen konnten? Nein, es sei immer noch da, hieß es aus der vierköpfigen Gruppe, die stellvertretend für die Jugendlichen im Dorf sprach. Im Winter, wenn andere Räumlichkeiten zum Treffen fehlen, würde es die jungen Leute wohl verstärkt in den Klub ziehen, schätzte Alessa Duhm. Im Sommer hätte man draußen einiges unternehmen können. Doch im Winter bräuchte man einen warmen Platz. Nach dem Gespräch mussten alle den Klub verlassen. Die Tür wurde wieder abgeschlossen.