Klötze l Bewerbungen schreiben scheint Spaß zu machen, wenn man dabei nicht alleine ist. Dieser Eindruck entsteht im Gruppenraum des Projektes „Aktive Eingliederung“, der sich im Gebäude des Jobcenters in Klötze befindet. Es wird gelacht und gequatscht, die Stimmung ist heiter. Trotzdem wird fleißig auf die Tasten der Laptops getippt, die auf den Tischen stehen. Die Teilnehmer kommen mit ihren Bewerbungen voran. Alle haben etwas gemeinsam: Sie sind mindestens seit einem Jahr ohne Job und erhalten Arbeitslosengeld II, also Hartz IV. Und noch etwas eint sie: Die Männer und Frauen wollen einen neuen festen Job finden. Das Projekt in Klötze soll sie auf diesem Weg begleiten. Ohne großen Zwang, dafür mit viel Zuspruch.

„Die Teilnehmer müssen nicht acht Stunden am Tag hier sein“, erklärte Projektleiterin Carolin Kamlade im Gespräch mit der Volksstimme. Und was ihr noch ganz wichtig ist: „Es ist ein Projekt und keine Maßnahme.“ Zwar nutze man Räume im Gebäude des Jobcenters, arbeite eng mit ihm zusammen und bekomme Teilnehmer für das Projekt von dort vermittelt. „Wir sind aber keine Maßnahme des Jobcenters“, unterstrich Kamlade. Gefördert wird das Projekt über den Europäischen Sozialfonds (ESF), Träger ist der Verein zur Förderung der Bildung in Salzwedel.

15 Frauen und Männer können mitmachen. Maximal ein Jahr lang bleiben sie dabei. „Damit haben wir Zeit, um auf jeden einzugehen“, sagte Kamlade. Warum klappt es nicht mit einer Arbeit, was kann man tun? Die Gründe sind sehr individuell und müssen erfragt werden. Vertrauen, das sich erst mit der Zeit aufbaut, spielt dabei eine wichtige Rolle. Anders als bei einer Behörde gebe es im Projekt Menschen, mit denen die Teilnehmer reden könnten. Dabei werden die Arbeitsuchenden auch mit der Meinung anderer Menschen konfrontiert. „Wir nehmen kein Blatt vor den Mund“, so Kamlade. Manchmal müsste man einigen Teilnehmern Illusionen nehmen, wenn etwa die eigenen Vorstellungen nicht zur Wirklichkeit passen.

Im Fokus steht nicht nur die Berufsfindung. Es geht auch um den Menschen an sich. Die Unterstützung hört nicht am Kleiderschrank auf, bei Bedarf gibt es Tipps für die Garderobe. Mal etwas anderes anziehen und sich dadurch vielleicht anders fühlen, das könne schon helfen. Oder man geht zum Friseur oder in ein Kosmetikstudio. „Manchmal kann man auch ein Lob für tolle Ohrringe machen“, sagte Carolin Kamlade. Darüber hinaus wird Hilfe bei Problemen geboten, die die Teilnehmer vielleicht schon lange belasten. Wer etwa seit Jahren den Gang zum Schuldnerberater aufschiebt, kann das im Projekt nachholen. Ein mehrköpfiges Team kümmert sich um unterschiedliche Fragen.

Gestartet ist das Projekt am 1. Oktober 2019, die erste Runde ist nun also bald rum. „Durch die Corona-Zeit ist die Arbeit etwas gehemmt“, berichtete Carolin Kamlade. Per Handy wurde in der heißen Phase der Krise mit der Gruppe Kontakt gehalten. Dabei stand für das Team nicht unbedingt die Berufsfindung an erster Stelle, sondern die Hilfe an der Person, teilte die Projektleiterin mit. Denn der Kontakt zu den Teilnehmern, die zu Hause bleiben mussten, sollte nicht abreißen. Vor der Krise fanden einmal wöchentlich Gruppentreffen statt. Diese laufen mittlerweile wieder langsam an – unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln. Alle 15 Leute zusammenbringen, das ist nicht möglich.

Bei den Gruppentreffen wird das freie Sprechen geübt. Dann erzähle jeder den anderen rund fünf bis zehn Minuten lang etwas über ein selbst gewähltes Thema. Für manche Teilnehmer sei das schwierig, schaffen sie es, sei das ein Erfolgserlebnis, wusste Carolin Kamlade zu berichten.

Außerdem gibt es Tipps für das Bewerbungsgespräch, man diskutiert darüber, was Respekt und Mobbing bedeuten. „Ganz witzig“ seien diese Gruppentreffen, sagte Teilnehmerin Daniela Strauß im Gespräch. Mit dem Projekt habe sie gute Erfahrungen gemacht.

Darüber hinaus gibt es Einzeltermine. Alle vier Wochen würden Zielvereinbarungen besprochen. Anfangs einige man sich zum Beispiel darauf, dass es der Teilnehmer schafft, drei Bewerbungen in vier Wochen zu schreiben, erläuterte Carolin Kamlade. Am Ende gehe es darum, eine sozialversicherungspflichtige Arbeit zu finden.

Und wenn ein Ziel mal nicht erreicht wird? Dann werden keine Sanktionen verhängt, sondern es wird geschaut, woran es liegen könnte. Wer aber gar nicht mitmacht, lügt oder Termine nicht wahrnimmt, müsse das Projekt verlassen. Ab und zu kommen neue Gesichter in die Gruppe. Die Altersstruktur sei bunt gemischt.

Erfolge konnte das Team bereits verzeichnen. Drei Teilnehmer wurden in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt. Doch ein Erfolg könne auch sein, wenn jemand, der jahrelang allein zu Hause war, ein dreitägiges Praktikum absolviert und dabei immer pünktlich ist. Hat jemand Arbeit gefunden, endet die Betreuung nicht. Diese geht anschließend noch ein halbes Jahr weiter. Gibt es Probleme mit dem neuen Betrieb, könne man darüber sprechen.

Auf der Suche nach einem neuen Job ist auch Ronny Führer. Er ist seit Dezember im Projekt und hat unter anderem schon ein Erprobungspraktikum absolviert. Dabei schaute er Profis bei Renovierungsarbeiten über die Schultern –und stellte fest, dass das wohl nichts für ihn ist. Eigentlich ist er Fachkraft im Gastgewerbe, durch das Praktikum habe er herausgefunden, dass er wohl wieder in die Gastronomie gehen will. Die fertige Bewerbung, die er im Gruppenraum geschrieben hat, druckte er gleich aus.