Nach Abwahl

Mann: „Familie stärkt mir den Rücken“

Er war der erste Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Klötze. Doch im September ist Matthias Mann abgewählt worden.

Von Siegmar Riedel

Volksstimme: Herr Mann, insgesamt waren Sie, zählen wir Kusey mit dazu, 22 Jahre Bürgermeister, davon sieben in Klötze. In dieser Zeit ist viel geschafft und angestoßen worden. Wo steht die Einheitsgemeinde heute?

Matthias Mann: Die Einheitsgemeinde ist komplett arbeitsfähig und hat sich entwickelt. Klötze hat einen guten Ruf, nicht nur im Landkreis, sondern landesweit. Vor sieben Jahren hatte noch keiner was von Klötze gehört. Das zeigt mir, mein Handeln und mein Tun haben irgendwie was bewirkt. Traurig macht mich heute aber, dass Leistung, Befähigung und Eignung keine Rolle mehr spielen. Protest, Polemik und Pöbelei haben Hochkonjunktur. Meine Güte! Ob das nun der Brexit ist oder Donald Trump in den USA – ist es das, wohin die Menschheit steuert?

Ist das Ausscheiden aus dem Amt nun das Ende Ihrer politischen Karriere?

Nein. Die ersten Tage nach der Wahl wollte ich fast schon nicht mehr aus dem Haus gehen, sagte alle Termine ab. Aber ich habe mich schnell wieder eingekriegt, auch mithilfe meiner Familie und wirklich guten Freunden. Sie stärkten mir den Rücken und sagten: Dich brauchen wir weiter. Es gibt auch viele, die heucheln. Das ist so. Ich werde aber weiterhin die politische Entwicklung beobachten. Man trifft sich immer mehrmals im Leben. Ich bin bis 2019 gewähltes Kreistagsmitglied und auch gerne bereit, Verantwortung zu übernehmen. Was jetzt den Abschnitt Bürgermeister der Einheitsgemeinde betrifft, ist das für mich eine konsequente Entscheidung gewesen, einen Schnitt zu machen, ob das nun beim Wasserverband ist oder anderswo.

Würden Sie einen Sitz im Landtag anstreben?

Nein, ein Amt auf Kreisebene und auf Gemeindeebene reicht mir durchaus. Ich kriege ja schon das eine oder andere Angebot, beispielsweise Vorsitzender des Museumsvereins in Böckwitz zu werden. Das habe ich dankend abgelehnt. Es ist ja so, Verantwortungsträger finden sie nicht auf der Straße, da steht keiner Schlange. Das ist auch kein dankbarer Posten. Im Gegenteil. Manchmal wird man für Sachen verantwortlich gemacht, die man gar nicht beeinflussen konnte.

Wie sieht Ihre Zukunft konkret aus?

Ich werde weiterhin arbeiten und zurückkehren in das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten. Am 2. Januar geht es los, nahtlos.

Wenn Sie 2017 noch Bürgermeister wären, was hätte ganz oben auf Ihrer Erledigen-Liste gestanden?

Die Eröffnungsbilanz für die Haushaltsführung, der Etat und eine Planungsstrategie für die Stadt, um zu wissen, in welche Richtung soll sich Klötze entwickeln. Das ist eine Chance, aus den Ortsteilen zu erfahren: Was wollt ihr überhaupt? Das muss dann per Beschluss durchgesetzt werden. Und das kreide ich mir an: Ich hätte strittige Punkte knallhart durch den Stadtrat mit Beschlüssen erledigen lassen müssen, wo ich versucht habe, eigenständig Kompromisse oder Lösungen zu finden. Ein paar Mal musste ich zu diesem Mittel greifen und siehe da, der Stadtrat ist mir gefolgt. Siehe Immekath Ruine, die wir abgeschmettert haben, siehe alte Skaterbahn, die nicht nach Immekath kam.

Vielleicht habe ich mir zu viel auf den Tisch gezogen. Ich hatte auch immer das Gefühl, dass mir beim Bericht nie einer gesagt hat, ich liege verkehrt. Anträge kamen auch nicht. Deshalb war ich mir in meinem Handeln soweit sicher. Ich habe lieber mich prügeln lassen als den Stadtrat. Das war immer eine politische Gratwanderung.

Worauf freuen Sie sich jetzt besonders?

Die gesamten Abendtermine fallen weg, die Wochenenden sind frei. Ich habe bisher vieles selbst wahrgenommen. Von sieben Tagen in der Woche war ich fünf oder sechs unterwegs. Deshalb freue ich mich, dass es abends ruhiger wird, wir an den Wochenenden irgendwo hinfahren können. In manchen Jahren hatte ich nicht mal meinen Urlaub aufgebraucht, habe oft Bereitschaftsdienste übernommen. Ich kann wieder mehr über mich selbst bestimmen und bin nicht so fremdgesteuert.

Hobbys habe ich in der Vergangenheit weniger gebraucht, weil ich kaum Zeit hatte. Musik machen und im Chor singen sind meine Hobbys. Und meine Familie, fünf Enkel, sie freuen sich auch, wenn Opa mehr Zeit hat.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mann, und alles Gute für Ihre Zukunft.