Klötze l Vor verschlossenen Türen stehen die kleinen und großen Nutzer der Klötzer Stadt- und Kreisbibliothek in diesen Tagen. Die Einrichtung an der Breiten Straße 12 bleibt in den Herbstferien zu. Doch im Internet hat die Bücherei jetzt durchgehend geöffnet, rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche. Von überall kann nun mit dem Smartphone in den Beständen der Bibliothek gestöbert werden – im neuen Online-Katalog. „Jetzt kann man ganz bequem zu Hause im Sessel sitzen und sich alles angucken“, nannte die kommissarische Bibliotheksleiterin Ilka Prager im Gespräch mit der Volksstimme einen großen Vorteil des neuen Angebots. Damit macht die Einrichtung einen weiteren Schritt in die digitale Zukunft.

Der neue Katalog lässt sich nicht nur am heimischen PC, sondern auch auf mobilen Endgeräten, etwa dem Handy, problemlos aufrufen. Das unterscheidet ihn von seinem Vorgänger. Der alte Katalog habe auf mobilen Geräten nicht funktioniert, sagte Ilka Prager. Dieser sei zuletzt technisch anfällig und nicht mehr zu retten gewesen.

er kein Smartphone oder keinen Computer zur Hand hat, kann auch direkt in den Räumen der Bibliothek im neuen digitalen Katalog blättern. Im Erdgeschoss hängt nun ein Monitor, an dem die Nutzer den Bestand durchsuchen können. Ganz ohne Tastatur und Maus, gesteuert wird alles mit dem Finger auf dem Display. „Hier kann jeder checken, was im Haus vorhanden ist“, sagte Prager. Es gehe aber nicht darum, dass das Team der Bibliothek vor Ort von den Nutzern nichts mehr gefragt werden soll, wie die kommissarische Leiterin betonte. Jeder solle sich einfach informieren können.

Finden lassen sich in der Datenbank auch alle Neuanschaffungen. Und davon gibt es in diesem Jahr wieder einige. Rund 900 Bücher, DVDs und andere Medien werden 2020 gekauft, so Prager. Fördermittel vom Land Sachsen-Anhalt, das 5000 Euro zur Verfügung stellt, machen das möglich. Weitere 5000 Euro gibt die Stadt Klötze als Träger der Bibliothek dazu.

„Die ersten neuen Bücher sind eingearbeitet. Es gibt einen Korb voll, der schon im Katalog zu sehen ist“, sagte Ilka Prager und lieferte gleich den Beweis. Sie griff sich einige der Kinderbücher und suchte die Titel am Monitor unter dem Punkt Neuerwerbungen. Da waren sie: Das Grundschul-Lexikon, das Experimente-Buch und das Wörterbilderbuch, die die Bibliothekarin in der Hand hielt, tauchten auf dem Bildschirm auf – samt Foto von der Vorderseite. Ist ein Buch in den Bestand der Einrichtung eingearbeitet – das dauert jeweils rund 20 Minuten, wusste Prager aus Erfahrung – erscheint es im Katalog.

Zusätzlich gibt es in der Datenbank zahlreiche Informationen zu den jeweiligen Titeln. Worum geht es, wann sind sie erschienen, wer hat sie geschrieben, für welches Alter sind sie geeignet, wo sind sie in den Regalen zu finden und nicht zu vergessen: Sind sie gerade in der Bibliothek verfügbar? Falls nicht, können sich die Nutzer den Titel vormerken lassen.

Ein weiterer Vorteil der Seite: Nutzer können ihre Konten verwalten und zum Beispiel die Frist für ausgeliehene Medien verlängern. „Das spart uns Arbeit. Dann ist morgens vielleicht nicht mehr eine halbe Stunde der Anrufbeantworter voll mit Verlängerungswünschen“, sagte Prager.

Mit dem neuen System muss das Team der Bibliothek die Verlängerungen nicht mehr selbst bearbeiten, sondern nur noch die Vorbestellungen. Sind die gewünschten Medien im Haus eingetroffen, kriegen die Nutzer eine Mitteilung per E-Mail.

Angezeigt werden im Katalog aber nicht nur die ganz neuen Medien im Bestand, sondern auch die, die schon seit vielen Jahren in den Regalen stehen. Ebenfalls abrufbar ist der Bestand aus der Zweigstelle im Kunrauer Schloss, wo kein Monitor für die Nutzer hängt. Da kommen Tausende Titel zusammen (siehe Infokasten).

„Jetzt, wo alles läuft, bin ich verdammt stolz darauf“, sagte Ilka Prager mit Blick auf den neuen Katalog. Bis es so weit war, gab es einiges zu tun. Denn wie setzt man ein solches Projekt in die Tat um? „Welche Möglichkeiten bestehen? Man muss ständig dazulernen“, blickte sie auf den Entstehungsprozess zurück. Beteiligt waren neben dem Klötzer Rathaus auch ein Klötzer Computer-Geschäft sowie der Anwenderverein Allegro – und natürlich die Bibliothek, wie Prager sagte. „Wir haben alle in ziemlicher Teamarbeit gemeinsam das Projekt umgesetzt. Es sieht jetzt so einfach aus. Doch es stecken Wochen an Arbeit für die Vorbereitung darin“, ergänzte sie.

Ganz fertig ist das neue digitale Angebot noch nicht, auch wenn es schon im Internet aufgerufen werden kann. „Die Arbeiten daran sind noch längst nicht abgeschlossen“, so Ilka Prager. Zum Beispiel fehle eine Verknüpfung zur Onleihe. Da müsse man noch abwarten, die technischen Möglichkeiten seien noch nicht so weit.