Lockstedt l Etwas verblasst, aber noch erkennbar ist die Gründungsfahne des Lockstedter Männergesangvereins von 1883. Sportvereins-Vorsitzender Jens Lühmann hat sie gemeinsam mit anderen Einwohnern jüngst beim Aufräumen auf dem Dachboden der früheren Gaststätte gefunden. „Das Haus sollte verkauft werden und da haben wir mit mehreren Einwohnern aufgeräumt und die gut eingepackte Fahne gefunden“, schildert Jens Lühmann. Doch nicht nur die Fahne von 1883 mit der Aufschrift „Männer Gesang Verein Lockstedt, gegründet 1883“ entdeckten die Einheimischen beim Aufräumen. Auch reichlich Fotomaterial sowie Broschüren, die von vom äußerst aktiven Vereinsleben der Lockstedter Sänger berichten.

Vor 59 Jahren endete die Ära des Männergesangvereins. Denn ihr damaliger Chorleiter Oskar Nitschke starb plötzlich, und keiner der aktiven Chormitglieder führte das musikalische Ensemble weiter. Nur die älteren Lockstedter, wie unter anderem Walter Kampe (83 Jahre) und Wilhelm Schulz (83 Jahre) können sich noch an den aktiven Chorgesang im Ort erinnern. Dirigent Nitschke, im Hauptberuf Lehrer, leitete die Sangesbrüder über mehrere Jahre hinweg.

Fast alle Namen zusammengetragen

In den Broschüren fanden die Einheimischen auch, dass der Gesangverein zwar 1883 (83 Vereinsmitglieder) aus der Taufe gehoben wurde, die erste Zusammenkunft gab es indes schon 1878.Der Sportvereins-Vorsitzende hat mit den Lockstedtern auf dem Hausboden neben der historischen Fahne auch sechs Bilder von Festen und Ausflügen der Sangesbrüder gefunden. Sie geben das florierende Vereinsleben wieder. Ein Foto von 1938 zeigt die Chormitglieder bei einer Hafenrundfahrt in Hamburg. Aber auch Bilder von den alljährlichen Sängerfesten, die es vor der Ernte im Juni immer gab, haben die Lockstedter entdeckt.

Bilder

Von Haus zu Haus gegangen

Um an die Tradition des 83 Jahre lang existierten Männergesangvereins zu erinnern, hat der Sportvereinschef die historischen Bilder komplett aufgearbeitet und sie im Versammlungsraum des Saales für die Einwohner als Erinnerung ausgestellt. Beim Anblick der Fotos werden bei so manchen gestandenen Lockstedter noch Erinnerungen an ihre Kindheit wach. Die Namen der Sänger haben sie trotz des langen Zeitabstandes bis auf wenige Ausnahmen zusammengetragen. Dazu sind Gertraude und Dorothea Lühmann im Dorf von Haus zu Haus gegangen, um sie zu erfragen.

Auf dem Foto von 1938 sind bis auf einen Mann alle 29 Sänger namentlich erwähnt. Auf den beiden Bildern von 1955 sogar alle 38 Anwesenden. In dem Broschürenmaterial findet sich auch eine Festschrift von 1958 wieder. Damals wurde, drei Jahre vor der Auflösung, das 80-jährige Chor-Bestehen mehrere Tage lang gefeiert. Erinnerungen, die mit dem Fahnenfund wieder aufleben.